Ein Leben voller Wandel: Pippo Pollina zwischen zwei Welten
Pippo Pollina, 1963 in Palermo geboren, ist ein Mann der Gegensätze – ein Wanderer zwischen den Welten. Als politisch engagierter Journalist deckte er einst die Verstrickungen der Mafia auf, bevor er sich der Musik zuwandte und als Cantautore internationale Erfolge feierte.
Heute lebt er zwischen Sizilien und der Schweiz und bleibt sich in seiner Kunst treu. Als Cantautore lässt er politische Haltung und persönlichen Erfahrungen in seine poetische Musik fließen.
In seinem neuen Album „Fraguera e Pace – Zwischen Krieg und Frieden“, das am 5. Dezember erscheint, verbindet Pollina erneut seine Leidenschaften: Musik und Botschaften.
Doch diesmal gibt es eine besondere Premiere – er arbeitet erstmals auf seinem nunmehr 25. Album mit seinen beiden Kindern, Madlaina und Julian (bekannt als Faber), zusammen. „Es war wichtig, dass sie erst ihre eigenen Wege gehen“, sagt Pollina im Interview bei SWR Kultur. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen.“
Vom Mafia-Journalismus zur Musik
Bevor Pollina als Musiker bekannt wurde, arbeitete er als Journalist für die Zeitung „I Siciliani“, die von Giuseppe Fava geleitet wurde. Die Zeitung wagte es, die Machenschaften der Mafia offen zu legen – ein mutiger Schritt, der Fava 1984 das Leben kostete. „Giuseppe Fava wurde von Cosa Nostra ermordet, weil er gefährliche Artikel schrieb“, erzählt Pollina.
„Er zeigte die Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und Mafia – mit Namen, Beispielen, Fakten.“ Der Tod seines Mentors war ein Wendepunkt für den jungen Journalisten. Pollina entschied sich, Sizilien und den Journalismus hinter sich zu lassen. „Ich habe eine Pause gemacht und bin auf Reisen gegangen“, erinnert er sich. Diese Reise führte ihn schließlich zur Musik – und zu einem neuen Lebensweg.
Madlaina & Faber: Musik als Familiengeschichte
Madlaina und Julian, die Kinder von Pippo Pollina, haben längst ihre eigenen musikalischen Karrieren gestartet. Madlaina, die zusammen mit Nora Steiner das Duo „Steiner & Madlaina“ bildet, hat sich mit ihrem Indie-Folk-Sound einen Namen gemacht.
Ihre Lieder, wie „Das schöne Leben“ oder „Prost, mein Schatz“, verbinden gesellschaftskritische Texte mit eingängigen Melodien und sind bei jungen, neo-kulturellen Hörern besonders beliebt.
Julian, bekannt unter seinem Künstlernamen Faber, hat sich als Solokünstler in der deutschsprachigen Musikszene etabliert. Seine Songs sind poetisch, provozierend und oft politisch, was der Song „Das Boot ist voll“ besonders eindrücklich zeigt.
Mit Alben wie „I fucking love my life“ und „Sei ein Faber im Wind“ oder zuletzt erschienen „Addio“ hat er einen rauhen wie emotionalen Sound erschaffen, der seine italienischen Wurzeln klar durchscheinen lässt und gleich mehrere Generationen anspricht.
Wie der Vater nimmt Faber dabei kein Blatt vor dem Mund, sondern thematisiert in seinen Liedern gesellschaftliche Missstände – von politischer Korruption bis hin zu emotionalen Krisen.
Musikalische Zusammenarbeit der Generationen
Auf "Fraguera e Pace" arbeiten Vater und Kinder erstmals gemeinsam an einem Song auf dem Album des Vaters. (Auf Fabers jüngsten Album „Addio“ finden sich bereits drei italienische Lieder mit Pollina. Der Song „La Notte dei Cristalli“, erinnert die Reichspogromnacht von 1938. „Es ist ein politisches Statement“, erklärt Pollina.
„Wir wollen die Erinnerung bewahren und gleichzeitig eine klare Position für die Menschlichkeit beziehen.“ Der Song vereint die Stimmen der drei Künstler und zeigt, wie Musik Generationen verbinden kann.
„Wir sind mit Musik aufgewachsen“, erzählt Pollina. „In unserer Familie gab es für alles ein Lied – für den guten Morgen, für Weihnachten, für das neue Jahr.“ Diese musikalische Prägung hat die beiden Kinder stark beeinflusst, doch ihre Eigenständigkeit stand für den Vater immer im Vordergrund.
„Ich wollte, dass sie ihre eigenen Wege finden, bevor wir zusammenarbeiten“, so Pollina. Diese Philosophie hat sich ausgezahlt: Heute stehen Faber und Madlaina fest in der Musikwelt, unabhängig von ihrem berühmten Vater.
Ein Album über Hoffnung in dunklen Zeiten
„Musik ist zuerst mal Kommunikation“, sagt Pollina. Auf „Fraguera e Pace“ ist diese Haltung spürbar. Neben „La Notte dei Cristalli“ enthält das Album Songs wie „Free Palestina“, das die Not der palästinensischen Bevölkerung thematisiert, und „Rosa Bianca“, das die Geschichte der Weißen Rose erzählt.
„In Italien kennt diese Geschichte kaum jemand“, bemerkt Pollina. „Ich freue mich, sie meinem Publikum näherzubringen.“
Die Lieder des Albums sind nicht nur politisch, sondern auch poetisch. Mit Themen wie Krieg, Frieden, Widerstand und Hoffnung spricht Pollina ein breites Publikum an. „Kunst muss Visionen bieten“, betont er. „Wir müssen aus der Geschichte lernen und Wege finden, die uns Hoffnung geben.“
Tourstart im Januar
Ab Januar 2026 bringt Pollina sein neues Album auf die Bühne. Die Tour startet am 20. Januar in Stuttgart und führt durch zahlreiche Städte. „Live-Musik ist das Herz meiner Arbeit“, sagt Pollina. „Ohne die Energie des Publikums wäre es halb so schön.“