Spitzenkandidaten in der Wodanhalle

Wahlkampfauftakt der Linken in Freiburg: "Wir wollen die Fünf-Prozent-Hürde knacken"

Volles Haus bei der Wahlkampf-Veranstaltung der Linken in Freiburg. In der Diskussion: Krieg und Frieden, Opposition statt Mitregieren und der "Dammbruch" im Bundestag.

Teilen

Stand

Von Autor/in Moritz Findeisen, Anita Westrup

Die Linken im Aufwind: Rund drei Wochen vor der Bundestagswahl zählen die Linken tausende Neueintritte. Das Interesse an der Partei war auch beim Wahlkampfauftakt in Freiburg zu spüren. Der Freiburger Direktkandidat, der Spitzenkandidat und die Kreissprecherin sprachen in der Wodanhalle vor einem großen Publikum. Erwartet worden waren 300 Menschen, tatsächlich kamen fast doppelt so viele.

Mitgliederzahlen der Linken: deutlicher Zuwachs

Die Wodanhalle auf dem Gantergelände war schon eine halbe Stunde vor Beginn komplett gefüllt. Der Saal, ausgelegt für 300 Personen, platzte aus allen Nähten. Menschen drängten sich im hinteren Bereich des Raumes und bis weit in den Flur. "Wir müssen uns als Linke in Freiburg daran gewöhnen, künftig in größeren Dimensionen zu planen", sagte Kreissprecherin Helena Pantelidis bei der Begrüßung. Freiburgs Direktkandidat Vinzenz Glaser ergänzte, dass die Linken seit Dezember, insbesondere in den vergangenen beiden Wochen, einen starken Zuwachs bei Veranstaltungen beobachteten. Dies geschah "parallel zum großen Demo-Aufkommen".

Interesse am Wahlkampf, Engagement für die Basis: Die Kandidaten berichteten von vielen Parteieintritten. Der Kreisverband Freiburg zählt nun knapp 500 Mitglieder (Stand 3. Februar 2025), der Landesverband erstmals über 5.000 Mitglieder. Ein Trend, der sich bundesweit zeigt: Die Linke meldet mehr als 11.000 Neueintritte in den vergangenen zwei Wochen. Montagfrüh habe die Partei 71.277 Mitglieder gezählt, so viele wie zuletzt 2010, sagte ein Parteisprecher.

Linken-Direktkandidat Glaser hat Einzug in den Bundestag im Blick

Jahrelang kämpfte die Linke mit dem Niedergang, die Abspaltung des Bündnis' Sahra Wagenknecht (BSW) hatte die Partei zusätzlich geschwächt. Auch vor der Bundestagswahl muss sie zittern. Doch Freiburgs Direktkandidat Glaser gibt sich entschlossen und formuliert ein klares Ziel: "Für mich ist am wichtigsten mitzuhelfen, dass die Linke die Fünf-Prozent-Hürde knackt und/oder mithilfe von drei Direktmandaten in den Bundestag einzieht." Glaser steht auf Platz vier der Linken-Landesliste für Baden-Württemberg, die für die Zweitstimmen ausschlaggebend ist.

Falls die Linke nach der Bundestagswahl nicht mitregiert, bleibt der Erzieher und Sozialarbeiter Glaser optimistisch: "Ich kann auch gut damit leben, dass die Linke in der Opposition ist und dort eine starke Rolle spielt. In den nächsten Jahren können wir stärker werden, und dann ist eine Regierungsbeteiligung nach der nächsten Wahl möglich."

Wahlkampfprogramm: Linke gegen Waffenlieferungen

"Nein zum Krieg" - diese Botschaft prangte auf einem großen Banner auf der Bühne in der Wodanhalle. Die Friedensfrage setzte Linken-Politiker Glaser an oberste Stelle. Er betonte die Bedeutung von Frieden in Europa.

Ohne dass wir zu einem stabilen Frieden in Europa und der Welt gelangen, können wir weder die Klimafrage noch wirtschaftliche und sozialpolitische Probleme lösen.

Jan van Aken, Bundes-Spitzenkandidat der Linken betonte, dass die Perspektive der ukrainischen Bevölkerung im Krieg alleiniger Maßstab sein müsse. Gleichzeitig distanzierte er sich vom BSW: "Die Kreml-Perspektive, die in unserer Partei leider auch vertreten war, hat die Linke mit der Gründung des BSW im Herbst 2023 verlassen", glaubt er.

Trotz seiner Solidarität mit der Ukraine lehnt van Aken Waffenlieferungen ab: "Es gibt immer Wege zwischen militärischer Unterstützung und Nichtstun." Zivile Maßnahmen seien übergangen worden, darunter die Intervention Chinas als "großer Bruder". China, so seine Wahrnehmung, habe sich von Anfang an vom völkerrechtswidrigen Krieg distanziert. EU und Bundesregierung wirft er vor, auf chinesische Vermittlungsangebote nicht eingegangen zu sein, weil sie China nicht zu viel weltpolitische Bedeutung zugestehen wollten, wie er vermutet.

Migrationsdebatte sorgt für Zuspruch: Linke will "Brandmauer wieder aufbauen"

Nach dem Schlagabtausch über die Migrationspolitik und der CDU/CSU-Abstimmung mit der AfD im Bundestag zeigt sich der Linken-Direktkandidat in Freiburg erschüttert. "Es war ein beispielloser Dammbruch, aber ich habe schon seit langem am Bestehen dieser Brandmauer gezweifelt, es war nur eine Frage der Zeit". Den Schulterschluss zwischen Union und der AfD finde er "total schockierend", sieht darin aber auch einen Hoffnungsschimmer: "Ich denke, dass die demokratischen Parteien nochmal mehr Aufwind bekommen, also die demokratischen Parteien links neben der CDU/CSU."

Die gemeinsame Abstimmung der CDU/CSU mit der in Teilen rechtsextremen AfD macht auch Jan van Aken sehr nachdenklich. Er bezeichnet dies als einen "Wendepunkt der Demokratie". Van Aken berichtet, viele Menschen bei Veranstaltungen hätten Angst und zeigten Tränen in den Augen. Er appelliert an die demokratischen Kräfte im Land: "Wir müssen in den nächsten Wochen und Monaten zusehen, dass wir diese Brandmauer wieder aufbauen. Die Konservativen sind bereit, mit den Faschisten zu regieren, da müssen wir als restliches politisches Spektrum gegenhalten."

Van Aken: Soziale Ungleichheit sei Nährboden für Faschismus

Der Spitzenpolitiker fordert mehr Anstrengungen in der Sozialpolitik. "Viele Menschen, die wir an den Haustüren sprechen, sind verzweifelt. Sie können die Mieten und Preise nicht mehr bezahlen," sagte er. In diesem Zusammenhang warnt van Aken vor Rechtsextremismus. Rechtsextreme Kräfte nutzten die soziale Ungleichheit in Deutschland aus, um politische Spaltung zu schaffen.

Ich glaube, wenn man eine gute Sozialpolitik macht, dann entzieht man dem Faschismus auch den Nährboden, das ist unsere Aufgabe als Linke.

Baden-Württemberg

Fragen und Antworten Bundestagswahl 2025: Aktuelle Umfragen, TV-Duelle, Wahl-O-Mat und mehr

Am 23. Februar 2025 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Wie stehen die Parteien in aktuellen Umfragen da? Wann treffen Scholz, Merz, Weidel und Habeck im TV-Duell aufeinander? Wo finde ich den Wahl-O-Mat? Das und mehr im FAQ.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Südbaden

Podiumsdiskussionen und Termine in der Übersicht Bundestagswahlkampf: Das planen die Parteien in Südbaden

Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf. Bis zum 23. Februar gehen die Parteien auch in Südbaden auf Stimmenfang. Welche Termine und Veranstaltungen gibt es in den kommenden Wochen?

SWR4 am Nachmittag SWR4

Baden-Württemberg

CDU-Spitzenkandidat für BW im Interview Merz-Vertrauter Thorsten Frei: Steuern senken und Sozialleistungen kürzen

Die CDU von Kanzlerkandidat Merz will die Wirtschaft mit Entlastungen voranbringen. Doch woher kommt das Geld dafür? Merz‘ enger Vertrauter aus BW gibt im SWR-Interview Antworten. 

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Freiburg

Enges Rennen zwischen Grünen und CDU um Direktmandat Grünen-Kanzlerkandidat Habeck zu Besuch in Südbaden

Im Rahmen seiner Wahlkampftour ist Robert Habeck in den Schwarzwald gereist. In Freiburg trat er am Freitagabend mit Chantal Kopf auf, die ihr Direktmandat verteidigen will.

SWR4 am Nachmittag SWR4