Sie backen Kuchen, räumen die Regale ein, servieren im Café kleine Gerichte und Snacks: Ohne die Ehrenamtlichen ginge im Dorfladen in Schuttertal-Schweighausen (Ortenaukreis) nicht viel. Der kleine Einkaufsladen mit angeschlossenem Café ist der Mittelpunkt des Dorflebens. Neben mehreren bezahlten Angestellten packen rund 60 Ehrenamtliche mit an.
Landesweite Einführung läuft an
"Das macht mir sehr viel Spaß, weil man so tolle Rückmeldung bekommt. Alle bewundern hier dieses Haus", sagt zum Beispiel Petra Volk, die einmal in der Woche im Dorfladen mitanpackt.
Noch mehr Wertschätzung bringen soll Ehrenamtlichen bald auch in Schuttertal die Ehrenamtskarte. Sie wird seit 2023 in mehreren Städten und Landkreisen in Baden-Württemberg getestet und soll bald landesweit eingesetzt werden. Mit der Karte bekommen besonders aktive Ehrenamtliche Vergünstigungen für viele Freizeitangebote im Land.
Vereine fürchten mehr Arbeit
Wer pro Jahr mindestens 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit leistet, kann die Karte beantragen. Die Vereine müssen die Stunden bestätigen, das Land finanziert Stellen für die Koordinierung des Ganzen. Vereine und Bürgermeister im Ortenaukreis sagen aber: Nein danke!
Stefan Göppert, Vorstand beim Dorfladen, fürchtet durch die Karte etwa noch mehr Bürokratie. "Wir sind jetzt eigentlich schon am Anschlag", sagt er. "Wir versuchen alles so aufzuteilen, dass es für jeden neben seinem eigentlichen Job noch händelbar ist."
Bei 60 Ehrenamtlichen, die allein im Laden um die 1.500 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten würden, deren Einsätze koordiniert und nachgehalten werden müssten, sei das nicht einfach.
Kritik: Vergünstigte Angebote zu weit weg
Göppert glaubt, dass das Geld des Landes direkt in den Vereinen besser angelegt wäre. Denn die seien es ja, die auf dem Land Kultur- und Freizeitangebote schaffen würden.
Ähnlich sieht das Conny Klumpp, Vorstand im Turnverein Schuttertal: "Ich glaube, dass wir hier in der ländlichen Gegend zu wenig kulturelle Angebote haben, als dass das Sinn macht, die Karte hier zu nutzen." Weiter wegfahren, um von Vergünstigungen zu profitieren - das würden nur wenige Ehrenamtliche machen, vermutet Klumpp.
Auch bei Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst ist die Kritik angekommen. Er hat sogar einen Offenen Brief an die Landesregierung geschickt - im Namen des Kreisverbands Ortenau im Städte- und Gemeindetag. "Es ist ja nie zu spät, gut gemeinte Dinge vielleicht doch noch anzupassen."
Offener Brief macht Vorschläge
In dem Schreiben äußert Litterst im Namen seines Kreisverbandes Kritik, macht aber auch Vorschläge, wie Geld für die Ehrenamtsförderung anders eingesetzt werden könnte: Bürokratie abbauen, steuerliche Vergünstigungen (Ehrenamtspauschale) erhöhen, Landeszuschüsse für Aus- und Fortbildung anheben und Geld für die Ehrenamtsförderung an die Gemeinden zahlen, um Ehrenamtstage oder Ehrungen zu organisieren - so einige der Ideen.
Die Landesregierung, federführend das Sozialministerium, halten dagegen. Man halte die Karte, von der inzwischen mehr als 25.000 Exemplare ausgegeben worden seien, für ein Erfolgsmodell, heißt es auf SWR-Anfrage. Sie sei mit einem einfachen Antrag samt Stundennachweis zu beantragen. Vereine könnten auch Sammelanträge für mehrere Ehrenamtliche stellen. Zudem würden Angehörige von Institutionen wie der Freiwilligen Feuerwehr, des THW, des DLRG oder der Bergwacht überhaupt keine Stundennachweise brauchen.
Den Landkreisen entstünden durch die Ehrenamtskarte auch keine Kosten, schreibt das Sozialministerium. Das Land trage die Personalkosten einer halben Stelle und gewähre einen Einführungszuschuss von 45.100 Euro. Zudem würden Sachkosten wie Kartendrucker vom Land finanziert.
In Freiburg, wo seit 2023 mehr als 2.000 Karten ausgegeben wurden, pflichtet die verantwortliche Koordinatorin Julia Littmann, dem bei: "Das Land hat ein kluges Konzept vorgelegt, das nicht darauf zielt, zu kaufen, sondern zu beglücken. Und das nehmen die Menschen mit großer Begeisterung an.“