Die CDU in Baden-Württemberg warnt vor einer neuen Bedrohungslage und fordert die Einrichtung eines Sicherheitsrats für das Bundesland. So steht es in einer Erklärung zur Verteidigungspolitik, die die Fraktion bei ihrer Klausurtagung in Konstanz beschlossen hat. "Wir wollen Justiz, Polizei, Verfassungsschutz und Bevölkerungsschützer an einen Tisch bringen", sagte CDU-Landes- und Fraktionschef Manuel Hagel.
Demnach sollen in dem Gremium neben Mitgliedern der Landesregierung auch der Kommandeur des Landeskommandos der Bundeswehr, die Präsidenten der Sicherheitsbehörden, Vertreter der Regierungspräsidien, der kommunalen Landesverbände sowie des Zivilschutzes vertreten sein. Ziel sei es, sicherheitsrelevante Fragen zu bündeln, vorausschauend Strategien zu entwickeln und aktuelle Lagen zu bewerten, so heißt es in dem Papier.
Rund 35.500 Menschen befragt Fast jeder zweite Mensch in BW fühlt sich unterwegs nachts unsicher
Im öffentlichen Raum, in Bus und Bahn, aber auch im Netz: Fast jeder Zweite in Baden-Württemberg fühlt sich nicht sicher. Das zeigt eine Studie, die dem SWR exklusiv vorliegt.
Nationaler Sicherheitsrat bereits beschlossen
Die Union reagiert damit nach eigenen Worten auf eine veränderte Gefahrenlage. "Die Bedrohungslage in unserem Land hat sich verändert - von Cyberattacken bis Messerangriffen", sagte Hagel, der als Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl 2026 antreten will. "Mit dem Sicherheitsrat geben wir darauf eine weitere Antwort."
Die Bundesregierung hatte erst im August 2025 die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats beschlossen. Dieses Gremium soll bei Krisen tagen, schnelle Entscheidungen herbeiführen können sowie Strategien für Bedrohungslagen erarbeiten und Sicherheit vernetzt angehen.
Bundeswehr soll an Schulen in BW kommen
Die Bevölkerung in Baden-Württemberg muss aus Sicht der CDU besser auf Krisen vorbereitet werden. Die Fraktion will zudem gesetzlich für das ganze Land festlegen, dass Schulen mit Jugendoffizierinnen und Jugendoffizieren der Bundeswehr im Rahmen der politischen Bildung zusammenzuarbeiten haben. "Jede Schülerin und jeder Schüler sollte mindestens einmal im Schulleben mit der Bundeswehr und ihren Soldatinnen und Soldaten gesprochen haben", heißt es in der Erklärung.
Neues Wehrdienstgesetz Freiwilligkeit statt Pflicht: Oberst der Reserve in BW kritisiert neues Wehrdienstgesetz
Ein neues Wehrdienstgesetz soll die Personalprobleme bei der Bundeswehr lösen. Ist Freiwilligkeit der richtige Weg? Und was sagen junge Menschen aus Baden-Württemberg dazu?
CDU will Sicherheits- und Verteidigungsindustrie stärken
Die sogenannte "Konstanzer Erklärung" sieht darüber hinaus eine Stärkung der Bundeswehr und der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie im Land vor. Baden-Württemberg könne mit seiner starken Industrie und mehr als 42.000 direkt und indirekt Beschäftigten im Bereich Rüstung und Verteidigung entscheidend zu Deutschlands Wehrfähigkeit beitragen, heißt es in dem Papier.
Die Vorreiterrolle der baden-württembergischen Polizei bei der Drohnenabwehr müsse ausgebaut werden, heißt es außerdem. Daher fordert die CDU ein "Sofortprogramm Drohne" für die Polizei. Durch Zusammenwirken von Wissenschaft, Wirtschaft und Sicherheitsbehörden soll Baden-Württemberg zu einem "Zentrum für die Entwicklung und Produktion von Drohnen und Drohnenabwehrsystemen" werden.
CDU: Zivilklauseln an Hochschulen sollen abgeschafft werden
Auch Zivilklauseln an Hochschulen sollen abgeschafft werden, um Forschungsergebnisse für militärische Zwecke nutzbar zu machen. Stattdessen soll ein landesweites Kooperationsgebot eingeführt werden. "Eine darüber hinausgehende Kooperationspflicht soll in Fällen der nationalen Sicherheit angeordnet werden können", heißt es in dem Papier. "Zivilklauseln und Kooperationsverbote verkennen völlig die Bedeutung der Bundeswehr für die Existenz der Bundesrepublik und den Schutz unserer Freiheit und eben auch der Wissenschaftsfreiheit."
Kretschmann sieht in Zivilklauseln kein Problem
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte bereits im Mai, dass sich aus seiner Sicht die Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg an militärischer Forschung beteiligen müssten. Bislang werde das schwerpunktmäßig an Bundeswehrhochschulen gemacht. "Das brauchen wir jetzt auch an unseren Universitäten", so Kretschmann.
In den sogenannten Zivilklauseln, mit denen sich einzelne Hochschulen Regeln für die Forschung geben, sah Kretschmann dabei kein Hindernis. "Die Zivilklauseln dienen ja dem Frieden - und das, was wir hier machen, dient dem Frieden. Wir rüsten ja nicht auf, um Krieg zu führen. Wir rüsten auf, um Krieg zu verhindern", sagte der Ministerpräsident.