So zeigte sich die Flugangst bei Daniel Arndt
SWR1: Herr Arndt, Sie sind mit Ihrer Frau zwar in den Urlaub geflogen, aber Sie haben immer sehr gelitten. Wie hat sich die Flugangst bei Ihnen gezeigt?
Daniel Arndt: Also ich habe mir tagelang vorher schon Gedanken gemacht. Ich war angespannt, habe schlecht geschlafen und im Flugzeug selbst habe ich das Ganze nur über mich ergehen lassen, mich festgekrallt und in den Mittelgang geschaut.
SWR1: Haben Sie was probiert, also Tabletten oder Atemübungen?
Arndt: Alkohol war ein Faktor, aber da habe ich gemerkt, dass es dann in der zweiten Flughälfte noch schlimmer war. Ich hatte früher mal Hypnose probiert, die sich während der Hypnose gut angefühlt hat, aber für den Flug keinen wirklichen Effekt hatte.
Ein Seminar hat ihm geholfen die Angst zu überwinden
SWR1: Wann war dann der Punkt, an dem Sie gesagt haben, ich muss was gegen diese Angst unternehmen?
Arndt: Das war vor ungefähr zwei Jahren. Dann hatte ich mich für ein Flugangstseminar angemeldet, was dann quasi auch den Startstein gesetzt hatte zur Besserung.
SWR1: Was ist beim Seminar passiert? Was macht man da?
Arndt: Also das war ein zweitägiges Seminar. Es ging größtenteils um Flugtheorie, Statistiken. Es gab einen Simulatorflug und dann als Gruppe noch einen Flug mit dem Seminarleiter nach Zagreb, der eigentlich so den Hauptteil für mich ausgemacht hat.
Der Moment, in dem die Flugangst nachließ
SWR1: Haben Sie da auf dem Flug schon gemerkt, dass sich was verändert hat?
Arndt: Ja, definitiv. Zum einen ich war nicht mehr alleine mit der Angst und konnte sie teilen mit den anderen Seminarteilnehmern. Bei jeglichen Frage konnten wir den Seminarleiter fragen, hey, was passiert hier gerade? Warum kippen wir nach vorne? Warum fühlt es sich so an, als würden wir fallen? Und das hat das Ganze für mich ein bisschen entmystifiziert.
SWR1: Was war denn so der entscheidende Schalter jetzt so bei diesem Seminar, dass Sie gesagt haben, jetzt habe ich es, jetzt kann ich einsteigen?
Arndt: Neben der ganzen Theorie und dem Entmystifizieren, war es tatsächlich auch die Faszination des Seminarleiters, weil da jemand stand, der fürs Fliegen gebrannt hatte. Das war so komplett konträr zu meiner eigenen Einstellung, was dann im Nachgang ein Umdenken für mich erzeugt hat.
Faszination war bei mir selbst wahrscheinlich schon immer da, aber eben verdeckt durch die Angst. Und jetzt entdecke ich quasi diese neue Seite von mir.
Von der Flugangst zum freiwilligen Rundflug
SWR1: Fliegen Sie heute völlig entspannt und genießen es?
Arndt: Also komplett entspannt würde ich jetzt nicht sagen, aber ich bin deutlich entspannter. Ich fliege mittlerweile in kleinen Flugzeugen und ich habe für den 24. Juli tatsächlich nochmal einen Rundflug gebucht. In einem Rundflug durfte ich sogar selbst steuern und das war der absolute Hit und hat Lust auf mehr gemacht.
Faszination war bei mir selbst wahrscheinlich schon immer da, aber eben verdeckt durch die Angst. Und jetzt entdecke ich quasi diese neue Seite von mir.