Nach Hackerangriff auf Stadt Stuttgart

Sind die Behörden in BW ausreichend gegen Cyberattacken geschützt?

FDP und SPD in Baden-Württemberg fordern, bei der Digitalisierung mehr in die Cybersicherheit zu investieren. Das Innenministerium sieht das Land durch die Behörde CSBW gut gerüstet.

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Stand

Von Autor/in Bettina Gall

Vergangene Woche war die Stadt Stuttgart Ziel eines Cyberangriffs. Laut Polizei hat sich die prorussische Hackergruppe "NoName057(16)" dazu bekannt. Dabei handelte es sich um einen sogenannten DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service): Die Website wird mit massenhaften Anfragen überlastet, bis die Server nicht mehr reagieren. 

In Stuttgart führte die Attacke dazu, dass die Internetseite der Stadtverwaltung, stuttgart.de, am 30. April zeitweise gar nicht mehr erreichbar war und vorsorglich komplett vom Netz genommen wurde. Dieser Angriff und weitere in der jüngsten Vergangenheit haben eine Debatte über die Cybersicherheit in Baden-Württemberg ausgelöst.

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SPD fordert mehr Investitionen in Datensicherheit

Die SPD-Landtagsfraktion verlangte Konsequenzen: "Gefragt ist mehr Sicherheit, und gefragt ist hier auch das Land", erklärte Jonas Hoffmann, Sprecher für Digitales der Fraktion. Der Angriff auf das Stuttgarter Portal zeige deutlich, wie wichtig es sei, dass die Behörden nicht nur in IT-Datenschutz investierten, sondern auch in die IT-Datensicherheit, so Hoffmann. "Wir wollen mehr Digitalisierung in den Rathäusern, aber damit werden auch unsere Kommunen ein immer attraktiveres Ziel für Cyberangriffe. Deswegen muss die Datensicherheit mitwachsen - mit Technik wie Firewalls, Netzwerkarchitektur, Patchmanagement usw., aber auch mit geschultem Personal."

FDP-Fraktion: Brauchen Trendwende in der IT-Sicherheitspolitik

Das Land müsse dringend mit den Kommunen gemeinsame Sicherheitsstandards und Cloud-Strukturen aufbauen, die als Ganzes besser geschützt seien, schrieb Daniel Karrais, digitalpolitischer Sprecher der FDP/DVP-Fraktion in Baden-Württemberg, in einer Mitteilung. Die dringend notwendige Digitalisierung der Verwaltung bringe es mit sich, dass auch "die Cybersicherheit auf das höchste Niveau" gebracht werden müsse. "Wir brauchen umgehend einen Cybersicherheitscheck aller Landes- und kommunalen IT-Strukturen", forderte Karrais.

Cybersicherheit muss als Teil der Grundversorgung verstanden werden. Cybersicherheit ist öffentliche Sicherheit.

Cybersicherheitsagentur hatte vor Angriff gewarnt

Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) hatte nach Angaben des Innenministeriums Hinweise auf eine bevorstehende Attacke gegen das Portal der Stadt Stuttgart. Dem SWR erklärte eine Sprecherin des Ministeriums, die Informationen stammten aus dem eigenen Cyber-Monitoring der CSBW und der Vernetzung mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Die Agentur habe die Stadtverwaltung Stuttgart informiert und ihr Empfehlungen zum weiteren Vorgehen sowie Informationen des BSI zur Abwehr von DDoS-Angriffen übermittelt. Durch entsprechende Schutzmaßnahmen der Stadt Stuttgart habe der Angriff nach wenigen Stunden eingedämmt werden können.

 

BW-Innenministerium: Cybersicherheitslage im Land ist angespannt

Das baden-württembergische Innenministerium bezeichnet die Cybersicherheitslage im Land als angespannt und räumt ein, gerade solche DDoS-Angriffe - also das gezielte Überlasten eines Servers durch massenhafte Anfragen - seien nicht ohne Weiteres vermeidbar.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine habe sich die Gefahr erhöht. Allerdings biete die CSBW mit der Cyber-Ersthilfe BW eine kostenlose Anlaufstelle für alle, die von einem Cybersicherheitsvorfall betroffen seien. Zudem führe die Agentur Schulungen der Mitarbeitenden in den Behörden durch und gebe den Kommunen individuelle Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der IT-Sicherheit.

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