Mannheimer Musik-Zeitzeugen im Fokus
„Music made in Mannheim“ – Popakademiestudent Noah Deppler hat schnell gemerkt: Da steckt viel mehr dahinter, als er sich das zunächst vorgestellt hat. Die Aufgabe für seine Projektgruppe: Interviews mit Mannheimer Musik-Zeitzeugen führen.
Schwerpunkt sollen Musikerinnen und Musiker sein, die ab den 1950er- bis 90er-Jahren Spuren in der Mannheimer Musikszene hinterlassen haben.
Wie zum Beispiel Keyboarder Peter Seiler, in den 1970ern Teil der Krautrockband „Tritonus“ oder Gitarrist Gagey Mrotzeck – 1984 als Studiomusiker Co-Produzent des Herbert-Grönemeyer-Albums „Bochum“. Mrotzeck hat außerdem bei dem Album-Hit "Alkohol" mitgeschrieben und mitkomponiert.
Wenig systematisierte Studien
Die Lehrveranstaltung „Music made in Mannheim“ von Popakademie, Universität und Stadtarchiv steht ein bisschen unter Zeitdruck. Das hat mit dem Alter einiger Musikzeitzeugen zu tun. Popakademie-Dozent David-Emil Wickström:
„Diese erste Generation ist jetzt über 70 und geht langsam auf die 80 zu. Das heißt, wir reden von einer Generation, die schon viel mitbekommen hat, aber es ist leider im deutschen Musikkontext nicht so gut erschlossen. Es gibt schon ein paar wissenschaftliche Studien zu den 50er und 60er-Jahren, aber nicht wirklich systematisiert. Und wir wollen das jetzt einfach erfassen, so lange die noch am Leben sind und solang die sich auch erinnern können.“
Stadt- und Kulturmagazine aus vergangenen Jahrzehnten
Aber die Studierenden sollen sich auch mit den Mannheimer Musikern beschäftigen, die schon gestorben sind. Dazu dürfen sie auch in den Beständen des Stadtarchivs „Marchivum“ stöbern. Der stellvertretende Marchivum-Leiter Thomas Throckmorton erklärt:
„Zum einen haben wir musikhistorisch interessante Nachlässe. Zum Beispiel den Nachlass Norbert Schwefel, auch ein wichtiger Musiker der 80er Jahre vor allem. Wir haben aber auch interessante Stadtmagazine und Kulturmagazine aus den 70ern und 80ern, die bisher kaum ausgewertet wurden, vor allem in musikhistorischer Hinsicht – unter anderem 'Ketchup', 'meier' und noch ein bisschen jünger: 'Transistor'“
Vielfalt des Mannheimer Musiklebens
An der Mannheimer Universität steht zudem pophistorisches Aktenstudium für die Studierenden auf dem Programm. Hiram Kümper, Professor am Historischen Institut, führt aus:
„Die Kulturratsprotokolle, die interessieren uns: Wie kann sowas eigentlich politisch in einer Stadt blühen? Eine andere Gruppe guckt sich schlicht und ergreifend Zeitungsberichte, also die konventionelle Presse an. Wir haben zwei Leute, die sich beschäftigen mit Flyern. Es gibt hier tolle Sammlungen, auch von Privatpersonen, die wir nutzen können. Und auch das zeigt uns natürlich die Vielfalt vom Mannheimer Musikleben.“
Musikalische Handwerker aus Mannheim
Gagey Mrotzeck und Peter Seiler, dazu die bereits verstorbenen Gitarristen Norbert Schwefel und Hans Reffert, aber auch zum Beispiel die Mannheimer Musiker Thomas Ludwig und Axel Schwarz – beide einst Mitglieder der Jule Neigel-Band: Inwiefern stehen sie alle für „Music made in Mannheim“?
„Typisch Mannheimer Musik würde ich jetzt nicht sagen. Ich würde sagen, wir haben Mannheimer Künstlerinnen und Künstler, die sehr gute Handwerker sind, die sehr vielseitig sind. Wirklich gute Rock-Pop-Musiker, die die Genres gut bedienen können, schönes Klangdesign machen und kreativ sind“, erläutert Popakademie-Dozent David-Emil Wickström.
Die Lehrveranstaltung „Music made in Mannheim“ soll planmäßig Ende des Sommersemesters beendet sein, und die Ergebnisse im Marchivum dokumentiert werden. Doch von einer Fortsetzung gehen eigentlich alle Beteiligten fest aus.