1979 gründet sich Marillion und Steve Rothery ist vom ersten Album an dabei. 1985 feiert die Band – damals noch mit Sänger Fish – mit "Misplaced Childhood" einen Riesenerfolg. Mit auf der Platte im Prog-Rock-Stil: die Songs "Pseudo Silk Kimono", "Kayleigh" und "Lavender".
So denkt Steve Rothery über den Erfolg von "Misplaced Childhood"
SWR1: Auch nach über 40 Jahren werden diese Songs und die ganze Platte geliebt ohne Ende. Machst du dir das immer noch bewusst nach all der Zeit?
Steve Rothery: Es hat sich einfach alles so ergeben, daher nee, denke ich nicht dauernd dran. Es war so einfach, die Platte zu machen, die Produktion war die günstigste und bei weitem erfolgreichste. In Berlin haben wir bei den Aufnahmen 'ne tolle Zeit gehabt.
SWR1: Berlin war damals eine verrückte Stadt mit der Teilung und der Mauer und so. Was habt ihr alles erlebt, als ihr da wart?
Rothery: Wir haben dauernd den Stacheldraht gesehen, die Wachtürme, und sind an der Mauer entlang marschiert. Ein komisches Gefühl. Die Leute in Berlin haben immer auf dem Pulverfass gesessen – und jede Minute gelebt. Wir sind oft einen trinken gegangen und essen. Die Zeit in Berlin vergesse ich nie.
Steve Rothery über Marillion-Mega-Album: Für "viele Tausend Mädchen mit dem Namen Kayleigh" verantwortlich
SWR1: Und wenn es um die Liebe zum Album "Misplaced Childhood" geht: Welche Storys erzählen dir Fans?
Rothery: Die Platte ist schon einmal für viele Tausend Mädchen mit dem Namen Kayleigh auf der Welt verantwortlich – weil die Eltern Fans sind. Das ist schon ein wunderbares Gefühl. Das Album hat die Leute damals berührt und es klingt immer noch toll. Es ist eines unserer besten, vielleicht sogar das beste.
SWR1: Nach dem riesigen Erfolg mit "Misplaced Childhood" habt ihr mit Fish noch ein Marillion-Album gemacht – "Clutching At Straws" – aber da war die Stimmung nicht mehr so gut. Ihr habt euch gestritten …
Rothery: Es war echt schade, dass Fish und der Rest so in zwei Lager zerbrochen sind. Denn bis dahin lief alles super. Fish ist ein komplizierter Mann. Er ist brillant und hat kreative Kraft, aber er ist nicht immer so einfach. SEINE Ansichten vom Leben und dem Universum decken sich nicht unbedingt immer mit deinen eigenen.
"Gib nicht dein ganzes Geld für Porsche-Autos aus", würde Steve Rothery seinem jüngeren Ich raten
SWR1: Und wenn du jetzt zurückschaust, was in den wilden 80ern mit Marillion alles los war: Würdest du dem jüngeren Steve einen Tipp geben?
Rothery: Ich würde mir höchstens sagen: Gib nicht dein ganzes Geld für Porsche-Autos aus. Zahl lieber deine Hypothek ab. Das macht mehr Sinn – auch wenn’s weniger Spaß macht. Ansonsten habe ich einfach tolle Erinnerungen an die Zeit und bin glücklich über meine Entscheidungen. Ich bin immer noch verheiratet, was im Musik-Business selten ist, habe Familie und Enkelkinder. Ich bin mit allem happy und bereue nichts.