Mehr als eine Million Unterschriften

Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen: BW gilt als unterversorgt - bringt EU-Petition die Wende?

Eine europäische Bürgerinitiative kämpft für einen einen besseren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. BW-Unterstützern macht das Hoffnung, denn das Land gilt als unterversorgt.

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Wer in Baden-Württemberg einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen möchte, tut sich schwer, denn: "Baden-Württemberg ist eine total unterversorgte Region, weil die Wege einfach zu lang und zu teuer sind." Das sagt Pia Riegger, Geschäftsführerin des Pro Familia Landesverbandes Baden-Württemberg. Laut der ELSA-Studie des Bundesministeriums für Gesundheit gab es 2023 118 Beratungsstellen in Baden-Württemberg. Damit kommen auf eine Beratungsstelle 94.277 Einwohner. In Niedersachsen sind es nur 42.925 Einwohner pro Beratungsstelle.

Petition fordert kostenfreien und sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen

Eine europäische Petition fordert nun einen europaweiten, kostenfreien und sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Am Dienstag wurde "My voice, My choice" im Europäischen Parlament vorgestellt. Finanziert wurde die Petition von privaten Spendern und europäischen Organisationen. Gefordert wird unter anderem finanzielle Unterstützung für Mitgliedstaaten, um Schwangerschaftsabbrüche in deren Ländern anbieten können. In Baden-Württemberg könnte damit ermöglicht werden, dass es mehr Arztpraxen gibt, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen.

Internationaler Safe Abortion Day Weite Wege, veraltete Methoden - so schwierig ist eine Abtreibung für Frauen in BW

Der Zugang zu Abtreibungen in Baden-Württemberg ist schlecht: Wer einen Eingriff braucht, muss oft lange fahren und Stigmatisierung ertragen. Die Methoden sind teils veraltet.

Solch eine Praxis muss von 95 Prozent der Menschen in 40 Minuten mit dem Auto erreichbar sein. Dieses Kriterium wird laut der ELSA-Studie in Baden-Württemberg vielerorts nicht erfüllt, in neun Landkreisen gebe es gar kein Angebot. Vor allem ländliche Regionen weisen eine geringe Versorgungsdichte auf.

Pia Rieggers Erfahrung nach wissen die meisten Frauen schon vor dem Gespräch, wie sie sich entscheiden. Trotzdem seien diese Beratungsgespräche wichtig: "Es gibt in Deutschland eine Straffreiheit bei einem Schwangerschaftsabbruch und deshalb müssen wir auch die Versorgungslage so gestalten, dass diese wahrgenommen werden können." Die Situation in Deutschland sei aber noch nicht allzu prekär: "Also in Deutschland schafft man es aktuell noch immer, einen Beratungsschein und auch mit viel Aufwand einen Schwangerschaftsabbruch zu bekommen."

Pia Riegger von Pro Familia BW begrüßt die Petition

Pia Riegger begrüßt die Initiative: "Wir glauben einfach, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch die Entscheidung der Frau selbst ist und dass ihr da niemand reinzureden hat", so Pia Riegger. Außerdem seien gesetzliche und medizinische Angebote notwendig, um illegale Schwangerschaftsabbrüche zu vermeiden, so Riegger.

Abtreibungsgegner kritisieren Petition

Doch nicht überall stößt die Petition auf Zustimmung. Die "Lebensschützer-Bewegung", die aus einer Vielzahl von Gruppen und Einzelpersonen besteht, hat ein gemeinsames Ziel: gegen Schwangerschaftsabbrüche vorzugehen. Der Verein "Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) ist Teil dieser Bewegung.

Für Dorothea Linden von ALfA widerspricht die Petition den Grundwerten der EU: "Nämlich der Achtung der Menschenwürde und dem Schutz des Lebens, wie sie in Artikel 2 EUV und der Charta der Grundrechte verankert sind."

Schwangerschaftsabbruch: Petition lenkt Aufmerksamkeit auf das Thema

Pia Riegger verbindet mit der Petition auch eine Hoffnung: "Dadurch wird das Thema Schwangerschaftsabbruch in der Öffentlichkeit diskutiert und es bekommt mehr Aufmerksamkeit."

Mehr als eine Million Menschen unterstützen die Petition. Die rund 187.000 Unterschriften aus Deutschland werden derzeit vom Bundesverwaltungsamt überprüft. Am 18. Dezember wird im EU-Parlament dann über die Petition debattiert.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Felizitas Eglof
Porträt von Felizitas Eglof
Nadine Reip
SWR-Redakteurin Nadine Reip

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