In Weil am Rhein (Kreis Lörrach) ist die Kirschernte in vollem Gange - und Obstbauer Max Hagin strahlt zufrieden. Der Vizepräsident des Landesverbands Erwerbsobstbau Baden-Württemberg hat dieses Jahr prall gefüllte Bäume auf seiner rund zwei Hektar großen Plantage. Etwa zehn Tonnen Kirschen will er ernten.
Kirschernte im Sommer - mit einem Hagel wäre alles vorbei
Die Früchte sind tiefrot, knackig und süß. "Einzelne Sorten hängen etwas schwächer als sonst, aber insgesamt sieht es sehr gut aus", sagt Hagin. Nur das Wetter könnte ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen: Gewitter mit Hagel wären fatal. Hagel lässt Kirschen platzen - und dadurch wären sie unverkäuflich.
Der Obstbauer verkauft seine Ernte auf Wochenmärkten, im Hofladen und über eine Genossenschaft an den Lebensmittelhandel. Dort kommt nur makellose Ware in die Kisten. Der Kilopreis liegt derzeit bei acht Euro.
Schädlinge bei Kirschernte noch kein Problem
Schädlinge wie Kirschfruchtfliegen und Kirschessigfliegen sind momentan kein Thema. Doch bei feuchtem Wetter können sie schnell zur Plage werden. Hagin ärgert sich darüber, dass die Auswahl an Pflanzenschutzmitteln immer kleiner wird. Während er und seine Kollegen strenge Vorgaben erfüllen müssen, würden im Ausland Kirschen mit Mitteln behandelt, die hier längst verboten sind - und sie würden trotzdem direkt neben seinen Früchten im Regal liegen.
Neuer Mindeslohn treibt Kirschpreis in die Höhe
Die Ernte seiner Tafelkirschen ist reine Handarbeit. Jeder Handgriff kostet Zeit und Geld. Der gestiegene Mindestlohn treibt die Kosten nach oben und schlägt sich im Preis nieder.
Frust bei der Kirschernte - Diebstahl an der Tagesordnung
Zusätzlich muss Hagin mit Diebstählen kämpfen. Seine Bäume am Fahrradweg locken immer wieder Spaziergänger an. Ein französisch sprechendes Paar fragte kürzlich, ob es gegen Bezahlung Kirschen pflücken dürfe. Hagin lehnte ab, ist sich aber sicher, dass sie in seiner Abwesenheit einfach zugegriffen hätten.
Kirschbäume gerodet: Bäume von Fremden abgeerntet
An einer abgelegenen Wiese war der Diebstahl so extrem, dass Hagin einen halben Hektar Kirschbäume roden musste. Abends kamen Menschen mit dem Auto, mit deutschen Kennzeichen und auch aus dem nahen Ausland, und nahmen zentnerweise Kirschen mit - bis zu 100 Kilogramm auf einmal. "Für uns als Produzenten blieb nichts übrig", sagt Hagin. "Da hatten wir einfach keine Lust mehr."