Das können wir in jedem Alter gegen Demenz tun
Die Forschung hat noch kein Allheilmittel gegen Demenz gefunden, sagt Dr. Sarah Straub in SWR1 Leute. An Patienten, die bereits eine Demenz-Diagnose erhalten haben, hat sie deshalb einen wichtigen Rat: "Wir können unser Gehirn fit halten, indem wir es beanspruchen." Dies sei in jedem Alter wichtig.
Beanspruchen Sie ihr Gehirn, fordern sie sich geistig heraus und beschäftigen Sie sich mit Dingen, die Ihnen wichtig sind.
Diese konkreten Tipps können bei Demenz helfen
Demenz-Therapien ohne Arzneimittel seien ihrer Erfahrung nach genauso oder noch wertvoller als solche mit Medikamenten, so die Neurowissenschaftlerin Dr. Sarah Straub. Dabei gebe es etliche Möglichkeiten, wie beispielsweise Ergotherapie, bei denen das Gehirn trainiert werde. Auch Logopädie und Bewegungstherapie seien wertvoll. Physiotherapie, Kunsttherapie oder Musiktherapie hätten ebenfalls positive Effekte. Damit könne man den Abbauprozess zwar nicht stoppen, ihn aber verlangsamen und Lebensqualität erhalten. Alles was gut tue, habe seine Berechtigung.
Die wundersame Wirkung von Musik bei Demenz
Ein Instrument spielen ist wie Ganzkörpertraining fürs Gehirn
Selbst erkrankte Menschen in einem späten Stadium von Demenz könnten noch immer ihre Lieblingslieder spielen oder singen. Das sei so tief im Gehirn verankert, "da kommt die Erkrankung gar nicht dran". Sogar Patienten, die kaum mehr wissen wer sie sind, könnten sich durch ihre Lieblingslieder wieder kurz an sich selbst erinnern und wieder aufblühen, sagt Straub. Das habe etwas fast magisches, denn Musik sei wie ein Herzensöffner.
Ich sage meinen Patienten auch immer: Wenn Sie ein Instrument gelernt haben, spielen sie es! Es geht um Spaß und den Erhalt der Fähigkeiten.
Gedächtnis Wie wir uns an Musik erinnern
Wie viele Musikstücke wir im Gedächtnis abspeichern, ist nicht bekannt. Je heftigere Emotionen mit ihnen verbunden sind, desto schneller und dauerhafter erinnern wir uns an sie.
So können wir mit an Demenz Erkrankten wertschätzend umgehen
In der Wissenschaft wird nicht nur über Arzneimittel, sondern auch über neue Kommunikationsmöglichkeiten gesprochen. Dr. Sarah Straub: "Es ist unsere Aufgabe uns in ihre Welt zu begeben und nicht von ihnen zu fordern in unserer Welt zu bleiben." Menschen mit Demenz könnten nicht mehr auf uns eingehen, aber wir könnten weiter auf sie eingehen.
Wir sollten die Menschen in ihrer Erkrankung so nehmen wie sie sind und nicht versuchen, sie zu korrigieren. Wir sollten ihnen nicht ständig ihre Defizite und ihr Stadium vor Augen führen, sondern sie abholen in ihrer Realität.
"Wenn mich meine Oma zehn Mal gefragt hat, wann wir nach Hause gehen, dann ist es meine Aufgabe, zehnmal die gleiche Antwort zu geben", sagt die Demenzexpertin aus eigener Erfahrung. Das fordere viel Geduld und sei manchmal auch gar nicht möglich, da Betroffene schlicht nicht mehr können. Dennoch gehe es grundsätzlich um Wertschätzung.
Durchblutungsstörung Vaskuläre Demenz - die zweithäufigste Demenzerkrankung
Eine vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Hirn und ist nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzerkrankung. Wie man sie verhindern und erkennen kann.
Ehrlichkeit, Offenheit und einfache Sprache: so unterstützen wir Demenzkranke
Für eine gute Kommunikation mit Demenzkranken seien Ehrlichkeit und Verständnis entscheidend, erklärt Dr. Sarah Straub. Hilfreich sei es, Gefühle klar anzusprechen, um Wut oder Unsicherheit abzubauen. Wichtig seien außerdem einfache Worte, kurze Sätze, eine ruhige Sprache und das Anerkennen von Gefühlen, damit sich Betroffene gesehen fühlen. Auch nonverbale Kommunikation spiele eine große Rolle – besonders dann, wenn die Sprachfähigkeit nachlasse. Über Berührungen ließen sich zusätzlich Sicherheit und Halt vermitteln.
Vergesslichkeit und Verwirrung Fehldiagnose: Schlechtes Gedächtnis bedeutet nicht gleich Demenz
Wer im Alter vergesslich wird, bekommt vom Arzt schnell die Diagnose Demenz-Erkrankung gestellt. Genau hinschauen lohnt sich, diese Gedächtnisstörungen können viele Ursachen haben.
Gibt es einen einfachen Demenz-Test?
Bei Demenz sei der Hausarzt meist die erste Anlaufstelle, erklärt Straub. Er könne Bluttests sowie einen Mini-Mental-Status-Test durchführen. Diese Untersuchungen könnten erste Hinweise auf eine Demenz-Diagnose geben, bevor Patienten an einen Facharzt überwiesen würden. Dort werde in der Regel ein Kopfscan gemacht, um festzustellen, ob das Gehirn geschädigt sei. Häufig liege schon nach dem ersten Termin ein Ergebnis vor,. Andernfalls werde die Untersuchung nach einigen Monaten wiederholt. Als besonders wertvoll empfiehlt Straub Gedächtnissprechstunden, da dort alle wichtigen Tests für eine zuverlässige Demenz-Diagnose angeboten würden.