Stadt Tübingen informiert Kritiker und Befürworter

Windkraft-Pläne: Diese Standorte im Rammert sind vom Tisch

Seit Januar ist klar: Im Rammert bei Tübingen dürfen Windräder entstehen. Ursprünglich waren bis zu 13 Anlagen geplant. Doch neue Gutachten schließen drei der Standorte aus.

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Von Autor/in Catharina Straß

Die Stadt Tübingen will den Strombedarf künftig nachhaltiger decken. Ein Windpark im Waldgebiet Rammert zwischen Weilheim und Dußlingen soll dazu beitragen. Doch die Pläne stoßen weiter auf Widerstand. Am Dienstagabend informierten die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Tübingen in der Rammerthalle im Stadtteil Weilheim über den aktuellen Stand der Planungen.

Auf einer Karte ist der Rammert dargestellt, darauf sind Standorte für mögliche Windkraftanlagen eingezeichnet. Drei Kreuze markieren die Windräder, die aus den Plänen gestrichen worden sind.
Sind aus den Plänen für den Windpark am Tübinger Rammert endgültig gestrichen: Die Anlagen WEA 9, 10 und 12 bei Weilheim.

Drei Windräder im Rammert gestrichen - zehn bleiben

Ursprünglich waren 13 Windkraftanlagen im Rammert vorgesehen. Nun die Überraschung: Drei Standorte bei Weilheim haben die Stadtwerke jetzt endgültig aus ihren Plänen gestrichen. Grund sind neue Gutachten. Diese zeigen laut Projektleiter Julian Klett, dass dort zu wenig Wind weht. Außerdem wären seltene Arten wie der Rotmilan, die Haselmaus und die Gelbbauchunke gefährdet. Sie müssten extra geschützt werden. Zusammen sei das nicht wirtschaftlich.

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Die verbleibenden zehn Standorte gelten laut Stadtverwaltung und Stadtwerken aber weiterhin als vertretbar. Neben verschiedenen Artenschutzgutachten wurden unter anderem auch ein Schall- sowie ein Schattengutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Einige der Orte überschreiten festgelegte Richtwerte. Das ließe sich aber etwa durch zeitweise Drosselungen der Anlagen beheben.

Naturschutz und Wirtschaftlichkeit im Fokus der Pläne

Beim geplanten Windpark im Rammert bleibt wie an vielen anderen Orten der Naturschutz ein zentraler Streitpunkt. Die beiden Umweltverbände NABU und BUND kritisieren die Eingriffe in den Lebensraum geschützter Arten. Schutzvorkehrungen wie Abschaltautomatiken für Fledermäuse und Umsiedlungen von Gelbbauchunken sollen, so die Vertreter der Tübinger Stadtwerke, die Auswirkungen auf die Tiere abmildern.

Der Tübinger OB Boris Palmer hat mit Planern der Stadtwerke über den aktuellen Stand der Windpark-Pläne im Rammert informiert.
Sie haben einen Einblick in den Stand der Planungen des Windparks im Rammert gegeben: Oberbürgermeister Palmer (parteilos), Hanno Brühl, Prokurist bei den Stadtwerken und Projektleiter Julian Klett (v.r.n.l.)

Auch die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist ein Thema. Die Stadtwerke betonen, dass sich das Projekt nur lohne, wenn es wirtschaftlich tragfähig sei. Immerhin: Jede der zehn Windkraftanlagen könnte den Gutachten zufolge rund 12.000 Personen mit Strom versorgen.

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Diskussion um Windpark bei Tübingen: Bürgerbeteiligung und Kritik

Die Veranstaltung in Weilheim war gut besucht. Viele Bürgerinnen und Bürger äußerten ihre Sorgen. Während einige die geplanten Aktionen zum Schutz von Mensch und Tier für unzureichend hielten, begrüßten andere den Ausbau erneuerbarer Energien und die Bürgerbeteiligung. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) betonte: "Demokratie heißt auch, dass ich mich der Mehrheit beuge."

Die Diskussion bleibt kontrovers. Kritiker werfen den Verantwortlichen vor, die Auswirkungen auf die Natur zu unterschätzen. Andere fordern, dass der Tübinger Gemeinderat anstelle der Stadtwerke über die Standorte entscheiden soll.

Viele Fragen beim Bürgerdialog zum geplanten Windpark im Rammert bei Tübingen: Stadtverwaltung und Stadtwerke haben einen Zwischenstand der Pläne vorgestellt.
Es gab viele Fragen beim Bürgerdialog zum geplanten Windpark. Die Veranstaltung in der Rammerthalle in Tübingen-Weilheim ging vier Stunden lang.

Wie geht es weiter?

Bis zur endgültigen Genehmigung des Windparks ist es noch ein weiter Weg. Die nächsten Schritte umfassen die Anpassung der Gutachten, die Klärung von Fördermitteln und die finale Wirtschaftlichkeitsprüfung. Im besten Fall könnte der Windpark bereits 2028 in Betrieb gehen.

Die Stadt Tübingen verfolgt mit dem Windpark ein ambitioniertes Klimaziel: Die Hälfte des Strombedarfs soll lokal und durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Ende Januar hatte sich der Regionalverband Neckar-Alb mit großer Mehrheit für den Teilregionalplan Windenergie ausgesprochen. Damit können im Tübinger Waldgebiet Rammert, aber auch in Pfronstetten (Kreis Reutlingen) und bei Winterlingen (Zollernalbkreis) Windkraftanlagen entstehen.

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SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

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Catharina Straß
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