Fessenheim abgeschaltet - Leibstadt läuft weiter

Atomschutzverband warnt: Schweizer AKW in Grenznähe als Gefahr

Fessenheim im Elsass ist abgeschaltet, aber vier schweizerische Reaktoren in Grenznähe sind noch in Betrieb. Ein Gutachten warnt jetzt vor den Gefahren für Baden-Württemberg. 

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Stand

Im französischen Fessenheim nahe Freiburg soll im kommenden Frühjahr der Rückbau des AKW-Reaktors beginnen. Stillgelegt wurde er bereits 2020. Im Dreiländereck sind jedoch noch weitere Kernkraftwerke in Betrieb: Im schweizerischen Leibstadt, in Beznau I und II und in Gösgen laufen insgesamt vier Reaktoren. Sie befinden sich allesamt in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu Deutschland. Ein Gutachten des Trinationalen Atomschutzverbands (TRAS) warnt vor den Gefahren.
Der Verband setzt sich seit Jahren grenzüberschreitend für den Schutz und die Rechte aller von nuklearen Risiken Betroffenen ein.

AKW Leibstadt eines der ältesten weltweit

Das Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt liegt direkt gegenüber von Waldshut-Tiengen (Kreis Waldshut) am Hochrhein. Mit 41 Jahren gehört es zu einem der ältesten Atomkraftwerke der Schweiz. Hier in Waldshut hat kürzlich der Trinationale Atomschutzverband eine Studie vorgestellt und auf mögliche Gefahren durch AKWs aufmerksam gemacht. Die Kernaussage: Im Fall eines Unfalls in einem der Schweizer AKW müssten weite Teile Baden-Württembergs wegen radioaktiver Strahlung evakuiert werden. 

"Kaum vorstellbar, wenn wirklich etwas passiert"

Für einige Bürgerinnen und Bürger in der Region ein angsteinflößendes Szenario. So auch für Ulrike Gabrin aus Waldshut: "Kaum vorstellbar, wie die Ausmaße sein werden, wenn wirklich etwas passiert." Und Thomas Feer aus dem schweizerischen Unterstammheim im Kanton Zürich gibt zu bedenken: "Auch in der Schweiz wissen wir zu wenig über diese Möglichkeit eines Worst-Case Szenarios." 

AKWs in der Schweiz: Der Trinationale Atomschutz-Verband warnt, bei Unfall auch Baden-Württemberg betroffen. Fessenheim bereits abgestellt.
Seit 2020 stillgelegt, in diesem Frühjahr beginnt der Rückbau des französischen AKW in Fessenheim.

AKW Fessenheim - Freiburger Regierungspräsidium für Abschaltung

Von Freiburg aus hatte die ehemalige Regierungspräsidentin, Bärbel Schäfer (Grüne), beim elsässischen Nachbarn in Fessenheim jahrelang für die Abschaltung des umstrittenen AKWs gekämpft. Sie war regelmäßig im Austausch mit der französischen Seite.
Verständnis für die deutsche Haltung habe es nicht gegeben, so Schäfer. Vielmehr sei man auf französischer Seite davon überzeugt gewesen, dass Kernkraft sicher ist und Geld in die Region bringt. 

AKW in der Schweiz und Frankreich: Atomkraftgegner demonstrieren für eine Abschaltung.
Atomkraftgegner gehen auf die Straße. Was sie antreibt ist die Angst vor einem Unfall in einem grenznahen AKW.

AKW Fessenheim vor Jahren stillgelegt

2020 ist das AKW Fessenheim dann aber stillgelegt worden. Dazu beigetragen, so Schäfer rückblickend, habe auch der politische Druck und der Druck aus der Zivilgesellschaft. Nach dem Entschluss Frankreichs, den Anteil der Atomkraft zu senken, sei auch das AKW Fessenheim an der Grenze abgeschaltet worden. 

Es war halt auch ein sehr altes Kernkraftwerk – die Investitionen es nochmal weitere zehn Jahre laufen zu lassen, die wären sehr erheblich gewesen. 

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Vom AKW zum "Technocentre"

Auf dem Gelände des früheren AKW Fessenheim soll nun das sogenannte Technocentre entstehen. Dabei handelt es sich um eine Anlage, die schwach radioaktive Metalle aus dem Rückbau französischer Atomkraftwerke sortieren und recyceln soll.

Doch auch dieses Vorhaben ist umstritten und stößt bei Umweltverbänden und Teilen der Bevölkerung auf Kritik. Dennoch soll bereits dieses Jahr der Rückbau des alten Kraftwerks starten. Die Bauarbeiten für das Technocentre sollen 2027 beginnen, die Inbetriebnahme ist für 2031 geplant.

AKWs in der Schweiz - Eine Karte zeigt verschiedene Radien um AKW Standorte in der Schweiz.
Im Umkreis schweizerischer AKW besteht bei einem Unfall auch eine Gefahr für das südliche Baden-Württemberg.

In der Schweiz hingegen wird weiterhin in Atomkraft investiert. Die schweizerische Aufsichtsbehörde, das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI), hat dem AKW Leibstadt erst vor kurzem den Langzeitbetrieb genehmigt. Damit kann es bis mindestens 2045 am Netz bleiben. 

Für Martina Matt vom BUND Hochrhein, Vorsitzende der Ortsgruppe Murg-Laufenburg, ist das ein Unding. Sie kämpft für eine Stilllegung der grenznahen AKW. Sie wünscht sich, dass auch am Hochrhein politischer Druck ausgeübt wird.  

Wir fordern, dass die Politik die Probleme endlich wahrnimmt. Und dann auch aktiv wird. Verantwortung übernimmt und Druck auf die Schweiz ausübt, dass die [AKW] in naher Zukunft abgeschaltet werden. 

Nach einer Abschaltung von Schweizer AKW sieht es aber nicht aus. Politisch wird derzeit sogar darüber diskutiert, ob neue Kernkraftwerke gebaut werden sollen.

Über dieses Thema berichtete die 1.000ste Sendung “Dreiland Aktuell” am 7.2.2026, 18 Uhr, in SWR Aktuell Baden-Württemberg.    

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Vanessa Amann
Vanessa Amann, Reporterin Studio Freiburg
Louise Schöneshöfer
Louise Schöneshöfer, Reporterin im SWR Studio Freiburg.
Onlinefassung
Laura Könsler
Porträtfoto Laura Könsler

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