Thema Musik

Traurig und schön – Der Mond vertont

Der Mond hat eine besondere Kraft, uns Menschen zu verzaubern, und Musiker aller Zeiten haben das hörbar gemacht. Ein musikalischer Mondspaziergang von Schumann bis Schönberg.

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Von Autor/in Almut Ochsmann

Zwischen Vertrautheit und Fremdartigkeit

Der zeitgenössische Komponist Anno Schreier beschreibt den Mond als vertraut und zugleich fremdartig. „Normalerweise ist das Licht des Mondes grell-weiß, aber manchmal ist es auch fast rot oder hat verschiedene Farbtöne. Da muss man die ganze Zeit hinschauen, weil das so eine Anziehung auslöst“, findet Schreier.

Diese Mischung aus Nähe und Unerreichbarkeit mache den Mond zu einem faszinierenden Objekt, das seit Jahrtausenden in Mythen und Geschichten auftaucht.

Der Vollmond leuchtet am Nachthimmel, eine Wolke verdunkelt den Mond teilweise
Der Mond ist musikalisch unerschöpflich. Immer wieder kann man neue Mond-Lieder entdecken.

Der Mond und die Musik

Musik und Mond sind eng miteinander verbunden. Robert Schumann vertonte Joseph von Eichendorffs Gedicht „Mondnacht“ im Jahr 1840. Zu der Zeit gibt es noch kein elektrisches Licht. Ob der Zauber einer hellen Mondnacht damals vielleicht noch größer war als heute?

Das Gedicht selbst erwähnt den Mond nicht direkt, sondern nur in der Überschrift. „Die Hälfte des Gedichts steht im Konjunktiv“, erklärt Anno Schreier, „es ist ein Schwebezustand zwischen Irrealem und Realem.“

Claude Debussy ließ sich ebenfalls von der Magie des Mondes inspirieren. Sein berühmtes Klavierstück „Clair de lune“ basiert auf einem Gedicht von Paul Verlaine. Die Pianistin Anne Le Bozec beschreibt die Musik als schwerelos.

Gabriel Fauré hingegen vertonte Verlaines „Clair de lune“ als Menuett. „Bei Fauré ist sehr spannend, dass man spürt, dass diese Seele nicht als melancholisch gesehen werden möchte“, sagt Le Bozec, „diese Seele wird nicht berührt, sondern wird für sich scheinen wie ein Mondenschein.“

Von der Romantik zum Wahnsinn

Arnold Schönbergs „Pierrot Lunaire“ zeigt eine ganz andere Seite des Mondes. Der Komponist wählte 21 Gedichte aus Albert Girauds Sammlung und vertonte sie in einem expressiven Sprechgesang.

Der Mond wird hier zum Symbol für Wahnsinn und Extreme. „Die Klangsprache bei Schönberg hat etwas Fremdartiges, wie ein glitzernder Kristall.“, erklärt Schreier

Arnold Schönberg: Pierrot lunaire, op. 21 | Salome Kammer & der/gelbe/klang

Der Mond ist auch in der Popkultur ein Symbol für das Mysteriöse. Pink Floyds Album „Dark Side of the Moon“ oder Michael Jacksons „Thriller“ greifen die dunkle Seite des Mondes auf. Hier steht der Mond für das Andere. Er wird zum Soundtrack für das Unheimliche.

Musik über den Mond ist mal leuchtend-rund, mal bläulich-blass, mal düster-schwarz, mal traurig-schön. Ganz so wie der Mond selbst.

Gedichte und ihre Geschichte Wilhelm Lehmann: „Mond im Januar“

Sieht der Mond im Winter anders aus als im Sommer? Der deutsche Lyriker Wilhelm Lehmann war davon überzeugt und widmet dem Januar-Mond ein eigenes Gedicht. Darin beschreibt er ihn vor allem anhand eisiger irdischer Phänomene, die uns den Mond zeigen, zum Beispiel eine gefrorene Pfütze, in der er sich spiegelt. Daneben stellt Lehmann einen Bezug zur antiken Mythologie her.

SWR Kultur am Samstagnachmittag SWR Kultur

Album-Tipp Neues Album von Pablo Ferrández: „Moonlight Variations“

Wenn zwei musikaffine Spanier ihren kleinen Sohn Pablo nennen, dann muss er wahrscheinlich Cellist werden. Pablo nach Pablo Casals. Bei Pablo Ferrández war das so. „Ich bin Pablo und ich spiele Cello – das war für mich das Normalste auf der Welt“, sagt der heute 34-Jährige. Jetzt legt er ein neues Album vor, sein viertes bei Sony, und diesmal ist sein Thema: der Mond.

Treffpunkt Klassik SWR Kultur

Ready for Liftoff! Zurück zum Mond und mehr! So cool wird das Raumfahrtjahr 2026 (mit Dirk Wagner)

Endlich wieder zum Mond! 2026 hat das Potential, die Begeisterung für Raumfahrt zurückzubringen. Wegen der geplanten Mondmission der NASA, aber auch wegen vielen anderen Projekten. Mit unserem Ehrengast Dirk “Weltraumwagner” schauen wir in die USA und nach Europa, nach Indien und China, zu Asteroiden und sogar auf den Merkur. Seid ihr ready for Liftoff?
Über die Hosts:
Anne-Dorette Ziems ist freie Wissenschaftsjournalistin, TikTokerin und Buchautorin. Bei @annesnerdnight erklärt sie Raumfahrt so, dass alle sie verstehen.
Dirk Wagner ist Raumfahrtexperte beim Hessischen Rundfunk. Vielen von euch ist er sicher bekannt durch seinen ehemaligen Podcast Weltraumwagner.
In dieser Folge:
0:00 Intro
01:50 Premiere im Weltraum: ein medizinischer Rückholflug
02:45 Zurück zum Mond – vielleicht schon im Februar!
11:40 Indien schickt Menschen ins All – mit eigener Kapsel
15:52 Einmal alles bitte: das chinesische Weltraumteleskop Xuntian
20:07 Weltraum für alle? Die erste private Raumstation
25:36 Und was macht eigentlich Europa dieses Jahr?
29:45 Mit Hera zum Doppelasteroiden
33:24 Fazit: Kehrt die Raumfahrtbegeisterung zurück?
Links:
Apollo 8 feiert Weihnachten am Mond https://www.nasa.gov/missions/apollo/apollo-8-christmas-at-the-moon/
Indiens Raumkapsel erklärt https://www.thehindu.com/infographics/2025-12-10/gaganyaan-india-isro-space-mission/index.html
Mehr zu Indiens Interessen im Weltraum https://www.planetary.org/articles/history-motivations-indias-space-program
Die Mondmission Artemis und ihre Kinderkrankheiten https://www.nasa.gov/missions/artemis/nasa-identifies-cause-of-artemis-i-orion-heat-shield-char-loss/
Haven-1: bequem schlafen in der Ministation https://www.vastspace.com/haven-1
Die NASA engagiert sich für private Raumstationen https://www.nasa.gov/humans-in-space/commercial-space/leo-economy/nasa-helps-with-progress-on-vasts-haven-1-commercial-space-station/
Schon 2022 berichtete das chinesische Staatsfernsehen über das neue Teleskop https://news.cgtn.com/news/2022-05-06/Chinese-Xuntian-Space-Telescope-to-unravel-cosmic-mysteries-in-2023-19Ojkqf3iQ8/index.html
Podcast-Tipp:
Abenteuer Diagnose
https://1.ard.de/AbenteuerDiagnose_Podcast
Redaktion und Mitarbeit:
Philip Artelt, David Beck, Fritz Espenlaub, Kristina Koch, Nina Kunze, Anne-Dorette Ziems
Kontakt:
Wir freuen uns über Fragen und Kommentare an liftoff@ard.de
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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Almut Ochsmann
Almut Ochsmann
Onlinefassung
Janine Putzek