Mit dem Lied "No Roots" wurde Alice Merton international bekannt. Die Singer-Songwriterin aus der Richtung "Alternative-Pop" hat Anfang 2026 nicht nur ihr drittes Studio-Album veröffentlicht.
Merton hat mit dem britischen Musiker Alexander Wolfe die Musik zur Hauptinszenierung der Nibelungen-Festspiele geschrieben. Die Songs zum Stück "Die Hunnenkönigin" performen sie jeden Abend live. SWR1 hat sie bei der Pressekonferenz zur Inszenierung interviewt.
Die Musik der "Hunnenkönigin" von Alice Merton: eine "Alternative-Rock-Pop"-Mischung
SWR1: Du bist in diesem Jahr die musikalische Begleitung bei den Nibelungen. Wie muss man sich die Musik, die Du machst, vorstellen?
Alice Merton: Es ist auf jeden Fall ein Teil meines eigenen Stils. Aber gleichzeitig zusammen gebunden mit dem, was Alex (Red.: Alexander Wolfe) mit hereinbringt. Er hat auch eine sehr rockige Seite. Wir versuchen, eine "Alternative-Rock-Pop"-Mischung zu machen. Einfach Songs zu schreiben, die das unterstreichen, was man auf der Bühne in dem Moment sieht.
SWR1: Kennst Du die Nibelungen-Festspiele?
Merton: Ich habe sie noch nie gesehen, aber ich kannte sie.
SWR1: Was reizt Dich an diesem Nibelungen-Stoff?
Merton: Generell bei einem Theaterstück dabei zu sein, das jeder irgendwie kennt. Diese Geschichte wird immer wieder erzählt. [...] Und bei so einem Theaterstück dabei zu sein, bei dem ich selbst diese Dramaturgie kreieren kann durch Musik, war für mich ein "No-Brainer" (Anm. d. Red: Entscheidung, über die man nicht lange nachdenken muss).
...bei so einem Theaterstück dabei zu sein, bei dem ich selbst diese Dramaturgie kreieren kann durch Musik, war für mich ein No-Brainer.
SWR1: Du hast in Mannheim an der Popakademie studiert und bist in Frankfurt geboren. Ist Worms so ein kleines Heimspiel für Dich?
Merton: "Heimspiel" ist wahrscheinlich ein bisschen zu weit gedacht. In Frankfurt bin ich zwar geboren, aber nach drei Monaten weggezogen. In Mannheim habe ich studiert. Also Mannheim war immer ein besonderer Ort.
Ich würde sagen, es ist da, wo die Menschen sind, die ich gerne habe und mit denen ich gerne Zeit verbringe. Und das ganze Ensemble ist toll. Auch alle von Worms und dem Festival sind superherzlich. [...]
Alice Merton will mit "Visions"-Album zeigen, wie schön es ist, eine Vision zu haben
SWR1: Dein aktuelles Album "Visions" ist im Januar rausgekommen. Welche Visionen teilst Du mit uns auf diesem Album?
Merton: Ich wollte unbedingt die Vision, wenn man weiß, dass man für etwas bestimmt ist, dass man solche Bilder sieht, die sonst keiner sehen kann. Oder dass du die Idee hast und sagst: Ich muss diese Idee verfolgen […].
Es ist so schwierig, in der heutigen Welt so etwas zu verfolgen. Man hat durch AI (Anm. d. Red.: Künstliche Intelligenz) diese Konkurrenz und man von vielen Leuten immer gesagt bekommt: das wird nichts.
Sich treu zu bleiben, alles auszublenden und wirklich nur diese eine Vision zu verfolgen, ist eine sehr große Leistung, die ganz viele Menschen nicht sehen. Ich wollte mit diesem Album [...] Menschen zeigen, wie besonders und schön es ist, so eine Vision zu haben. Und dass man weiterhin Visionen verfolgen muss.
Musikerin Alice Merton von "No Roots" zu den Nibelungen-Festspielen Worms: Viele Leute mit einer Emotion verbinden
SWR1: Dein Durchbruch war mit "No Roots". Was bedeutet dieser Song für Dich heute noch?
Merton: Es ist verrückt: Er ist fast zehn Jahre alt. Für mich ist es erstaunlich, dass dieser Song immer noch gestreamt und gehört wird [...]. Ich glaube, es ist einfach schön, zu wissen, dass sich so viele Leute mit einer Emotion verbinden können.
Das ist genau das, was ich bei diesem Theaterstück möchte […]. Dass Leute rausgehen und nicht nur sagen: "Wow, das war eine tolle Szene", sondern auch die Musik spüren. Dass sie sagen: "Wow, das hat mich innerlich so berührt, dass ich etwas gespürt habe, was ich nicht für möglich gehalten hätte bei Musik und Theater."