Bei einer Kundgebung gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung in Freiburg ist es am Mittwochabend nach Polizeiangaben zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Demnach versuchten gegen 17:30 Uhr etwa 100 vermummte und mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Personen eine Absperrung zu durchbrechen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein und nahm im Verlauf des Abends sieben Menschen vorläufig fest. Demo-Teilnehmende kritisierten den Polizeieinsatz im Nachgang insgesamt als unverhältnismäßig.
Am Nachmittag hatten sich auf dem Freiburger Europaplatz zunächst laut Polizei rund 1.800 Menschen zu einer Demonstration versammelt. Dabei gab es auch nach SWR-Beobachtungen keine besonderen Vorkommnisse. Die Protestierenden zogen daraufhin zum Bürgerhaus Zähringen, wo am Abend die AfD-Veranstaltung stattfand. Dort kam es, offenbar im Vorfeld der eigentlichen Demonstration, zu den Ausschreitungen.
Nägel unter Polizeiwagen ausgelegt
Im Verlauf des Abends kam es auch zu vereinzelten Sitzblockaden. An mehreren Absperrungen wurde laut Polizei "massiv versucht diese zu durchbrechen". Unter einigen Fahrzeugreifen von Streifenwagen waren den Angaben zufolge zudem Nägel ausgelegt.
SWR-Reporterin Sophie Geschke schilderte die Stimmung am Abend gegen 19:50 Uhr als angespannt. Demonstrierende hätten versucht, Absperrgitter zu stürmen. Polizisten hätten sie zurückgedrängt. Bewaffnete Teilnehmer habe sie aber nicht gesehen, so Geschke.
Beobachter: Rangeleien, aber keine Waffen
Mitglieder des Bündnis' "widersetzen Freiburg" hatten sich an den Sitzblockaden beteiligt. Ein Sprecher des Bündnis', das auch zu der Demo aufgerufen hatte, sagte am Donnerstag, die Demonstrierenden seien nicht bewaffnet gewesen. Die Polizei habe dagegen "unverhältnismäßig" reagiert.
Auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Vinzenz Glaser war vor Ort. Nach seiner Beobachtung kam es "zu kleineren Rangeleien zwischen Polizei und Demonstrierenden, jedoch gab es nach unserer Wahrnehmung zu keinem Zeitpunkt den Versuch, die Hauptabsperrung der Polizei zu durchbrechen oder das Bürgerhaus zu stürmen".
Vor Eintreffen der übrigen Demonstrierenden seien zwei - teils vermummte - Gruppen auf die Absperrungen zugerannt, bestätigt Glaser. Doch dabei hätten weder er noch ein Mitarbeiter seines Wahlkreisbüros Personen mit Schlagwerkzeugen gesehen. Damit widerspricht er der Darstellung der Polizei. Laut Glaser haben die Protestierenden vor der Absperrung eine Sitzblockade gestartet. Nach Aufforderung der Polizei hätten die meisten ihre Vermummung abgelegt.
Polizei: Gewalttäter agierten unabhängig von der Demo
Die Freiburger Polizei blieb auf Nachfrage bei ihrer Darstellung. Die rund 100 Randalierer seien unabhängig vom Demonstrationszug im Bereich der Emil-Gött-Schule aufgetaucht und hätten dort versucht, Polizeisperren zu durchbrechen. "Viele davon führten Stöcke mit sich, teilweise waren diese auch abgebrochen. Einzelne dieser Stöcke sowie ein Schraubenzieher konnten als Beweismittel gesichert werden", teilte eine Polizeisprecherin mit.
Die Wahlkampfveranstaltung der AfD konnte wegen der Blockaden erst mit über einer Stunde Verspätung gegen 20:15 Uhr beginnen. In der Nacht zuvor hatten Unbekannte Buttersäure in den Eingangsbereich des Bürgerhauses Zähringen gesprüht. Die Feuerwehr lüftete und säuberte daraufhin den Bereich. Die Veranstaltung konnte wie geplant dort stattfinden.