Immer häufiger stehlen Kriminelle Kabel von Ladesäulen und sabotieren die Anlagen. Der Karlsruher Energiekonzern EnBW ist der führende Anbieter in Deutschland und registrierte in diesem Jahr schon weit über 900 Kabeldiebstähle an über 130 Schnellladestandorten.
Der Schaden belaufe sich momentan auf einen niedrigen einstelligen Millionen-Bereich, so eine EnBW-Sprecherin. In den vergangenen Jahren seien das Problem - und die Schadenssumme - geringer gewesen. Neben EnBW berichteten auch das Unternehmen EWE Go mit Sitz im niedersächsischen Oldenburg sowie die Firma Ionity aus München von einer gestiegenen Zahl an Kabeldiebstählen an Ladesäulen.
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Keine genauen Daten zu Kabeldiebstahl an Ladesäulen
Eine bundesweite Übersicht zu Fällen von Kabeldiebstahl an Ladesäulen gibt es nicht. In der Polizeistatistik würden die Fälle nicht so präzise erfasst, wie das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärten.
Regionale Schwerpunkte sind bei der EnBW Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Vereinzelte Fälle habe es im vergangenen Jahr auch in Thüringen und Rheinland-Pfalz gegeben. Ebenso gibt es den Angaben nach immer wieder Wiederholungstaten - also erneute Diebstähle an gerade erst reparierten Ladesäulen.
Diebstahl sorgt für Millionenschaden
"Kabelklau ist in jeder Hinsicht frustrierend", betonte Volker Rimpler, der bei der EnBW als Chief Technology Officer E-Mobilität arbeitet. E-Autofahrer und -fahrerinnen könnten nicht laden, und für die Betreiber entstehe ein erheblicher monetärer Schaden. Laut einer Unternehmenssprecherin liegt liegt der Schaden bei der EnBW im Moment im niedrigen einstelligen Millionen-Bereich.
Wir handeln konsequent und zeigen jeden einzelnen Kabeldiebstahl bei der Polizei an.
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Kabelklau: Kupferdiebe und Vandalismus
Die Diebe könnten es zum einen auf das Kupfer abgesehen haben. Je nach Dicke und Leistungsfähigkeit enthalten Schnellladekabel laut EnBW zwischen vier und zehn Kilogramm des Metalls. Beim Schrotthandel bringe das etwa 50 Euro pro Kabel, auf dem Schwarzmarkt ungefähr die Hälfte.
Da das nicht besonders lukrativ sei, würden auch andere Beweggründe wie reiner Vandalismus oder gezielte Sabotage diskutiert, so EnBW. Der Konzern spricht auch davon, dass manche Taten ideologisch motiviert zu sein scheinen - etwa, weil man die Elektromobilität ablehne. Als Beispiel werden Fälle genannt, bei denen Kupferkabel erst hinter der Kabelführung abgeschnitten werden, wodurch noch ein Meter Ladekabel an der Säule hänge. Den Rest werde dann wenige Schritte weiter ins Gebüsch geworfen, hieß es.
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Ladesäulenanbieter wollen Vandalismus verhindern
Um Vandalismus zu verhindern setzt der Karlsruher Energiekonzern EnBW auf abschreckende Maßnahmen wie verstärkte Beleuchtung oder Videoüberwachung. Doch diese lasse sich nicht ohne weiteres an allen Standorten installieren, hieß es. Die Modifizierung von Ladekabeln brauche außerdem Zeit, bis sie marktreif sei.
Zudem sollen Diebstähle technisch immer mehr erschwert und so unattraktiv gemacht werden: Dazu zählen laut EnBW robustere Kabel mit schnittfestem Mantel gegen das Durchtrennen sowie Systeme, die Manipulationen in Echtzeit erkennen und sofort Alarm schlagen. "Zusätzlich suchen wir den Kontakt mit den Ermittlungsbehörden, um gemeinsam nach präventiven Maßnahmen zu suchen", erklärte Volker Rimpler von EnBW.
Der Münchner Anbieter Ionity stattet Kabel zunehmend mit Farbpatronen aus, die beim Aufschneiden platzen und unübersehbare Spuren hinterlassen. Die Kabel seien so eindeutig als gestohlen erkennbar, die Diebinnen und Diebe ebenfalls gekennzeichnet. "Erste Erfahrungen zeigen, dass Diebstahlsversuche an so gesicherten Standorten bereits abgebrochen wurden", teilte die Sprecherin mit. Zudem teste das Unternehmen verschiedene Tracking-Maßnahmen, um die Kabel verfolgen zu können und den Weiterverkauf zu erschweren.
Kameras, Lausprecher und KI gegen Kabeldiebstahl
Die Karlsruher Firma big. bechtold-gruppe unterstützt Unternehmen bei Sicherheitskonzepten und -technik. Vor Ort könnten zum Beispiel Kameras und Lautsprecher an vorhandene Lampenmasten installiert werden, die mit einer Leitwarte der Gruppe verbunden sind. Diese schalte sich im Fall einer Störung zu, analysiere die Situation und koordiniere mögliche Maßnahmen, erläuterte die geschäftsführende Gesellschafterin Daniela Bechtold.
Ergänzend setze man auf KI-gestützte Verfahren, die Auffälligkeiten automatisch erkennen und das Sicherheitspersonal unterstützen könnten. Für kurzfristige Einsätze etwa auch in Ladeparks gebe es mobile Videotürme, hieß es.