Die Stimmung rund um den Betzenberg und den Wildpark war schon einmal deutlich besser als in diesen Tagen. Der FCK hat zwar zuletzt 1:0 gegen Schlusslicht Greuther Fürth gewonnen, das Team musste sich nach dem mauen Auftritt aber sogar Pfiffe der Fans anhören.
Noch schlechter ist die Lage beim KSC, der am vergangenen Spieltag mit 1:5 beim 1. FC Nürnberg unterging, woraufhin sich Geschäftsführer Mario Eggimann genötigt sah, ein Bekenntnis für Trainer Christian Eichner auszusprechen. Ja, auch gegen Holstein Kiel (Samstag, 13 Uhr) wolle man gemeinsam mit Eichner angreifen, selbst wenn die Abstiegszone nur noch vier Punkte entfernt ist. Die Roten Teufel treten einen Tag später (Sonntag, 13:30 Uhr) bei Preußen Münster an.
FCK und KSC: Nach ganz oben reicht es nicht
Den FCK und den KSC eint die Sehnsucht der Anhänger nach den guten alten Zeiten. Beide Teams waren früher feste Größen in der Bundesliga. In der Ewigen Tabelle steht Lautern auf Rang 11, die Badener immerhin noch auf Platz 20. In den letzten Jahren haben FCK und KSC immer mal wieder an den Spitzenrängen der 2. Liga geschnuppert, der ganz große Wurf ist aber beiden nicht gelungen. Zuletzt verpassten die Roten Teufel im Endspurt der Saison 2024/2025 den Relegationsplatz drei.
Und so bleibt die Sehnsucht auch in der Saison 2025/2026 unerfüllt. Es sei denn, der FCK setzt noch zur großen Aufholjagd an. Diese jedoch wäre eine Überraschung, angesichts der Leistungen zuletzt gegen die SV Elversberg (1:3), Darmstadt 98 (0:4) und eben Fürth. Der KSC klopfte in der vergangenen Saison ebenfalls leise an die Tür zur Bundesliga, musste im Winter aber Goalgetter Budu Zivzivadze an Heidenheim abgeben und landete letztlich nur im Mittelfeld.
2. Bundesliga Meinung zum FCK - Anspruch, Wirklichkeit, Prognose
Pfiffe nach einem Heimsieg hat es lange nicht mehr gegeben im Kaiserslauterer Fritz-Walter-Stadion. Doch nach der dürftigen Leistung gegen Greuther Fürth bebte der Betzenberg - und zwar nicht vor Begeisterung. Zurecht? Die Meinung von SWR-Sport-Reporter Stefan Kersthold.
Zu große Fokussierung auf einzelne Kicker
So zieht sich in Karlsruhe und Kaiserslautern die Abhängigkeit von einzelnen Profis durch die letzten Jahre. Beim KSC lastet (zu) viel Last auf den Schultern von Marvin Wanitzek. Als der Kapitän im vergangenen Sommer seinen Vertrag verlängerte, wurde das live vor einem Spiel verkündet. Der Jubel war angemessen, zeigte aber auch ein wenig die Abhängigkeit vom Mittelfeldmann.
In Kaiserslautern lebten sie in der vergangenen Saison (zu) häufig von den Toren von Ragnar Ache. Der Angreifer wechselte im Sommer zu Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Köln. Sein Nachfolger Ivan Prtajin war auf dem besten Weg, einen adäquaten Ersatz zu verkörpern. Doch nun fällt der Kroate mit einem Achillessehnenriss langfristig aus.
Schaut man auf die Marktwerte der Klubs in der 2. Liga, dann stehen die Roten Teufel und die Badener genau dort, wo man sie anhand ihrer Leistungsfähigkeit vermuten könnte: im Mittelfeld. Dass die Sehnsucht der Anhänger nach einem Sprung ins Oberhaus gleichwohl extrem groß ist? Ebenso verständlich.
Viele Traditionsvereine hat es erwischt, aber ...
Schon 14 Jahre ist es her, dass die Roten Teufel in der Bundesliga spielten, beim KSC sind es sogar noch drei Jahre mehr. Viele Traditionsclubs sind in den letzten Jahren abgestiegen: Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen oder der VfB Stuttgart.
Sie alle eint, dass sie - vergleichsweise schnell - wiedergekommen sind oder immer wieder kommen. Selbst der HSV hat es nach sieben Jahren geschafft, wieder ins Oberhaus einzuziehen. Schalke 04 schickt sich in dieser Saison an, den Sprung zurück in die Bundesliga zu schaffen.
Ingolstadt, Fürth und Paderborn statt FCK und KSC
So zementieren sich die Verhältnisse. Statt FCK und KSC haben sich in den letzten Jahren Klubs wie der FC Augsburg, Mainz 05 oder Union Berlin in der Bundesliga etabliert - nicht zu vergessen der Emporkömmling aus Leipzig. Jedes Jahr ohne Bundesliga sorgt aufgrund der Verteilung der TV-Einnahmen für eine größere Kluft zwischen den Vereinen der ersten und zweiten Liga.
Im Sommer könnte sich die SV Elversberg anschicken, als 59. Klub in die Bundesliga aufzusteigen. Auch Holstein Kiel, der FC Ingolstadt, Greuther Fürth und der der SC Paderborn waren in den letzten Jahren zumindest mal für ein oder zwei Jahre im Oberhaus vertreten. Das ist für FCK- oder KSC-Anhänger, deren Klubs einst Sensations-Meisterschaften oder magische Europapokal-Nächte gefeiert haben, schwer zu verkraften.
FCK und KSC auf keinem schlechten Weg
Doch ist es die Realität. Und wenn man die letzten Jahre Revue passieren lässt, ist diese Realität sowohl in Kaiserslautern als auch in Karlsruhe gar nicht so schlecht. Schließlich sind beide Klubs nicht nur einmal abgestiegen, sondern kämpften zwischenzeitlich in der 3. Liga gegen den Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit. Dazu kommt, dass sowohl der FCK als auch der KSC auch finanziell immer wieder mit großen Problemen zu kämpfen hatten, inklusive der Insolvenz am Betzenberg im Corona-Jahr 2020. Der KSC konnte eine Zahlungsunfähigkeit im selben Jahr vermeiden.
Da erscheint der aktuelle Stand als etablierter Zweitligist rein objektiv betrachtet als zufriedenstellend. Dass es sowohl in Kaiserslautern als auch in Karlsruhe irgendwann mal wieder Bundesligafußball geben soll, ist aus Sicht der Verantwortlichen ebenso nachvollziehbar. Die klare Definition dieser Ziele ist gut, erzeugt aber auch Druck auf die Mannschaft. Letztlich ist die Mischung zwischen Druck und Geduld maßgeblich für sportlichen Erfolg. Geduld haben die Anhänger am Betzenberg und rund um den Wildpark, die nächsten Jahre werden zeigen, ob auch ihre Sehnsucht gestillt wird.