Der SWR hat rund 40 Hilfsorganisationen nach dem aktuellen Spendenstand zur Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen befragt. Jede dieser Organisationen hat mindestens eine Million Euro an Spenden erhalten. Alle haben geantwortet. Demnach sind bis heute 671,2 Millionen Euro gespendet worden. Davon wurden 92,2 Millionen bisher nicht ausgegeben. Das sind 13,7 Prozent.
Die SWR-Recherchen haben wir in einer Übersicht dokumentiert. Hier gibt es das Dokument zum Download.
Kein "Spendenskandal" nach der Flutkatastrophe
Dass noch soviel Flut-Spendengeld vorhanden ist, ist aber kein "Spendenskandal". Denn das übrige Geld wird in den betroffenen Gebieten nach wie vor gebraucht und soll noch ausgegeben werden. Noch immer werde die Arbeit der Hilfsorganisationen dringend benötigt, zum Beispiel im Ahrtal, sagt der Bürgermeister der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen (CDU). Die Hilfsorganisationen seien alle bis heute noch im Tal. "Wir haben ein traumatisiertes Tal und die Menschen brauchen Ansprache. Und das leisten nach wie vor die Hilfsorganisationen in besonderer Weise mit den Spendenmitteln der Bevölkerung", sagt Orthen.
Johanniter beraten noch immer Flutbetroffene zum Wiederaufbau
Die Johanniter, die noch fast 40 Prozent der Geldspenden übrig haben - etwa 20 Millionen Euro - sind nach wie vor an der Ahr unterwegs. Sie helfen Betroffenen beim Beantragen von Geld aus dem Wiederaufbaufonds. Und sie bezahlen Flutbetroffenen den 20-Prozent-Eigenanteil der privaten Wiederaufbau-Kosten, der nicht von Bund und Land übernommen wird.
Bis Ende 2027 sind die rund 20 Millionen Euro Hochwasser-Spendengeld ausgegeben, die wir derzeit noch haben.
Viele Wiederaufbauprojekte, die die Johanniter finanziell unterstützen wollen, haben sich verzögert. Zum Beispiel der Bau eines Lehrschwimmbades für das Schulzentrum der Gemeinde Altenahr. Auch deshalb sei noch soviel Spendengeld vorhanden, sagt Pressereferentin Anja Karrasch von den Johannitern: "Bis Ende 2027 sind die rund 20 Millionen Euro, die wir derzeit noch an Hochwasser-Spendengeld haben, ausgegeben."
Psychosoziale Hilfe für Traumatisierte wird immer wichtiger
Dirk W. Pieck vom Verein Help - Hilfe zur Selbsthilfe e.V. weist auf die psychosoziale Hilfe hin, für die in den kommenden Jahren noch viel Spendengeld benötigt wird. "Bei den Flutkatastrophen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist ein deutlich höherer Anteil der Betroffenen traumatisiert worden als bei vergleichbaren Unglücken", sagt Pieck. Das sei wissenschaftlich erwiesen. "Die psychologische Hilfe ist auch in den nächsten Jahren absolut wichtig und wird aus Spendengeldern gefördert."
Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 Der Hochwasser-Blog für RLP zum Nachlesen
Dieser Hochwasser-Blog wird mit Stand 18. Juli 2025 nicht weiter aktualisiert. Alle Entwicklungen der Jahre seit der Flutkatastrophe können Sie auch weiterhin nachlesen.
Verein "Herzenssache" hat schon über 60 Projekte gefördert
Der Verein Herzenssache e.V., die Kinderhilfsorganisation von SWR, Saarländischem Rundfunk und Sparda-Bank, hat 4,3 Millionen Euro Flutspenden gesammelt für Kinder- und Jugendprojekte in Rheinland-Pfalz. Über 60 Projekte seien schon gefördert worden, die meisten im Ahrtal, sagt die Herzenssache-Vorsitzende Ulla Fiebig. Aber auch Kinder- und Jugendaktionen im Raum Trier wurden unterstützt.
Laut Fiebig sind von den Spendengeldern noch rund 1,7 Millionen Euro vorhanden. Man sei in engem Kontakt mit der Kreisverwaltung des Landkreises Ahrweiler, um weitere Fördermöglichkeiten auszuloten. "Es dürfen sich auch gerne Projekte bei der Herzenssache melden, um zu besprechen, ob und wie sie gefördert werden können", sagt Fiebig.
Bürger spenden noch immer Geld für die Flutgebiete
Auch vier Jahre nach der Katastrophe spenden noch immer Menschen für die Flutgebiete. Wie die Verwaltung des Landkreises Ahrweiler mitteilt, gehen auf ihrem Spendenkonto nach wie vor Beträge ein. Pro Monat seien es aktuell zwischen 100 und 1.000 Euro.
Die insgesamte Spendensumme steigt also weiterhin täglich. Anfang Juli 2025 waren es nach SWR-Recherchen 671.257.708,92 Euro.
Rheinland-Pfalz bekam rund die Hälfte der 671 Millionen Euro
Weiter ergab die SWR-Befragung der rund 40 Hilfsorganisationen, Bundesländer, Landkreise und Kommunen, die jeweils mindestens eine Million Euro Spenden bekommen haben, dass von der Gesamtsumme fast 50 Prozent nach Rheinland-Pfalz und fast 50 Prozent nach Nordrhein-Westfalen gegangen sind. Eine ganz geringe Summe wurde in die Flutgebiete nach Sachsen und Bayern überwiesen.
Innerhalb von Rheinland-Pfalz hat das Ahrtal mit rund 80 Prozent den größten Anteil erhalten. Der Rest ging ungefähr zu gleichen Teilen in die Flutgebiete des Eifelkreises Bitburg-Prüm, des Landkreises Vulkaneifel, des Landkreises Trier-Saarburg und der Stadt Trier.