Mehrere Festnahmen und Pfefferspray-Einsatz

Ausschreitungen bei Demo gegen AfD-Veranstaltung in Freiburg - Kritik am Polizeieinsatz

Bei einer Demo gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung haben laut Polizei etwa 100 vermummte Personen mit Gewalt versucht, eine Absperrung zu durchbrechen. Teilnehmer übten Kritik am Polizeieinsatz.

Teilen

Stand

Von Autor/in Jan Lehmann

Bei einer Kundgebung gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung in Freiburg ist es am Mittwochabend nach Polizeiangaben zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Demnach versuchten gegen 17:30 Uhr etwa 100 vermummte und mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Personen eine Absperrung zu durchbrechen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein und nahm im Verlauf des Abends sieben Menschen vorläufig fest. Demo-Teilnehmende kritisierten den Polizeieinsatz im Nachgang insgesamt als unverhältnismäßig.

Protestierende gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung in Freiburg werden von der Polizei zurückgedrängt
Demonstrierende wurden bei dem Versuch, zu der Veranstaltungshalle zu kommen, von der Polizei zurückgedrängt. Ben Hofmann

Am Nachmittag hatten sich auf dem Freiburger Europaplatz zunächst laut Polizei rund 1.800 Menschen zu einer Demonstration versammelt. Dabei gab es auch nach SWR-Beobachtungen keine besonderen Vorkommnisse. Die Protestierenden zogen daraufhin zum Bürgerhaus Zähringen, wo am Abend die AfD-Veranstaltung stattfand. Dort kam es, offenbar im Vorfeld der eigentlichen Demonstration, zu den Ausschreitungen.

Nägel unter Polizeiwagen ausgelegt

Im Verlauf des Abends kam es auch zu vereinzelten Sitzblockaden. An mehreren Absperrungen wurde laut Polizei "massiv versucht diese zu durchbrechen". Unter einigen Fahrzeugreifen von Streifenwagen waren den Angaben zufolge zudem Nägel ausgelegt.

SWR-Reporterin Sophie Geschke schilderte die Stimmung am Abend gegen 19:50 Uhr als angespannt. Demonstrierende hätten versucht, Absperrgitter zu stürmen. Polizisten hätten sie zurückgedrängt. Bewaffnete Teilnehmer habe sie aber nicht gesehen, so Geschke.

Protestierende gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung in Freiburg
Rund 1.800 Menschen hatten laut Polizei friedlich in der Freiburger Innenstadt demonstriert. Ben Hofmann

Beobachter: Rangeleien, aber keine Waffen

Mitglieder des Bündnis' "widersetzen Freiburg" hatten sich an den Sitzblockaden beteiligt. Ein Sprecher des Bündnis', das auch zu der Demo aufgerufen hatte, sagte am Donnerstag, die Demonstrierenden seien nicht bewaffnet gewesen. Die Polizei habe dagegen "unverhältnismäßig" reagiert.

Auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Vinzenz Glaser war vor Ort. Nach seiner Beobachtung kam es "zu kleineren Rangeleien zwischen Polizei und Demonstrierenden, jedoch gab es nach unserer Wahrnehmung zu keinem Zeitpunkt den Versuch, die Hauptabsperrung der Polizei zu durchbrechen oder das Bürgerhaus zu stürmen".

Vor Eintreffen der übrigen Demonstrierenden seien zwei - teils vermummte - Gruppen auf die Absperrungen zugerannt, bestätigt Glaser. Doch dabei hätten weder er noch ein Mitarbeiter seines Wahlkreisbüros Personen mit Schlagwerkzeugen gesehen. Damit widerspricht er der Darstellung der Polizei. Laut Glaser haben die Protestierenden vor der Absperrung eine Sitzblockade gestartet. Nach Aufforderung der Polizei hätten die meisten ihre Vermummung abgelegt.

Polizei: Gewalttäter agierten unabhängig von der Demo

Die Freiburger Polizei blieb auf Nachfrage bei ihrer Darstellung. Die rund 100 Randalierer seien unabhängig vom Demonstrationszug im Bereich der Emil-Gött-Schule aufgetaucht und hätten dort versucht, Polizeisperren zu durchbrechen. "Viele davon führten Stöcke mit sich, teilweise waren diese auch abgebrochen. Einzelne dieser Stöcke sowie ein Schraubenzieher konnten als Beweismittel gesichert werden", teilte eine Polizeisprecherin mit.

Die Wahlkampfveranstaltung der AfD konnte wegen der Blockaden erst mit über einer Stunde Verspätung gegen 20:15 Uhr beginnen. In der Nacht zuvor hatten Unbekannte Buttersäure in den Eingangsbereich des Bürgerhauses Zähringen gesprüht. Die Feuerwehr lüftete und säuberte daraufhin den Bereich. Die Veranstaltung konnte wie geplant dort stattfinden.

Freiburg

Veranstaltung findet dennoch statt - Gegendemo formiert sich Vor AfD-Wahlkampfveranstaltung: Buttersäure-Attacke auf Bürgerhaus in Freiburg?

In Freiburg hat es in der Nacht auf Mittwoch einen mutmaßlichen Buttersäure-Angriff auf das Bürgerhaus Zähringen gegeben. Die geplante AfD-Veranstaltung findet trotzdem dort statt.

Baden-Württemberg

Reutlingen und Tübingen vor der Landtagswahl Beschädigte Plakate: Parteien beklagen mehr Vorfälle im Wahlkampf

Vor der Landtagswahl werden auch in Tübingen und Reutlingen immer öfter Wahlplakate beschädigt. Die Polizei zählt zahlreiche Anzeigen, sieht die Lage insgesamt aber unter Kontrolle.

Tübingen

Kriminalpolizei ermittelt und sucht Zeugen Ehrenamtliche Helfer beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen

Eine Gruppe von acht Leuten ist in der Nacht auf Sonntag gewaltsam auf zwei Männer zugegangen, die für die AfD Wahlplakate befestigen wollten. Das hat die Polizei mitgeteilt.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Jan Lehmann
SWR Redakteur Jan Lehmann

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!