Dass Angelina diese Woche ihren 18. Geburtstag feiern kann, war kurz nach ihrer Geburt alles andere als sicher. Als Angelina 2008 geboren wird, hat ihre Herzscheidewand ein großes Loch – nur eine Transplantation kann sie retten. Mit fünf Monaten bekommt sie ein Spenderherz an der Uniklinik Freiburg. 18 Jahre später schlägt es immer noch, das Herz ist mit Angelina aus Kehl (Ortenaukreis) groß geworden.
Auch für die damals behandelnde Ärztin Brigitte Stiller war die Transplantation etwas ganz Besonderes. Angelina war laut Uniklinik Freiburg damals das jüngste Kind in Baden-Württemberg, dem ein fremdes Herz eingesetzt wurde. Für ihre ehemalige Patientin hat die Kardiologin daher eine kleine Geburtstagsfeier an der Uniklinik Freiburg organisiert.
Sport, Schule, Ausbildung: Leben mit Spenderherz
Jeden Tag zwölf Tabletten. Sieben am Morgen und fünf am Abend. Das ist für Angelina Schwabauer überlebenswichtig. Ansonsten geht sie zum Sport oder in die Berufsschule. Im vergangenen Jahr hat sie eine Ausbildung bei einer Bank angefangen. Ein ganz normales Leben also - fast. Sie muss sorgsam mit ihrem Spenderherz umgehen, damit es möglichst lange durchhält. Auf Rauchen oder Alkohol verzichtet sie daher bewusst.
Ich mach ganz normal Sport, ich habe keine Einschränkungen, nichts. Deswegen merkt man das bei mir auf den ersten Blick gar nicht.
Überrascht seien daher viele, wenn sie von ihrem Spenderherz hören. Dann kämen die typischen Fragen: "Wie lange schon? Wie geht es dir damit?" Für sie ist das in Ordnung, erzählt sie. Das Interesse sei immer respektvoll.
Angelina musste lernen, ihr Herz anzunehmen
Dass sie offen und ehrlich über ihre Herztransplantation reden kann, war nicht immer so. Zwischen acht und zehn Jahren habe sie bewusst begriffen, dass ihr ein fremdes Herz transplantiert wurde. Am Anfang sei sie sehr vorsichtig gewesen und eher verschlossen. Doch irgendwann traf sie für sich eine Entscheidung: "Ich akzeptiere es, mir geht es gut." Sie wollte nicht ständig an die Transplantation erinnert werden und einfach normal leben. Das sei der Moment gewesen, an dem sie mit dem Thema abschließen konnte.
Es kommt auch oft die Frage: woher hast du das Herz?
Für Angelina ist ihr Spenderherz heute selbstverständlich und doch denkt sie oft an die Familie, die ihr das ermöglicht hat. "Ich bin der Familie dankbar, die gespendet hat, und hoffe, dass bei ihnen alles gut ist", sagt sie. Von wem das Herz kommt, wird Angelina nie erfahren. In Deutschland bleibt eine Organspende anonym, beide Seiten erhalten keine personenbezogenen Informationen. Sie weiß nur, dass ihr Herz wegen der Größe auch von einem Baby stammen muss.
Über 8.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organspende
2025 haben laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) bundesweit 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet. Rund 3.000 Organe wurden transplantiert. Im internationalen Vergleich ist die Zahl der Organspenden in Deutschland sehr niedrig. Auf der Warteliste standen im vergangenen Jahr rund 8.200 Menschen.
Im Deutschen Bundestag wird aktuell erneut über die Einführung der Widerspruchslösung bei Organspenden diskutiert. Damit würde jeder zum Organspender, der nicht aktiv widerspricht.
Kinder haben bei Herztransplantationen oft gute Überlebenschancen
Wie lange man mit einem Spenderherz leben kann, ist sehr unterschiedlich und hängt unter anderem vom sorgsamen Umgang und der Medikation ab. Laut dem Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BiÖG) überleben rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten das erste Jahr nach der Operation. Nach fünf Jahren leben noch etwa 70 Prozent mit ihrem neuen Herzen.
Generell sind die Überlebenschancen bei Säuglingen am höchsten, erklärt die Freiburger Kardiologin Brigitte Stiller. Denn das Immunsystem kann sich auf das Herz einstellen und der Körper wächst mit dem neuen Organ zusammen. Wie lange Kinder mit einem Spenderherz überleben, könne sie allerdings nicht sagen. dafür gebe es noch zu wenig Erfahrungswerte. Seit Angelina ihr Spenderherz 2008 bekommen hat, wurden am Freiburger Universitätsklinikum 109 Herztransplantationen bei Kindern durchgeführt.
Kardiologin erklärt: Warum junge Patientinnen und Patienten bessere Chancen haben
Wird ein Kind schon als Baby transplantiert, sind die langfristigen Aussichten oft besser. Denn das Immunsystem ist in diesem Alter noch nicht vollständig ausgereift und akzeptiert das Spenderherz eher. Dadurch kommt es seltener zu Abstoßungsreaktionen und späteren Komplikationen, erklärt Kardiologin Brigitte Stiller.
Woher ihr Herz kommt wird Angelina niemals erfahren. Das ist in Deutschland verboten. Das Herz ist in den 18 Jahren mit ihr mitgewachsen. Nach dem heutigen Stand hält ein Spenderherz rund 30 Jahre durch. Danach wird wahrscheinlich eine neue Transplantation für Angelina nötig werden.