Traumatisiert durch die schrecklichen Ereignisse in der Flutnacht vor vier Jahren reagieren Kinder mit Stress und Angst auf zum Beispiel die schrillen Töne der Warn-Apps und der Sirenen.
Dank eurer Spendenbereitschaft sind schon mehr als vier Millionen Euro zusammengekommen für die "Herzenssache" – die Hilfsaktion von SWR, SR und der Sparda-Bank. Eines dieser inzwischen rund 60 Projekte ist das beim Deutschen Roten Kreuz angesiedelte Projekt "Kleine Hände, große Taten", das Kindern helfen soll, mit den psychischen Folgen der Flutkatastrophe besser klarzukommen.
Wir haben darüber mit Daniel Blumenberg vom DRK Kreisverband Ahrweiler gesprochen. Er hat das Projekt entwickelt, geht in Schulklassen und arbeitet direkt mit den betroffenen Kindern.
Psychische Folgen der Flut: Wie Kinder im Ahrtal lernen, mit Angst und Not umzugehen
SWR1: Was sind die Probleme, mit denen die Kinder vier Jahre nach der Flut immer noch zu kämpfen haben?
Daniel Blumenberg: Das sind die Erlebnisse und die Eindrücke von der Flut, die bei den Kindern hängengeblieben sind und bei den Kindern im Kopf noch immer herumschwirren.
SWR1: Sie gehen zu den Kindern in Gruppen mit zwei Handpuppen namens Emma und Charlie. Was machen Sie da konkret?
Blumenberg: Emma und Charlie sind die Begleiter, die den Kindern ein bisschen die Angst nehmen sollen. Wir sind ein Team von mehreren Erste-Hilfe-Ausbildern und wollen den Kindern zeigen, dass man auch schon im jungen Alter Menschen helfen kann und keine Angst vor dem Helfen haben muss.
SWR1: Wie sieht das ganz konkret aus mit diesen Handpuppen?
Blumenberg: Die Handpuppen sind unsere Begleiter und geben uns auch ein bisschen Halt, dass wir nicht allein bei den Kindern sind. Die sitzen mehr oder weniger neben uns und begleiten das Ganze.
Psychologische Lage der Betroffenen Das Trauma der Ahr-Flut: Warum Nicole sich erst nach Jahren Hilfe suchte
Die Folgen der Flut beschäftigen die Menschen im Ahrtal bis heute. Auch Nicole, die lange gebraucht hat, bis sie bereit war, sich Hilfe zu holen. Hier erzählt sie, warum.
Kinder auf Katastrophen vorbereiten
SWR1: Was machen Sie mit den Kindern in den Schulklassen?
Blumenberg: Wir lernen erstmal den Notruf. Ganz wichtig, dass man auch als Kind den Notruf absetzen kann und was dabei wichtig ist. Dann lernen sie, wie auch sie schon helfen können: Pflaster kleben, einen Verband anlegen, stabile Seitenlage, welche Gefahren es gibt.
Und ganz wichtig ist der Bereich Katastrophenschutz, wie zum Beispiel die Warnsignale der Sirene. Wann ertönt die Sirene, dass man sich da als Kind jetzt auch nach der Flut nicht so ängstigen muss, sondern weiß, warum die Sirene geht und welche Bedeutung sie hat. [...]
Hilfsprojekt hat schon über 1.000 Kinder erreicht und begeistert
SWR1: Wenn Sie in die Klassen gehen, wie ist das Feedback?
Blumenberg: Das Feedback ist großartig. Ich war in mehreren Klassen. Wir haben bis jetzt weit über 1.000 Kinder in diesem Schuljahr mit dem Projekt erreicht. Darüber sind wir sehr stolz. Wenn man jetzt in weitere Klassen geht, wird man schon von Weitem begrüßt.
Auch wenn man die Kinder auf der Straße antrifft, fragen sie: Wann bist du wieder bei uns? Und das sind Erfolgserlebnisse, die man mitnimmt und auch merkt, dass man die Kinder erreicht hat und etwas Gutes getan hat.
Jetzt bewerben! Förderung für dein Projekt
Du arbeitest bei einer gemeinnützigen Organisation und planst ein Projekt, mit dem du Kinder und Jugendliche stärkst? – Dann bewirb dich um Fördermittel für deine Herzenssache!
SWR1: Wir hoffen mal, dass es dieses Projekt noch lange geben wird.
Blumenberg: Das wäre super schön. Es ist ja auch ein Gemeinschaftsprojekt, das mit der Kreisverwaltung Ahrweiler zusammen entstanden ist. Wir versuchen unser Bestes, dass das Projekt weiter geht und lange bestehen bleibt.