Hintergrund der Sorgen ist die jüngste Ausschreibung der Bundesnetzagentur für neue Windenergieanlagen. Nach Prognosen könnten Baden-Württemberg und Bayern komplett leer ausgehen - also keinen einzigen Zuschlag bekommen. Unternehmen wie Badenova, Ökostrom, EWS Schönau und etliche weitere Energieversorger warnen deshalb vor einem Windkraft-Aus im Südwesten.
Zwar gebe es inzwischen mehr Genehmigungen, doch ohne wirtschaftlich tragfähige Förderung könnten viele bereits baureife Projekte nicht realisiert werden, so die Befürchtung. Grund seien höhere Kosten im Mittelgebirge, also zum Beispiel auf den Schwarzwaldgipfeln.
Unternehmen für Windkraft in Südbaden sehen sich benachteiligt
Denn in hügeligen Gebieten ist es schwieriger, Flächen zu erschließen, es mangelt an Platz und Bauteile müssen auf die Berge hochtransportiert werden. Das sei im aktuellen Mechanismus des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) aber nicht berücksichtigt, sagt Michael Klein, Geschäftsführer der Badenova Erneuerbare. Baden-Württemberg sei demnach für den Bau von Windrädern bei der geplanten Vergabe benachteiligt.
Der Strom sollte dort erzeugt werden, wo er auch tatsächlich verbraucht wird. Dann braucht es keine großen und aufwändigen Transportleitungen von Nord nach Süd, die den Bürger auch viel Geld kosten.
Stadt Freiburg sorgt sich wegen mangelnder Bundesförderung
Bedenken kommen auch aus Freiburg. Während am Freiburger Roßkopf drei weitere Windräder genehmigt wurden, sorgt sich die Stadt um den weiteren Ausbau der Windkraft im Südwesten. Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) befürchtet aufgrund mangelnder Bundesförderung gar einen Stillstand bei der Windenergie: "Wir sind sehr enttäuscht über die aktuellen politischen Entscheidungen."
Wir brauchen noch mehr grüne Energie und wir brauchen mehr verlässlichen Strom für den Wirtschaftsstandort Freiburg.
Bundesnetzagentur widerspricht den Energie-Unternehmen
Die für die Zuschuss-Ausschreibungen zuständige Bundesnetzagentur widerspricht: "Die Zahlen bestätigen nicht, dass Projekte in Baden-Württemberg, die an den Ausschreibungen teilnehmen, systematisch seltener bezuschlagt werden als in Gesamtdeutschland", schreibt die Behörde. Von der 2025 in BW bei den Ausschreibungen eingereichten Strommenge seien 73 Prozent tatsächlich bezuschusst worden. Das liege sogar über dem Bundesdurchschnitt (61 Prozent).
Außerdem zeigt sich nach Angaben der Bundesnetzagentur ein langfristiger Trend zu mehr Förderung für Windkraft: "Gegenüber früheren Jahren ergab sich wie im gesamten Bundesgebiet auch in BW ein deutlicher Anstieg bei den eingereichten Geboten, Zuschlägen und erteilten Genehmigungen."
Windkraft-Unternehmen bemängeln fehlende Planungssicherheit
Aus Sicht der Badenova schaut die Bundesnetzagentur hier auf falsche Zahlen. Sorge mache der kurzfristige Trend: "Die Zuschlagsquoten für Baden-Württemberg sind in den vier Ausschreibungsrunden 2025 von 93 Prozent (...) auf zuletzt 28 Prozent gefallen", sagt Michael Klein. Außerdem würden sich viele Projekte aus BW erst gar nicht bewerben, weil sie keine Erfolgsaussichten sähen.
Von circa 1.000 genehmigten Windrädern im Land seien im letzten Jahr nur zirka 30 gebaut worden, so Michael Klein. Es fehle an Planungssicherheit. Es seien in letzter Zeit viele Anlagen genehmigt worden. Ob sie aber nun auch wirklich gebaut werden können, hänge von ihrer Wirtschaftlichkeit ab. Die sei nicht gegeben ohne EEG-Förderung.
EEG-Novelle kann Änderungen für Zuschussvergabe bringen
Die Bundesregierung muss das EEG bis Jahresende reformieren. Die Unternehmen verlangen vom Bund deshalb Nachbesserungen bei der Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Michael Klein von der Badenova wünscht sich beispielsweise eine Südquote, Boni für Projekte im Süden oder neue Modelle, die die Parkgröße und den Infrastrukturaufwand berücksichtigen.