Neue Initiative in Freiburg

"Männer gegen sexualisierte Gewalt": 300 Teilnehmer bei Demo in Freiburg

Trotz Regen und Kälte haben am Samstag circa 300 Personen demonstriert. Sie möchten Solidarität bekunden und Verantwortung übernehmen - denn "kein Täter" zu sein, reiche nicht.

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Von Autor/in Paula Gent

Auf dem Platz der Alten Synagoge in der Freiburger Innenstadt haben sich am Samstagnachmittag rund 300 Menschen versammelt, um gegen sexualisierte Gewalt zu demonstrieren. Das Besondere daran: Die Veranstaltung richtete sich insbesondere an Männer. Und sie war von einem Mann organisiert worden - Philipp Appenzeller hatte sie am Anfang der Woche spontan angemeldet.

Wir Männer stützen dieses System der Gewalt - solange wir uns nicht angemessen an seiner Beseitigung beteiligen.

Der 44-Jährige möchte die gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit nutzen, die durch aktuelle Fälle in Freiburg und bundesweit vorhanden ist. Aber: Es geht ihm nicht nur um den Freiburger Fall oder um digitale sexualisierte Gewalt. Denn sexualisierte Gewalt passiere täglich und in jeglichen Formen - sie sei unerträglich und die Taten schockierend, so Appenzeller im Aufruf zur Demonstration.

"Solidarität ist Verantwortung"

Appenzeller ist Familienvater und lebt in Freiburg. Er möchte andere Männer zum aktiven Engagement aufrufen und ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit Betroffenen setzen. "Das Schweigen, die Untätigkeit und die Abwesenheit derjenigen Männer, die sich selbst nicht als betroffen sehen", bezeichnet er als schockierend.

Damit das Engagement längerfristig Bestand hat, hat er die Initiative "Männer gegen sexualisierte Gewalt" gegründet. Ein QR-Code weist interessierte Demonstrierende auf einen Email-Verteiler hin, der sie über die Initiative auf dem Laufenden halten soll. Wichtig ist Appenzeller, dass die Initiative nicht in Konkurrenz zu Frauen- oder Flinta*-Organisationen stehen soll.

Sexualisierte Gewalt: Demonstrierende wollen dagegen angehen

Die Demonstrierenden während des Redebeitrags von Franz-Erdmann Meyer-Herder, leitender Dramaturge am Stadttheater Freiburg
Franz-Erdmann Meyer-Herder, leitender Dramaturg am Stadttheater Freiburg, spricht an der Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt.

Bei der Kundgebung sprachen neben Philipp Appenzeller unter anderem auch der leitende Dramaturg des Stadttheaters Freiburg, ein Mitglied der feministischen Bewegung Töchterkollektiv, der Geschäftsführer des soziokulturellen Zentrums FABRIK, sowie ein Mitglied der Freiburger Fraktion der Grünen und Vertreterinnen und Vertreter der Jugendorganisationen von SPD, Linken und Grünen.

Nur "kein Täter" zu sein, reiche nicht mehr, so Appenzeller. Die "schweigende Mehrheit" der Männer solle Verantwortung übernehmen und sich aktiv an der Beendigung des bestehenden Gewalt-Systems beteiligen. Die Teilnehmenden zeigten sich gerührt und erleichtert über die Initiative und die Möglichkeit, sich austauschen und vernetzen zu können.

"Für Applaus ist es zu früh" - man stehe erst am Anfang

Appenzeller hat viele positive, unterstützende Rückmeldungen bekommen - auch digital. Aber es sei nicht gerechtfertigt, jetzt Applaus zu bekommen: "Wir haben ja noch gar nichts getan, nur eine Demo angemeldet, und das geht ganz einfach." Es sei nur ein Anfang, und dafür, dass dieser so spät komme, möchte Appenzeller sich entschuldigen.

Er hat die Demonstration bewusst als Privatperson angemeldet. Denn "es geht um alle Männer". Es sei wichtig, dass die Initiative überparteilich sei. Die Veranstaltung richte sich gegen Gewalt "an Frauen, Mädchen und Flinta*-Personen: denn sie seien der überwältigende Großteil der Opfer und Männer seien für den Großteil der Taten verantwortlich.

Kaum von Männern getragene Organisationen

Während es bezüglich sexualisierter Gewalt gegen Männer schon Männerschutzverbände und Institutionen gebe, seien Initiativen von Männern gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und Flinta*-Personen sehr rar. Laut Appenzeller gibt es in ganz Deutschland allerhöchstens zehn solcher Initiativen.

Er wünscht sich, dass Männer sehen, "dass sie von diesem System profitieren, wenn sie nichts tun". Und dass sie leicht etwas verändern können - zum Beispiel, indem sie im Freundeskreis oder im Verein auf das Thema aufmerksam machen und beispielsweise auf sexistische Bemerkungen entschlossen reagieren. Und natürlich, dass sie sich engagieren, beispielsweise bei der neuen Initiative "Männer gegen sexualisierte Gewalt" in Freiburg.

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