2. Bundesliga

FCK-Trainer Torsten Lieberknecht zieht Bilanz: "Verdrücke öfter mal eine Träne"

Seit Mitte April ist Torsten Lieberknecht Trainer beim 1. FC Kaiserslautern. Im Gespräch mit SWR Sport erklärt er, wie er die Leistung seines Teams bewertet und was ihn zu Tränen rührt.

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SWR Sport: Torsten Lieberknecht, Sie haben neulich gesagt, Sie würden der Hinrunde des 1. FC Kaiserslautern die Note drei geben. Warum so negativ?
Torsten Lieberknecht: Weil ich glaube, dass wir den einen oder anderen Punkt hätten mehr holen müssen. Das kleine Problem ist: Die, die vor uns sind, haben im Gegensatz zur letzten Saison viel besser gepunktet. Da ist ein gewisser Abstand da, den hätten wir gerne verringert, aber die Möglichkeit ist noch da.

Über was haben Sie sich richtig geärgert?
Es gab zwei Spiele, wo wir definitiv die bessere Mannschaft waren, aber fahrlässig mit Chancen umgegangen sind. Das waren das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg zu Hause (1:1) und das Spiel in Düsseldorf (1:1). Da haben wir vier Punkte liegenlassen.

Wie gehen Sie damit um, wenn es phasenweise nicht läuft und im Internet gegrummelt wird, ob Sie der richtige Trainer sind oder nicht?
Ich persönlich, indem ich nur in meiner Rolle bleibe und mich um die Mannschaft kümmere. Ich kann nur das beeinflussen, was ich beeinflussen kann, nämlich der Mannschaft Halt zu geben, Ruhe auszustrahlen und die richtigen Kniffe zu machen, um der Mannschaft ein gutes Gefühl zu geben.

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47.500 Zuschauer kamen im Schnitt zu den acht Heimspielen. Wie sehr haben Sie sich schon in diese Fans verliebt?
Das Problem ist, dass ich sehr nah am Wasser gebaut bin. Deswegen will ich es verhindern, eine Liebeserklärung abzugeben. Ich fahre täglich den Betzenberg hoch, hier ist meine eigene Geschichte als Profifußballer entstanden. Du siehst so viele Gesichter von damals wieder. Dann ist das immer sehr emotional. Ich kann komplett nachvollziehen, wenn so eine Choreo aufgebaut wird, wie viel Herzblut und wie viel Sehnsucht dahintersteckt. Ich bin voller Liebe für diesen Klub. Glauben Sie mir, ich verdrücke öfter mal eine Träne.

Wie begeistern sind Sie von Naatan Skyttä, vom Finnen-Messi?
Erstmal ein Lob an die Scouting-Abteilung, dass die so einen Jungen gefunden haben. Er hat sich ab dem ersten Tag mit dem FCK identifiziert, das merkt man, wie er ins Stadion und auf den Trainingsplatz geht und wie er die Stadt wahrnimmt. Das ist beeindruckend, weil es ein Spieler ist, der zwar schon im Ausland war, aber trotzdem ohne Eltern hier ist. Mit welcher Klarheit er durch dieses Fußballer-Leben geht, das erfreut einen als Trainer. Er hat eine technische Finesse, ist sich aber nicht zu schade, nur zu verteidigen.

Sie haben die Möglichkeit, im Winter Spieler dazuzuholen. Auf welcher Position wird etwas passieren?
Für mich ist total interessant zu schauen, wo es keinen Konkurrenzkampf gibt. Die Schienenspieler haben bei mir eine hohe Wertigkeit: Mika Haas, Florian Kleinhansl, Paul Joly und Simon Asta. Da würde man im ersten Moment sagen, da würde jemand guttun, falls dort mal jemand ausfällt, weil da eine hohe Intensität gefragt ist. Ansonsten halten wir die Augen und Ohren offen, das gilt für die Abwehr, das Mittelfeld und den Sturm.

Was ist in der Rückrunde noch drin?
Es geht nur um's Gewinnen. Es kommen Hannover, Schalke, Elversberg, Darmstadt. Das sind die, die voll im Aufstiegsrennen sind. Das Ziel ist klar: gegen alle vier gewinnen. Wir wollen uns so lange wie möglich eine Chance erhalten. Ich möchte etwas verwirklichen. Wenn es klappen sollte, ist es super, dann werde ich mehr als eine Freudenträne verdrücken mit den FCK-Fans.

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Johannes Holbein
Das Interview führte
Jürgen Schmidt