Papst Leo erfüllt die päpstlichen Pflichten relativ geräuschlos. Laut wurde es um ihn eigentlich nur, als er wegen seiner Aussagen zu den Kriegen in der Welt mit seinem Landsmann Donald Trump in einen Schlagabtausch geriet. Der US-Präsident fühlte sich angegriffen, der Papst blieb gelassen und stellte klar, dass seine Aussagen nicht als persönlicher Angriff gedacht waren.
Ruhe und Gelassenheit zeichnen Papst Leo aus, findet auch Christian Weisner, Mitinitiator der Reformbewegung "Wir sind Kirche": "Er ist ein welt- und kulturerfahrener Mensch", sagt Weisner in SWR Aktuell. "Wenn er als gebürtiger Nordamerikaner etwas auf Englisch sagt, dann kommt das auch noch mal viel direkter in der Politik in Amerika an."
Gespräche vor dem Dom und mit dem Bischof Ein Jahr im Amt - was sagen Menschen in Speyer zu Papst Leo?
Seit einem Jahr ist Papst Leo XIV in seinem neuen Amt. Wir haben uns in Speyer umgehört: Was sagen die Leute zum neuen Papst? Und was meinen Bischof Wiesemann und Kritiker?
Schon als Kardinal hat er sich mit [US-Vizepräsident] JD Vance angelegt, als es um die Frage ging, ob die Nächstenliebe nur für unsere Familie und unser eigenes Volk gilt, oder ob wir alle Menschen im Blick haben. Insofern hat er eine ganz starke moralische Position vertreten, die jetzt im Iran-Krieg besonders wichtig ist.
"Von Oben herab diktieren, das geht nicht mehr"
Dass Papst Leo in den USA durch die fehlende Sprachbarriere möglicherweise von Trump als Konkurrent betrachtet wird, denkt Weisner nicht: "Ich glaube, das möchte er gar nicht." Die katholische Kirche befindet sich seiner Meinung nach gerade in einem Demokratiesierungs- und Regionalisierungsprozess. "Wir denken immer der Papst kann alles entscheiden - das ist nicht mehr so."
Einerseits sei man Weltkirche und will die Friedensbotschaft in alle Kulturen hineinbringen, andererseits müsse man auf diese Kulturen Rücksicht nehmen. "Von Oben herab diktieren, das geht nicht mehr."
Als es um die Frage der Abweisung von Flüchtlingen in US-Internierungslager ging, hat Papst Leo seine amerikanischen Bischöfe und Kardinäle gebeten, Stellung zu beziehen. Diese haben das auch auf faszinierende Weise gemeinsam gemacht. Man merkt, die moralische Stimme des Papstes ist wichtiger als die mächtige Stimme von Trump.
Viele Gläubige hoffen bei einem neuen Kirchenoberhaupt auch auf Reformen. Papst Leo hat allerdings bei einigen liberalen Reformwünschen fürs erste abgewunken, beispielsweise bei der Gleichstellung von Frauen in Kirchenämtern oder bei der Segnung von homosexuellen Paaren. Ob er meint, dass sich die katholische Kirche unter Leo zu einer modernen Religion weiterentwickeln kann, das klärt SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem im Gespräch mit Christian Weisner.
Forum Der Anti-Trump – Ein Jahr Papst Leo XIV.
Von Anfang an hat Papst Leo XIV. klar gemacht, dass er sich für Frieden und Verständigung in der Welt einsetzen will, aber auch in der eigenen Kirche. Doch was bedeutet das konkret?