Aus Müll wird „nachhaltiger“ Klang
Max Castlunger ist Perkussionist, Komponist und Instrumentenbauer. Seine Instrumente sind jedoch alles andere als „von der Stange“: Der Südtiroler Multiinstrumentalist nimmt sich Schlaginstrumente aus aller Welt zum Vorbild und baut sie mit ausgedienten Alltagsgegenständen nach – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und immer auf der Suche nach neuen Klängen.
Der Klimawandel macht auch vor dem Konzertsaal nicht halt
Was wie eine Randmeldung daherkommt, hat allerdings weitaus mehr Gewicht. Warum sollte nicht auch die Musikszene über Nachhaltigkeit nachdenken? Klimawandel und das 1,5-Grad-Ziel machen auch vor dem Konzertsaal nicht halt.
Auf Seite der Veranstalter spielt das heutzutage ebenso eine Rolle wie bei den aktiven Musiker*innen: Festivals können zum „Green Event“ werden, Konzertveranstaltende machen sich Gedanken zur CO2-Kompensation. Auch Konzertreisen durch die ganze Welt können unter Aspekten der Nachhaltigkeit anders – und gegebenenfalls sinnvoller – geplant werden.
Nachhaltig Musizieren mit einer alten Waschmaschinentrommel
Ein Gedanke, der diese Ideen konsequent weiterführt, fängt bei den Instrumenten an, die die Musik zum Klingen bringen. Kreative Köpfe wie Max Castlunger bringen genau das weiter voran, indem sie Gegenständen ein zweites musikalisches Leben geben.
In Castlungers „Upcycling Music Band“ werden ausschließlich Instrumente verwendet, die aus ausrangierten Gegenständen neu konstruiert wurden. So wird aus einer Waschmaschine eine Trommel, aus einem Beistelltisch ein Hackbrett und aus alten Sauerstoffflaschen ein sphärisch klingendes Glockenspiel.
Upcycling als Chance für Vermittlung
Projekte wie „Upcycling Music“ tragen den Nachhaltigkeitsgedanken auf kreative Art in die Welt und wirken als Signal an das Publikum. Zugleich entsteht dadurch ein riesiges Experimentierfeld und ein ganz eigener Kosmos neuer Klänge und Möglichkeiten.
Castlunger sucht aktiv den Kontakt zu seinem Publikum, präsentiert seine Instrumente in Ausstellungen und lädt in Workshops zum Ausprobieren ein. Damit ist er mittlerweile nicht mehr allein: In musikalischen Recyclingprojekten sensibilisieren Musikerinnen und Musiker weltweit für das Thema Nachhaltigkeit, etwa beim „Recycled Orchestra“ aus Paraguay, das auf Instrumenten aus alten Blechdosen musiziert.
„Wir machen Musik aus eurem Müll“, lautet hierbei das durchaus kritisch gemeinte und an die westlichen Industrienationen gerichtete Motto. Zugleich leistet dieses Projekt wertvolle Arbeit für kulturelle Teilhabe ungeachtet der sozialen Herkunft:
Denn Nachhaltigkeit hört bei der Umwelt nicht auf, sondern kann dann besonders erfolgreich umgesetzt werden, wenn sie verschiedene Bereiche des Lebens miteinander verbindet.
Schon Bach betrieb musikalisches Upcycling
Neben dem materiellen Re- oder Upcycling wird in der Musik auch auf andere Art Altes wiederverwertet: Nicht erst seit dem letzten Jahrhundert werden Songs gecovert, adaptiert oder in Mash-Ups neu aufgelegt.
Selbst ehrwürdige Komponisten wie Johann Sebastian Bach griffen gerne von Zeit zu Zeit in die eigene Mottenkiste und landeten damit beim zweiten Mal nicht selten einen größeren Erfolg als mit der ursprünglichen Kompositionsidee. Man denke dabei nur an den Eröffnungschor „Jauchzet frohlocket“ aus dem Weihnachtsoratorium, der ursprünglich Teil der weltlichen Kantate „Tönet ihr Pauken!“ war.
Nachhaltigkeit – Damals wie heute modern
Dass wir heute nurmehr eines der beiden Stücke in den musikalischen Kanon gepackt haben, spricht Bände und sollte uns vielleicht auch im Privaten ermuntern, öfters mal zu recyclen, statt das Rad immer wieder neu erfinden zu wollen: Manchmal braucht es eben zwei oder mehr Versuche.
In der Popmusik ist das ja ohenhin erfolgreich gelebte Praxis. Nicht umsonst sind alte Charts-Hits des letzten Jahrhunderts insbesondere auf Social-Media-Plattformen wie TikTok immer mal wieder auf Platz 1 der Trends und verdrängen „neue“ Songs aktueller Künstler*innen vom Markt. Upcycling ist also nicht nur richtig und wichtig, sondern gerade auch in der Musik ein aktuelles Thema – und das seit über 400 Jahren.