FAQ zum Schulstart

G9, Handy-Verbot und ein neues Schulfach: Was sich für Schüler und Lehrer in BW zum Schulstart ändert

Das neue Schuljahr in BW startet 2025/2026 mit einigen wichtigen Änderungen. Was jetzt für Schüler, Lehrer und Eltern wichtig wird - im Überblick.

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Stand

Am 15. September startet für viele Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern das neue Schuljahr. Und pünktlich zum Start ändert sich auch einiges an den Schulen in Baden-Württemberg. Unter anderem, weil die Landesregierung dieses Jahr ein neues Schulgesetz auf den Weg gebracht hat. Hier gibt's im Überblick, was alles wichtig wird:

Die Rückkehr von G9 in Baden-Württemberg

Es war und bleibt eine der umstrittensten Fragen an den Schulen von Baden-Württemberg: G8 oder G9? Also ob Schülerinnen und Schüler in neun oder acht Jahren ihr Abitur machen. 2004 wurde das G8-Modell eingeführt, nun geht es wieder schrittweise zurück zum längeren Lernen. Zunächst starten im September die Klassen 5 und 6 mit dem G9-Modell und ab dem Schuljahr 2032/2033 sollen in der Regel alle Schülerinnen und Schüler am Gymnasium wieder nach neun Jahren Abitur machen.

Dabei sollen jetzt vor allem die Grundlagenfächer Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache gestärkt werden. Zudem soll das neue neunjährige Gymnasium mehr berufliche Orientierung, mehr Demokratiebildung und auch einen stärkeren Fokus auf die Basiskompetenzen bekommen.

Schulen, die weiterhin G8 anbieten wollen, müssen Hürden nehmen. In Baden-Württemberg bietet nur ein Gymnasium im kommenden Schuljahr einen G8-Zug für die neuen Fünftklässler an. Nach Angaben des Kultusministeriums handelt es sich dabei um das Karls-Gymnasium in Stuttgart. Die Schule rechnet im kommenden Schuljahr mit rund 27 Interessierten.

Baden-Württemberg

Unterricht hat in BW begonnen Schulstart nach den Sommerferien: Mehr als 400.000 Grundschüler und einige freie Lehrerstellen

Für rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg startet heute die Schule wieder. Für mehr als 100.000 Kinder beginnt erstmals der Ernst des Lebens.

Guten Morgen Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Alle Jahre wieder: Lehrerstellen können nicht besetzt werden

Es ist ein Dilemma: Auf der einen Seite fehlen Lehrkräfte, vor allem in sonderpädagogischen Schulen (SBBZ) und auch in anderen Schulen auf dem Land. Auf der anderen Seite gibt es hunderte, fertig ausgebildete Referendarinnen und Referendare, die am Gymnasium keine Stelle bekommen. Hintergrund ist die Rückkehr zu G9. Da es in den ersten Jahren des Übergangs weniger Unterricht pro Woche geben werde als beim G8, brauche es auch weniger Lehrerinnen und Lehrer, so das Kultusministerium. Erst vom Schuljahr 2032/2033 an werden dann auf einen Schlag 860 Stellen mehr als heute gebraucht.

Nach IT-Panne: Viele der 1.440 unbesetzten Lehrerstellen sind noch offen

BW-Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sieht die Schulen bei den Lehrerstellen gut gerüstet. "Es ist nicht alles rosa, da muss man gar nicht so tun. Aber es ist auch nicht so, dass es überall kneift." Aktuell sind laut Kultusministerium 81 Prozent der insgesamt 6.100 Lehrerstellen im Land besetzt. Hier sind die nach einer IT-Panne im Juli aufgetauchten Stellen schon mit dazu gerechnet. Weil noch immer Stellen offen sind, habe man den Stichtag für Bewerberinnen und Bewerber vom 31. August auf den 31. Oktober verschoben.

Schopper hofft, dass bis dahin ein Großteil der Stellen noch besetzt werden kann. Sie appellierte erneut an angehende Gymnasiallehrkräfte, sich auf Stellen an Real-, Gemeinschafts- und Berufsschulen zu bewerben - auch wenn diese auf dem Land seien. Immerhin gebe es nun 300 Stellen mit der Garantie, innerhalb von vier Jahren wieder ans Gymnasium zurückkehren zu können. Dass es trotzdem noch Lehrkräfte gebe, die keine Stelle finden, liege häufig daran, dass manche Fächer nicht gebraucht würden, zum Beispiel Spanisch an Realschulen.

Von den im Juli zusätzlich aufgetauchten Stellen sollen vor allem die SBBZ profitieren, nämlich mit 485 zusätzlichen Stellen. Auch die Grundschulen sollen gestärkt werden, mit 350 Stellen. Die Real-, Gemeinschafts- und Berufsschulen dürfen sich auf je 50 neue Stellen freuen. Und dann sollen noch 300 Gymnasiallehrinnen und -lehrer an andere Schulen abgeordnet werden, um sie dann später - wenn G9 mehr Lehrkräfte erfordert - zurück ans Gymnasium holen zu können. Nicht zuletzt soll die Krankheitsreserve um 155 Stellen aufgestockt werden, um die Schulen bei Langzeiterkrankungen entlasten zu können. 

Neues Schulfach Informatik und Medienbildung

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder mehr Medienbildung für Kinder und Jugendliche gefordert. Die soll jetzt auch kommen: Das neue Schulfach "Informatik und Medienbildung" wird an den weiterführenden Schulen in BW eingeführt. Schüler, Bildungsverbände und Bildungsforschende üben Kritik daran.

Ein Grund: Es gibt noch keinen Lehrplan dafür - der wird gerade erst erarbeitet und soll dann für das Schuljahr 2027/28 fertig sein. Das neue Fach soll an weiterführenden Schulen unterrichtet werden und erst einmal in den fünften und sechsten Klassen mit einer Stunde pro Woche stattfinden. Dafür wird eine Stunde aus dem naturwissenschaftlichen Bereich genommen. Auch das sorgt zum Beispiel beim Verband Bildung und Erziehung für Kritik. Denn wer "schwindende naturwissenschaftliche Kompetenzen" bemängele, dürfe keine Stunden umwidmen.

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Kommt das Handy-Verbot an BW-Schulen?

Jein. Ein offizielles Handy-Verbot wird es nicht geben. Aber ab dem zweiten Schulhalbjahr Anfang 2026 können Schulen entscheiden, ob es bei ihnen ein Handy-Verbot geben oder wie dieses geregelt werden soll.

Die Landesregierung hat mit dem neuen Schulgesetz einen Rechtsrahmen für etwaige Verbote und Einschränkungen geschaffen. Den gab es bisher nicht. Schon in der Vergangenheit wurden an Schulen vor dem Unterricht beispielsweise die Handys eingesammelt. Dagegen hätten Eltern aber klagen können. Jetzt sollen solche Handy-Regeln rechtlich abgesichert werden.

Das BW-Kultusminsterium drängt dennoch auf strengere Handy-Regeln an allen Schulen. Wie aus einer neuen Handreichung des Ministeriums an die Schulen hervorgeht, sollen - wenn möglich - private Smartphones, Tablets und auch Smartwatches aus allen Klassenzimmern verbannt werden. Die Empfehlungen liegen dem SWR vor. Vor allem Grundschulen sollen - ohne Ausnahme - eine handyfreie Zone werden.

Das ändert sich an Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen

Mit dem neuen Schulgesetz wurde auch der Werkrealschulabschluss abgeschafft. Bestehende Werkrealschulen sollen aber als Standorte erhalten bleiben und entweder Verbünde mit Realschulen oder Gemeinschaftsschulen eingehen oder als Hauptschulen weitermachen. 

An den Realschulen wird die sogenannte Orientierungsphase verkürzt. Diese umfasst derzeit die fünfte und sechste Klasse und soll künftig nur ein Schuljahr dauern. In dem einen Schuljahr lernen alle Kinder auf dem mittleren Niveau. Nach dem Jahr wird dann geschaut, wer künftig auf diesem Niveau weiterlernt und den Realschulabschluss anstrebt - und wer künftig auf den Hauptschulabschluss vorbereitet wird. Die Gemeinschaftsschulen sollen mit dem Reformpaket künftig zwei Wochenstunden pro Zug für individuelle Coachings zugewiesen bekommen.

Nächste Etappe bei der Sprachförderung

Seit vergangenem Jahr treibt die Landesregierung die verstärkte Sprachförderung in Kitas und Grundschulen voran. Grund ist das Abrutschen des Landes bei Bildungstests, was vor allem auch an den mangelnden Sprachkenntnissen der Kinder liegen soll.  

Ehrenkirchen

Probleme bei Verhalten, Konzentration, Sprache SWR-Umfrage: Grundschüler mit teils gravierenden Defiziten

Erstklässler haben heute deutlich mehr Defizite als noch vor zehn Jahren. Das sagen fast neun von zehn Grundschullehrern in BW und das betrifft nicht nur die Städte.

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Kinder, die bei der Schuleingangsuntersuchung noch sprachliche Probleme haben, sollen noch vor der Einschulung ein intensives Sprachtraining mit vier Stunden pro Woche bekommen, vor allem in der Kita. Laut einem Sprecher des Kultusministeriums gibt es bisher 950 solcher Sprachfördergruppen, die aus maximal zwölf Kindern bestehen sollen. Das Ausbauziel sind aber 1.900 Gruppen, was man in zwei Jahren geschafft haben will.  

Sprechen die Kinder danach noch immer nicht genug Deutsch, um eine Grundschule besuchen zu können, sollen sie ab dem Schuljahr 2026/2027 in sogenannten Juniorklassen gefördert werden. Bisher gibt es dem Sprecher zufolge 274 sogenannte Grundschulförderklassen, die nun in Juniorklassen umbenannt werden. Bis zum Schuljahr 2028/2029 sollen landesweit 832 Standorte geschaffen werden.  

Die Juniorklassen haben 25 Wochenstunden Unterricht und eine Größe von zwölf bis 20 Schülerinnen und Schülern. Die Sprachförderung in Kitas und Grundschulen kann erst verbindlich werden, wenn auch ein flächendeckendes Angebot aufgebaut ist. Das will die Landesregierung bis zum Schuljahr 2028/2029 erreichen.

Baden-Württemberg

"Radikale Zweiteilung" des Schulsystems? Verbindliche Grundschulempfehlung: Verband der Realschullehrer in BW startet Volksantrag

Nach den Reformen der Landesregierung befürchten Realschulen, in einem Schulsystem aus zwei Säulen unterzugehen - ein Volksantrag für eine verbindliche Grundschulempfehlung soll das verhindern.

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Verkehrschaos vor den Schulen Neue Regelung gegen "Elterntaxis": BW will mehr Schulstraßen für Autos sperren lassen

"Elterntaxis" sorgen laut BW-Regierung und Lehrerverband für Gefahren auf dem Schulweg. Deshalb bekommen Städte und Gemeinden jetzt neue Mittel gegen das Verkehrschaos vor Schulen.

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Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Betina Starzmann
SWR-Redakteurin Betina Starzmann
Autor/in
Yannick Lipinski
SWR-Redakteur Yannick Lipinski
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik

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