Einheimische Kirschen günstiger als importierte?
Kirschenliebhaber dürfen sich freuen. Laut dem Statistischen Bundesamt wird ein Rekordjahr für Kirschen erwartet. Das ist vor allem für Baden-Württemberg interessant, denn es ist das wichtigste Anbaugebiet für Süßkirschen in Deutschland. Für Sauerkirschen ist es Rheinland-Pfalz. Regionale Kirschen müssen im Angebot demnach nicht teurer sein als importierte, erklärt Ernährungsexpertin Sabine Schütze.
Erntezeit von Kirschen
Die Kirschernte dauert je nach Wetterlage ungefähr von Anfang Juni bis Ende Juli. Auf dem Talhof von Thomas Häberle in Erligheim bei Ludwigsburg beispielsweise können durch den Anbau verschiedener Kirschsorten mit unterschiedlichem Reifezeitpunkt über Wochen fortlaufend Kirschen geerntet und verkauft werden. Früh reif und besonders weich ist etwa die Sorte Burlat.
Bei der Ernte werden beschädigte Kirschen auf dem Hof direkt aussortiert und bleiben auf der Erde liegen - wie ein natürlicher Dünger und gut für das Bodenlebewesen.
Verpackung und Vertrieb - das schwierige Geschäft mit der Kirsche
Auf dem Talhof werden frisch geerntete Kirschen für den Verkauf in Schalen gefüllt - meistens etwa 500 Gramm. Geliefert wird an Supermärkte oder andere Hofläden.
Etwa ein Viertel der Kirschernte verkaufen Thomas Häberle und sein Team direkt am Hof.
Kirschen im Supermarkt kaufen
Im Discounter wird kaum zwischen den Sorten unterschieden. Sabine Schütze erklärt, dass hier das Aussehen entscheidend ist. Bei den großen Kirschen handelt es sich in der Regel um Herzkirschen. Dies ist jedoch nur eine Bezeichnung und keine eigene Sorte. Auch die aus der Pralinenwerbung bekannte „Piemont-Kirsche” ist keine Frucht aus der Region Piemont. Es handelt sich um eine Erfindung des Marketings.
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Vielseitige Kirschen - auch alte und seltene Sorten
In Hofläden können Kirschen häufig nach Sorten gekauft werden. Die „Schneiders Knorpel“ gehört zum Beispiel zu den älteren Sorten. Thomas Häberle erklärt: “Sie ist aber heute nicht mehr so geläufig, weil sie in manchen Jahren nicht so gut trägt. Aber bei uns hier, wo das Klima gut ist, trägt sie auch gut. Sie zeichnet sich aus durch einen besonders guten, aromatischen Geschmack und ist auch knackig und saftig.“
Wie Kirschen im professionellen Anbau heranwachsen
Auf dem Talhof können die bis zu 4,5 Meter hohen Kirschbäume wetterunabhängig abgeerntet werden, weil eine Folie über den Baumkronen und Netze an der Seite die Früchte schützen. Die Folie schützt vor zu viel Regen, denn dann würden die Kirschen aufplatzen, vor Hagel, der die Haut verletzen würde, und vor zu vielen Vögeln, die gerne Kirschen fressen.
Die Folien und Netze halten auch Schädlinge fern, so dass Häberle weniger Pflanzenschutzmittel braucht. Vor kühlen Temperaturen kann die Folie aber nicht schützen.
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Kälte und Hitze: Wie sich das Wetter auf die Kirsche auswirkt
In einer kalten Phase können Kirschen durch das sogenannte Frostberegnen vor Frost geschützt werden. Dabei werden kleine Wassertröpfchen auf den Kirschbaum gesprüht, die bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu einer dünnen gefrorenen Schicht werden.
Verwendung Kirschen
Zum Naschen eignen sich fast alle Kirschen, auch wenn Sauerkirschen nicht für jeden Geschmack etwas sind. Dafür sind Sauerkirschen hitzebeständiger und bieten sich daher besonders gut zum Backen an. Im Kuchen ergänzt sich die Säure der Kirschen mit der Süße des Gebäcks.
Häberle erklärt seinen Kunden im Hofladen auch etwas zu den Sorten: „Marmelade kann man auch mit so ziemlich allen kochen. Aber zum Einkochen oder Einwecken sind die späteren Sorten, die festeren, besser geeignet. Sie halten sich im Glas, bleiben fest. Die Frühkirschen sind nur zum gleich essen.“
Kreative Küche: Kochen mit Kirschen
Kirschen sind nicht nur ein süßer und gesunder Snack, sondern auch eine beliebte Zutat in der Küche, die man kreativ einsetzen kann. Die roten Früchte eignen sich sowohl für süße Nachspeisen als auch für herzhafte Hauptgerichte.
Die Kirsche bringt auch Köchin Mira Maurer aus Freiburg zum Experimentieren. Mira Maurer findet: “Kirschen werden im salzigen Bereich oft unterschätzt. Man kann sie super als Chutney zu Käse machen.“
Indisches Chutney aus Kirschen zu italienischen Gnocchi
Für Marktcheck bereitet die Köchin ein Chutney aus der indischen Küche zu: süß, herzhaft, sauer, scharf - einfach besonders. Chutney ist eine süß-saure Würzsauce, Dip oder Beilage und wird oft zu Currygerichten serviert.
Dabei werden Zutaten wie Zucker, Honig oder Früchte kombiniert mit Gemüse und Gewürzen, der Säure von Essig und meistens der Schärfe von Chili oder Pfeffer. Köchin Mira Maurer empfiehlt für das Kirsch-Chutney als besonderen Pfeffer für eine fruchtige Note den roten Kampot-Pfeffer.
Die Gnocchi werden handgemacht aus Kartoffeln. Für die schnelle Blauschimmelkäse-Sauce wird der Käse einfach nur in Milch und Sahne geschmolzen.
Süß, sauer, scharf Gnocchi mit Blauschimmelkäse-Sauce und indischem Chutney aus Kirschen
Kirschen eignen sich nicht nur für süße Nachspeisen, sondern auch als Beilage für herzhafte Hauptspeisen, zum Beispiel als Chutney.
Geschichtetes Dessert: Kokos-Kirsch-Tiramisu
Eine kreative Nachspeise von Mira Maurer mit Kirschen ist zum Beispiel das italienisch inspirierte Kokos-Kirsch-Tiramisu mit Kirschen, Amarettini, Espresso, Rum und Kokosmilch.
Dieses Tiramisu schmeckt mit Kakaotopping und nach einer Nacht im Kühlschrank besonders lecker.
Dessert Kokos-Kirsch-Tiramisu
Kokos-Kirsch-Tiramisu ist die perfekte Dessert-Kreation für alle, die die klassische Süßspeise lieben, aber gerne eine fruchtige Note hinzufügen möchten.