Obstbauern in Südbaden ernten als Erste

Saisonauftakt im Kreis Lörrach: Kirschernte beginnt, doch Diebstähle belasten Landwirte

Die Kirschen sind rot, knackig und süß. Obstbauer Max Hagin aus Weil am Rhein ist mit Qualität und Menge zufrieden. Doch das Wetter und Diebstähle könnten die gute Saison gefährden.

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Von Autor/in Laura Könsler

In Weil am Rhein (Kreis Lörrach) ist die Kirschernte in vollem Gange - und Obstbauer Max Hagin strahlt zufrieden. Der Vizepräsident des Landesverbands Erwerbsobstbau Baden-Württemberg hat dieses Jahr prall gefüllte Bäume auf seiner rund zwei Hektar großen Plantage. Etwa zehn Tonnen Kirschen will er ernten.

Kirschernte gestartet: Max Hagin in Weil am Rhein rechnet mit einem guten Kirschenjahr
Lecker sind sie, die ersten Kirschen. Max Hagin, Obstbauer in Weil am Rhein, freut sich auf ein gutes Kirschenjahr. Laura Könsler

Kirschernte im Sommer - mit einem Hagel wäre alles vorbei

Die Früchte sind tiefrot, knackig und süß. "Einzelne Sorten hängen etwas schwächer als sonst, aber insgesamt sieht es sehr gut aus", sagt Hagin. Nur das Wetter könnte ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen: Gewitter mit Hagel wären fatal. Hagel lässt Kirschen platzen - und dadurch wären sie unverkäuflich.

Der Obstbauer verkauft seine Ernte auf Wochenmärkten, im Hofladen und über eine Genossenschaft an den Lebensmittelhandel. Dort kommt nur makellose Ware in die Kisten. Der Kilopreis liegt derzeit bei acht Euro.

Schädlinge bei Kirschernte noch kein Problem

Schädlinge wie Kirschfruchtfliegen und Kirschessigfliegen sind momentan kein Thema. Doch bei feuchtem Wetter können sie schnell zur Plage werden. Hagin ärgert sich darüber, dass die Auswahl an Pflanzenschutzmitteln immer kleiner wird. Während er und seine Kollegen strenge Vorgaben erfüllen müssen, würden im Ausland Kirschen mit Mitteln behandelt, die hier längst verboten sind - und sie würden trotzdem direkt neben seinen Früchten im Regal liegen.

Neuer Mindeslohn treibt Kirschpreis in die Höhe

Die Ernte seiner Tafelkirschen ist reine Handarbeit. Jeder Handgriff kostet Zeit und Geld. Der gestiegene Mindestlohn treibt die Kosten nach oben und schlägt sich im Preis nieder.

Kirschernte gestartet: Max Hagin in Weil am Rhein rechnet mit einem guten Kirschenjahr
Kirschernte ist Handarbeit: Seinen Saisonkräften zahlt Max Hagin den neuen Mindestlohn. Die Mehrkosten versucht er über den Verkaufspreis wieder reinzuholen. Laura Könsler

Frust bei der Kirschernte - Diebstahl an der Tagesordnung

Zusätzlich muss Hagin mit Diebstählen kämpfen. Seine Bäume am Fahrradweg locken immer wieder Spaziergänger an. Ein französisch sprechendes Paar fragte kürzlich, ob es gegen Bezahlung Kirschen pflücken dürfe. Hagin lehnte ab, ist sich aber sicher, dass sie in seiner Abwesenheit einfach zugegriffen hätten.

Kirschernte gestartet: Max Hagin in Weil am Rhein rechnet mit einem guten Kirschenjahr
Auch hier waren Diebe am Werk. Passanten pflücken die Kirschen vom Baum und lassen die Stile stehen. Diese müssen später für den Verkauf in feinster Handarbeit wieder aussortiert werden. Laura Könsler

Kirschbäume gerodet: Bäume von Fremden abgeerntet

An einer abgelegenen Wiese war der Diebstahl so extrem, dass Hagin einen halben Hektar Kirschbäume roden musste. Abends kamen Menschen mit dem Auto, mit deutschen Kennzeichen und auch aus dem nahen Ausland, und nahmen zentnerweise Kirschen mit - bis zu 100 Kilogramm auf einmal. "Für uns als Produzenten blieb nichts übrig", sagt Hagin. "Da hatten wir einfach keine Lust mehr."

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Laura Könsler
Porträtfoto Laura Könsler