Zunehmende Ungewissheit für viele Betriebe

Wenn der Salat nicht mehr richtig wächst - Hitzesommer trifft Gemüsebauern der Region

Hitze und Trockenheit machen der Landwirtschaft in diesem Sommer extrem zu schaffen. Ein Gemüsebauer aus Bötzingen fragt sich: Was lässt sich im Sommer überhaupt noch anbauen?

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Von Autor/in Nikolaus Rhein

Die Landwirtschaft erlebt einen Sommer der Extreme - nicht nur, aber eben auch und besonders in Südbaden. Die Rekordtemperaturen machen den Bauern zu schaffen und haben bereits für Ernteausfälle gesorgt. Anfang der Woche hatte immerhin das Warten auf den Regen ein Ende. Doch wie viel konnte der Niederschlag der vergangenen Tage bewirken?

"Am Montag hatten wir 11 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, aber jetzt spürt man nicht mehr viel davon", sagt Diethmar Höfflin. Auf dem Schambachhof in Bötzingen am Kaiserstuhl baut der Landwirt Obst und Gemüse an. Insgesamt 30 unterschiedliche Kulturen, alles Freiland. Beim Gemüse setzt Höfflin auf Saisonalität: Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkoli - und jede Menge Blattsalat.

Wegen Trockenheit: Böden konnten wochenlang nicht bearbeitet werden

Doch in den letzten Wochen haben Höfflin und seine acht Mitarbeiter nur sehr wenig ausgesät. Wegen der Dürre konnten die Felder nicht bearbeitet werden. Wochenlang hatte Höfflin 100 Kisten mit Jungpflanzen herumstehen. Erst jetzt, nach dem Regen der letzten Tage, konnte er sie einpflanzen.

Dabei ist der Boden im Kaiserstuhl im Vergleich zu den Böden in der Rheinschiene eigentlich prädestiniert, um Trockenphasen zu überstehen: Der tiefgründige Lössboden kann Regenwasser besonders lange speichern. Aber wenn der Boden an der Oberfläche so ausgetrocknet sei wie zuletzt, "bringt es für junge Gemüsepflanzen nichts, wenn das Wasser in einem Meter Tiefe ist", so Höfflin.

Risse ziehen sich durch ein Gemüsefeld.
Symbolbild: Unter der Hitze und Trockenheit haben Salatpflanzen in Südbaden gelitten. Sebastian Gollnow

Salat nun schon nach fünf Wochen reif

Für die Tröpfchenbewässerung seiner Kulturen nutzt der Landwirt Quellwasser - "das aber auch nur vorhanden ist, wenn es regnet." Jeden Tag müsse er aufs Neue priorisieren: Welche Kultur muss gerade besonders dringend bewässert werden, und welche kann vielleicht noch warten? Weil etwa der Salat inzwischen statt in sechs Wochen schon in fünf Wochen reif ist, steige die Arbeitsbelastung noch mehr.

Hoher Ernteverlust bei Blattsalaten

Immerhin der Kürbis kommt gut mit den extremen Bedingungen zurecht. Der sporadische Niederschlag in den zurückliegenden Monaten hat ausgereicht, damit das wärmeliebende Gemüse wächst. Allerdings sei das die absolute Ausnahme, meint Höfflin. Seine Blattsalate zum Beispiel pflanzt er alle zwei Wochen. Bei den letzten beiden Pflanzungen hatte er einen Ausfall von 90 Prozent.

Noch keine gestiegenen Preise im Supermarkt

Noch scheinen sich die Ernteverluste der regionalen Betriebe nicht im Supermarkt bemerkbar zu machen. "In Sachen Dürre gibt es bei Obst und Gemüse bislang keine spürbaren Veränderungen oder Preissprünge", sagt Peter Spindler, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden. Aber etwas anderes bereite den Supermärkten gerade Sorgen: "Man befürchtet, dass die Weinlese problematisch ausfällt. Da geht man von Preissteigerungen aus", so Spindler.

Unterschiedliche Sommer erschweren Planung

"Die letzten zehn Wochen waren für uns Obst- und Gemüsebauern schon sehr prägend", sagt Diethmar Höfflin. Vor 25 Jahren hat er den Schambachhof übernommen - und merkt, wie sich die Sommer seitdem verändern. 2024 habe es im Sommer viel geregnet, 2025 sei es erst sehr heiß und dann sehr feucht gewesen. Da gebe es keine Regelmäßigkeit. Und genau das mache die Planbarkeit in den Betrieben so schwierig. Auch bei Höfflin herrscht Ungewissheit, wie es weitergeht.

Man fragt sich schon: Wie viel Sinn macht das, was man hier tut? Und wie viel Sinn machen die Kulturen, die man anpflanzt?

Diethmar Höfflin
Landwirt Diethmar Höfflin will künftig verstärkt auf das Frühjahr und den Herbst setzen - um nicht von den unvorhersehbaren Sommern abhängig zu sein. Diethmar Höfflin, privat

Diethmar Höfflin setzt künftig verstärkt aufs Frühjahr und den Herbst

Grundsätzlich habe man hierzulande einen großen Reichtum an Obst und Gemüse, "hier wächst ja alles." Bloß: Wie lange noch? Höfflin rechnet damit, dass sich das Sortiment in den kommenden Jahren stark verändert. Er will nun noch mehr auf das Frühjahr und den Herbst setzen, um nicht mehr vom Sommer abhängig zu sein. "Vielleicht sagen wir auch: Blattsalate im Sommer machen wir einfach gar nicht mehr? Es gibt Betriebe, die machen das so."

All den widrigen Umständen zum Trotz: Jammern will Diethmar Höfflin nicht, sondern sich bestmöglich auf die klimatischen Veränderungen einstellen. Als es am Freitag erneut regnete, habe man die Gelegenheit gleich genutzt und "gepflanzt wie die Verrückten." An der Planung für das restliche Jahr wollen Höfflin und seine Mitarbeiter vorerst festhalten: Im September sollen die Frühlingszwiebeln auf den Feldern des Schambachhofs gepflanzt werden.

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Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

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