Die jesidische Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad wünschte sich beim Besuch des nach ihr benannten psychosozialen Zentrums mehr Unterstützung des Landes für solche Hilfseinrichtungen. Das Lörracher "Nadia Murad Zentrum“ der Diakonie betreut traumatisierte Flüchtlingskinder und ihre Eltern.
Flüchtlingskinder lernen ihr Schicksal zu erzählen
Nadia Murad hält etwa die im Lörracher Zentrum praktizierte Kunsttherapie für sehr wertvoll: "Denn viele Kinder wissen nicht, wie sie ihr Schicksal erzählen können. Dann fangen sie an zu malen - erst schwarz, dann später heller. Wichtig ist, dass Therapie nicht nur Reden meint, sondern Aktivitäten, mit denen sich die Kinder ausdrücken können.“
Sie haben erlitten, was kaum vorstellbar ist.
Bei der Begrüßung der Friedensnobelpreisträgerin in Lörrach sagte die Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden, Oberkirchenrätin Sabine Jung: "Sie haben erlitten, was kaum vorstellbar ist." Sie bezog sich damit auf das Schicksal von Nadia Murad. Sie war von Kämpfern des sogenannten "Islamischen Staates" im Nordirak verschleppt, versklavt, vergewaltigt und gefoltert worden war.
Nadia Murad setzt große Hoffnungen in Cem Özdemir
Die grüne Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann nannte die Friedensnobelpreisträgerin in ihrer Rede ein "Vorbild". Nadia Murad ist die prominente Stimme ihres Volkes. 2015 war sie in einem Sonderkontingent von 1.100 Jesiden, die den Völkermord im Nordirak überlebt hatten, nach Baden-Württemberg gekommen.
Murad, die selbst in Stuttgart lebt, setzt große Hoffnungen in den neuen Ministerpräsidenten Cem Özdemir. Er habe selbst einen Migrationshintergrund und könne mehr tun für jesidische Frauen und Kinder, vor allem für Überlebende des Völkermordes, sagte Nadia Murad dem SWR. Auch die Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden, Sabine Jung, forderte in Lörrach eine auskömmliche Förderung des Landes für psychosoziale Zentren.