SWR Aktuell: Warum ist es anscheinend so einfach, unbemerkt eine kleine Drohne auf einen deutschen Flughafen zu steuern?
Helge Bürsing: Da gibt es vielschichtige Antworten. Das eine ist natürlich die leichte Verfügbarkeit der Drohnen. Das Zweite ist: Drohnen sind sehr klein, und wir haben keinen Zaun, der dafür sorgt, dass keiner da reinfliegen kann. Es sind also keine echten Barrieren da. Und das Nächste ist natürlich: Man kann nicht einfach eine Drohne oder irgendwas in Deutschland bekämpfen. Wir haben ja keinen Kriegsfall. Dementsprechend muss man sie erst detektieren, klassifizieren - und dann kann man erst Aktionen einleiten.
SWR Aktuell: Eigentlich sollten internationale Verkehrsflughäfen in Deutschland mit Erkennungs- und Abwehrsystemen ausgestattet werden, doch die meisten fehlen noch. Haben wir die Gefahr durch Drohnen zu lange unterschätzt?
Da sind eben auch noch rechtliche Sachen zu klären.
Bürsing: Gute Frage. Ein Problem an der Sache ist: Um ein System nachher zu entwickeln, das Drohnen ganzheitlich abwehrt, muss klar sein, was genau gefordert ist – welche Entfernungen, welche Bereiche – und was auch rechtlich erlaubt ist. Viele Funk-Störsender etc., darf man das überhaupt? Wir forschen im Bereich der Lasertechnologie an der Abwehr mit Lasern, aber da sind eben auch noch rechtliche Sachen zu klären.
SWR Aktuell: Wie kann man sich die Abwehr von Drohnen mit Lasertechnologie technisch vorstellen?
Bürsing: Eigentlich ganz einfach: Das funktioniert wie eine Kugel, nur eben etwas schneller mit Lichtgeschwindigkeit. Man schießt sie einfach runter. Man heizt sie auf, beschädigt die Elektronik und dann fällt sie vom Himmel.
SWR Aktuell: Mit welchen rechtlichen Hürden und Vorschriften müssen Sie sich dabei auseinandersetzen?
Der Arbeitsschutz sagt: Es darf nicht möglich sein, dass irgendwer in Gefahr gerät.
Bürsing: Deutschland ist in der Hinsicht vor allem beim Arbeitsschutz sehr streng aufgestellt, was Laserei betrifft. Im zivilen Bereich mit einer Laserwaffe zu schießen – da sind die Ministerien zwar dran, aber es muss eben alles vernünftig geklärt werden. Eine Waffe darf man in Deutschland ja nicht einfach abfeuern. Laser-Streustrahlung ist gefährlich fürs Auge, auch die reflektierte Strahlung. Der Arbeitsschutz sagt: Es darf nicht möglich sein, dass jemand in Gefahr gerät. Das ist natürlich illusorisch, weil auch bei anderen Sachen immer irgendetwas passieren kann.
Technisch gesehen sehe ich kein echtes Problem, aber die Entwicklung der Abwehrsysteme braucht Zeit.
SWR Aktuell: Im Ukraine-Krieg entwickeln sich kleine Drohnen extrem schnell weiter. Kann die Abwehrtechnologie da überhaupt Schritt halten?
Bürsing: Kann sie. In manchen Bereichen tut sie das auch schon, etwa in Form von Störung mit Funk oder Täuschen, sodass die Kontrolle übernommen wird. Auch bei neuartigen Drohnen, wo Glasfasern dran sind, da würde eben auch der Laser wirken. Technisch gesehen sehe ich da kein echtes Problem. Nachher müssen die Systeme aber auch entwickelt werden, und das braucht auch immer ein bisschen Zeit.
SWR Aktuell: Wie können wir die Drohnenabwehr in Deutschland schneller und besser machen?
Wir müssen den politischen Rahmen schaffen und klare Szenarien definieren, damit die Industrie gezielt bauen kann.
Bürsing: Einmal den politischen Rahmen schaffen, auch für neuartige Sachen wie Hochenergielaser. Auch die rechtlichen Komponenten: Wann darf ich bekämpfen? Muss ich wirklich warten, bis ein Objekt in den Bereich des Flughafens reinkommt, oder ab wann darf ich sozusagen schießen? Und klare Szenarien definieren, damit halt auch Start-ups oder große Player, die es ja gibt in Deutschland, gezielt dahingehend Systeme entwickeln und fertigstellen können.
Mehr zum Thema Drohnen und Drohnenabwehr
"Gelber Merkur" Übung für den Ernstfall - Bundeswehr trainiert Drohnenabwehr in Bitburg
Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird diskutiert, was Deutschland alles noch für seine Sicherheit tun müsste. Dazu gehören auch große Bundeswehr-Übungen.
Sicherheit wird zum Geschäft Neues Zentrum für Drohnenabwehr eröffnet
In der Target World in Landscheid können Menschen jetzt lernen, wie sie sich vor Drohnen schützen können. Die Firma hinter dem Projek sieht ein Geschäftsmodell.
Mercedes kooperiert mit Drohnenhersteller
Der Autobauer Mercedes-Benz steigt Medienberichten zufolge in die Drohnenabwehr ein und will dazu mit dem Münchner Start-up TYTAN-Technologies zusammenarbeiten. Ein entsprechende Vereinbarung wollen Mercedes und Tytan heute am Rande der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung unterzeichnen. Das berichtet unter anderem der Spiegel.