Kindheit in Texas – zwischen Ölfeldern und Musikträumen
Mit "Fußball, Ölfelder, Schmierfett und Sand" charakterisierte Roy Orbison das Umfeld, in dem er aufwuchs. Mit chronisch schlechtem Sehvermögen geboren, fühlte er sich von klein auf in einer so rauen Macho-Umgebung fehl am Platz.
Schon in jungen Jahren fing Roy an, sein sandiges Haar schwarz zu färben. Von seinem Vater, der als Geologe auf den texanischen Ölfeldern arbeite, bekam er die erste Gitarre geschenkt. Roy glaubte aus seiner Stimme etwas herauszuhören, das die Befreiung von einer düster vorhersehbaren Zukunft auf den Ölfeldern versprach.
Ich dachte nicht, dass es eine gute Stimme war, aber eine mit Wiedererkennungswert.
Erste Band – Von Country zu Rockabilly
Ende der 1940er-Jahre gründete Orbison auf der High School "The Wink Westeners" - seine erste Band. Roy und seine Kumpels spielten alles, was gefragt war – vorwiegend Country-Music und Standards wie "Moonlight Serenade" oder "Stardust". All dies änderte sich, als Elvis Presley in der Musiklandschaft auftauchte. Von nun an nannten sie sich "The Teen Kings" und spielten Rockabilly.
"Ooby Dooby" – der erste große Erfolg
Mit ihrem ersten Song "Ooby Dooby" stellten sie sich bei einer großen Plattenfirma vor, die der Band jedoch keine Zukunftschancen einräumte und ablehnte. Allerdings zeigte ein ortsansässiger Impresario Interesse und wenig später erschien der Titel bei einer kleinen Plattenfirma. Im Handumdrehen verkauften sich Hunderte von Exemplaren, was so viel Aufsehen verursachte, dass Sam Phillips, der Besitzer von "Sun Records", aufmerksam wurde.
Er nahm die jungen Musiker unter Vertrag und brachte "Ooby Dooby" auf seinem Label erneut in den Handel. 200.000 Platten gingen über die Ladentische. Mit ihrem Song waren sie Teil von Rock'n'Roll Shows, die durch die Lande zogen und sie bis in die tiefste Provinz führten.
Wir versuchten, aus einem einzigen Hit eine ganze Bühnenshow auf die Beine zu stellen. Das war sehr schwierig und wir sprangen auf der Bühne herum wie ein Haufen Idioten.
Roy Orbisons Frau Claudette wird zum Hit
Mit dem Einstandserfolg kam aber auch die Trennung von seiner Band. Zudem war der Wurf eine einmalige Sache und blieb der einzige Hit, den er in den nächsten Jahren haben sollte.
Dies betraf allerdings nur den Sänger Roy Orbison, denn als Songwriter hatte er bedeutend mehr Erfolg. So hatte er den Everly Brothers den Titel "Claudette" angeboten – übrigens der Name seiner ersten Frau – der den Brüdern weltweiten Erfolg brachte.
Durchbruch mit "Only the Lonely"
Roy Orbison war bei "Sun Records" nicht glücklich. Er kaufte sich aus seinem Vertrag frei und fand als Komponist und Texter bei einem der größten US-Verlage in Nashville eine neue Anstellung. Dessen Präsident Wesley Rose nahm sich Orbison als sein Manager an und vermittelte ihn an die neu gegründete Plattenfirma "Monument".
Fred Foster, der Präsident der Firma, übernahm persönlich die Produzententätigkeit. Mit "Uptown" war im Herbst 1959 ein vielversprechender Anfang geglückt. Die Nachfolgeplatte "Only the lonely" brachte schließlich auch auf internationaler Ebene den Durchbruch und für Roy die erste goldene Schallplatte.
Dabei war gar nicht geplant, dass er dieses Lied selbst aufnehmen würde. Zuerst bot er den Song Elvis Presley und dann den Everly Brothers an, die jedoch alle ablehnten.
Studio-Tricks für mehr Stimmvolumen
Die besten Studiomusiker und die legendären Anita Kerr-Singers standen für die Aufnahme parat. Währenddessen war Roy Orbison damit beschäftigt, das Potenzial seiner Stimme zu erforschen. Sie klang immer noch ziemlich dünn und war an nichts Anstrengenderes als Teenager-Balladen gewöhnt.
Um dies auszugleichen wurde er hinter eine, mit Mänteln beladene Garderobe platziert, die seine Stimme von den anderen Geräuschen im Studio isolierte. Dies gab die Möglichkeit, die Defizite technisch aufzufüttern und ihn voluminöser klingen zu lassen.
Die "Pretty Woman" wirbelt alles durcheinander
Mit "Only the lonely" startete eine fantastische Hitserie, die ihren Höhepunkt in "Oh, Pretty Woman" fand.
Orbison erzählte: "Eines der schönsten Komplimente habe ich 1964 von Chet Atkins bekommen." Dieser äußerte, dass dies die beste Rock'n'Roll-Aufnahme sei, die er je gehört habe. Auch in Europa verursachte die Nummer einen immensen Wirbel in den Bestsellerlisten. In England fanden innerhalb von drei Wochen eine halbe Million Scheiben neue Besitzer und in Deutschland waren es 100.000 verkaufte Exemplare, welche die etablierte Schlagerelite ins Abseits drängte.
Durch Schallplattenaufnahmen, Konzerte, Fernsehauftritte, neue Songs schreiben und seine Produzententätigkeit war er mehr als acht Monate im Jahr von seiner Familie getrennt. Nach dem "Pretty Woman"-Erfolg wechselte er erneut die Plattenfirma und unterschrieb bei MGM einen Vertrag, der auch Verpflichtungen im Filmgeschäft beinhaltete.
Roy Orbison erleidet schwere familiäre Schicksalsschläge
Doch nun begann sich das Blatt zu wenden. Beruflich blieben die Erfolge weitgehend aus und er gehörte für die nächsten zwanzig Jahre seines Lebens mehr oder weniger zu den "Oldie"-Künstlern.
Zudem trafen ihn im Privatleben in kurzer Abfolge schwere Schicksalsschläge. 1966 verunglückte seine erste Frau Claudette bei einem Motorradunfall tödlich und zwei Jahre später starben zwei seiner Söhne bei einem Brand in seiner Villa in Hendersonville. Nur sein kleinster Sohn Wesley wurde gerettet. Für ihn brach eine Welt zusammen.
Das unerwartete Comeback von Roy Orbison mit einem alten Song
Erst die Ehe mit seiner zweiten Frau Barbara Jakobs, die aus Bielefeld stammte, brachte ihn 1969 wieder ins Lot. Sie wurde später sogar seine Managerin. Bis sich das musikalische Comeback einstellte, ging jedoch noch einige Zeit ins Land. Der Regisseur David Lynch brachte den Stein ins Rollen, als er in seinem 1986 gedrehten Film "Blue Velvet" den Hit "In dreams" verwendete. Dies führte dazu, dass Roy Orbison mit seinem unnachahmlichen Klang plötzlich wieder gefragt war.
Superstars unter sich
Ex-Beatle George Harrison holte Roy Orbison in eine aus Musikerlegenden bestehende Rockband: "The Traveling Wilburys". Die 1988 in Los Angeles gegründete Gruppe bestand aus Bob Dylan, Tom Petty, Jeff Lynne, Harrison und Orbison. Mit ihnen feierte er neue Erfolge. Auch als Solist schaffte er mit "You got it" wieder den Einzug in die Top Ten. Das dazu gehörende neue Album "Mystery Girl" wurde im November 1988 fertiggestellt.
Tod und Vermächtnis
Die Veröffentlichung und den Erfolg seiner neuen Platte erlebte er nicht mehr mit: Orbison, der schon seit einigen Jahren mit Herzproblemen zu kämpfen hatte, erlag am Abend des 6. Dezember 1988 einem schweren Herzinfarkt.
Mit ihm starb ein wichtiges Stück Popmusikgeschichte. Kurz vor seinem Tod wurde er 1987 in die "Rock'n'Roll Hall of Fame" aufgenommen, zwei Jahre später in die "Songwriter Hall of Fame". 2010 schließlich erhielt er einen Stern auf dem "Walk of Fame" in Hollywood.
Die Tatsache, dass zu seinen Fans Bruce Springsteen und andere Größen der jüngeren Pop- und Rockszene gehören, zeigt, dass die Musik von "The Big O." eine wirklich zeitlose Qualität hat.