Der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung wird neuer Kultusminister in Baden-Württemberg. CDU-Landeschef Manuel Hagel verkündete die überraschende Personalie am Samstagmittag beim Parteitag in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg). Der SWR hatte über die Personalie schon vorher berichtet. Der 50-Jährige ist eigentlich Experte für Umwelt- und Klimapolitik und außerdem einer von sechs CDU-Bundesvize und damit Stellvertreter von CDU-Chef Friedrich Merz. Der Jurist, der seit über 20 Jahren im Bundestag sitzt, gilt als liberal und pragmatisch.
Jung wird Nachfolger der grünen Kultusministerin Schopper
Jung wird als Kultusminister Nachfolger der Grünen-Politikerin Theresa Schopper. In die Bildungspolitik in Baden-Württemberg muss er sich aber erst noch einarbeiten. Als Minister ist er Dienstherr von rund 145.000 Lehrkräften im Land. Das Kultusministerium gilt als wichtiges, aber auch schwieriges Haus. Jung hat selbst zwei schulpflichtige Kinder.
Landesparteitage stimmen über Koalitionsvertrag ab Grüne und CDU stimmen sich auf Neustart der Koalition ein
Grüne und CDU in Baden-Württemberg stehen vor dem Start ihrer gemeinsamen Regierung: Die Parteitage stimmen über den Koalitionsvertrag ab.
Grün-Schwarz will keine Veränderung der Schulstruktur
An den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen war Jung, der momentan auch Chef der baden-württembergischen Landesgruppe in der Unions-Bundestagsfraktion ist, nicht beteiligt. Grüne und CDU haben sich bei der Bildung darauf geeinigt, sich vor allem um die Qualität der Bildung kümmern, denn BW ist in den Bildungsrankings oft nur noch im Mittelfeld zu finden. Im Koalitionsvertrag heißt es: "Wir haben uns darauf verständigt, in dieser Legislatur keine Schulstrukturdebatte zu führen."
Priorität liegt bei frühkindlicher Bildung
Das teuerste Projekt von Grünen und CDU kommt aus dem Bereich Bildung: das kostenfreie, letzte Kindergartenjahr. Dafür soll die Schulpflicht ausgeweitet werden, damit alle Kinder schulreif in die Grundschule kämen. Im Schuljahr 2024/25 haben von den fünf- bis sechsjährigen Kindern rund 93 Prozent, das sind 107.000, eine Tageseinrichtung besucht. Mit der Maßnahme wollen Grüne und CDU dafür sorgen, dass auch die restlichen sieben Prozent im Kindergarten Sprachförderung erhalten.
Jungs Weggang dürfte in Berlin Fragen aufwerfen
Angesichts der schwierigen Lage der schwarz-roten Bundesregierung ist der Schritt von Jung bemerkenswert. Er hat Merz öffentlich immer unterstützt, allerdings hat Jung als Umwelt- und Klimaexperte einen schweren Stand. Während Jung sich immer wieder für den Ausbau von erneuerbaren Energien einsetzt, verfolgt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in der Energiepolitik teilweise andere Ziele. Als Bundes- und Fraktionsvize gehörte Jung zum engen Zirkel um Merz. Sein Weggang dürfte deshalb in Berlin Fragen aufwerfen.