Ex-Scorpions-Drummer Herman Rarebell: Die Band zeigt ihm die kalte Schulter

Teilen

Stand

Von Autor/in Jörg Assenheimer

Herman Rarebell war fast zwei Jahrzehnte lang der Drummer der Scorpions – und hat als solcher Musikgeschichte geschrieben. Der Saarländer stand mit der Band auf den größten Bühnen der Welt, und mit "Wind Of Change" schrieben die Scorpions quasi den Soundtrack zum Fall des Eisernen Vorhangs – Menschen auf der ganzen Welt pfiffen diese Melodie. Rarebell war zudem maßgeblich an Welthits wie "Rock You Like A Hurricane" beteiligt.

Am 19. Januar 1985 spielt Rarebell beim legendären Rock in Rio vor 420.000 Menschen das beste Drum-Solo seines Lebens. Ein Höhepunkt einer Karriere, die im beschaulichen Hüttersdorf im Saarland begann, wo er als Kind vor allem eines war: laut. "Der muss immer irgendwo dagegen hauen", sagten die Tanten, während der Vater, ein Polizist, nur den Kopf schüttelte: "Musiker? Das ist doch ein Gammlerberuf." Später, als die Scorpions in den USA auf Platz 1 landeten, änderte sich der Ton: "Ich hab’s immer schon gewusst", so der stolze Papa – natürlich.

Wenn ich’s geschafft habe, hol ich dich mit dem Rolls Royce ab.

Herman Rarebell wollte nie etwas anderes sein als Rockstar. Der Weg dahin war allerdings steinig: Als Klaus Meine und Rudolf Schenker ihn zu den Scorpions holten, versprachen sie große Auftritte – doch erstmal gab’s nur eine Dachwohnung, 400 Mark im Monat und viel Hoffnung.

Dann aber ging’s los – und der Schlagzeuger stürzte sich mit Begeisterung ins Rockleben: Sex, Drugs & Rock’n’Roll – "nicht zu knapp". Waren die anderen Scorpions ähnlich wild? "Nö, die waren eher brav." Und gesundheitliche Folgen?

Mein Arzt sagt immer: Du bist topfit. Wenn ich ihm von meiner Vergangenheit erzähle, sagt er: Du lügst!

1996 war Schluss. Die Band war ihm zu soft geworden: "Zu viele Balladen. Ich bin ein Heavy-Drummer." Der Kontakt zu den alten Kollegen ist abgerissen – auf seine Mails kam nie eine Antwort.

Abonnieren Sie unseren Podcast! Im SWR4 Promitalk führt Moderator Jörg Assenheimer sehr persönliche Interviews mit Stars und Prominenten – unterhaltsam, emotional und jede Woche neu.

Rock'n'Roll für immer: Günther Sigl und die unbändige Leidenschaft

Mit 15 bekam er seine erste Gitarre – ein Geschenk seines Vaters, der ihm eigentlich eine sichere Zukunft in der Bank ans Herz legte. Doch Günther Sigl wollte mehr als Zahlen.

Rainhard Fendrich: "Je älter du wirst, desto öfter begegnest du dem Tod"

Sänger Rainhard Fendrich spricht über seine lieblose Kindheit und wie er seinen Weg auf die Bühne fand. Zudem erzählt der Wiener, warum ihn der Tod seiner Tochter bis heute quält.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Jörg Assenheimer