Vom Baum bis auf den Teller

Süßkirschen und Sauerkirschen – vielseitig, saisonal, köstlich

Die Saison ist kurz - warum regionale Süß- und Sauerkirschen besser schmecken. Viele Tipps für Einkauf, Lagerung oder Entkernen. Kreative Rezeptideen, süß und salzig, mit Kirschen.

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Stand

Von Autor/in Sabine Schütze

Die meisten Kirschen in Deutschland werden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz angebaut. Bevorzugt sind das Süßkirschen, weil sie am liebsten direkt genascht werden. 

Doch das rote Steinobst kann auch prima verarbeitet werden. Dann haben wir länger was vom fruchtigen Kirschgeschmack - denn die leckeren roten Früchte haben nur kurz Saison. 

Kirschenzeit startet im Juni 

Kirschbäume haben Ansprüche: Sie brauchen gute, fruchtbare Böden, Wärme und Regen zur richtigen Zeit. Trotzdem werden gerade wieder mehr Kirschen angebaut. Denn sie sind beliebt.  

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beginnt aufgrund des milden Klimas die Kirschernte deutschlandweit am frühesten - dieses Jahr sogar etwas früher als im Durchschnitt. In der Ortenau begann die Ernte schon in den letzten Maitagen. Das Neckartal und die Bodenseeregion folgen.  

Landwirte setzen bevorzugt auf Frühsorten, weil die madenfrei bleiben. Deshalb lassen sie sich besser vermarkten. Außerdem erzielen diese Kirschen meist bessere Preise. 

Späte Kirschsorten sind erst im Juli erntereif. Im August endet die relativ kurze Kirschenzeit dann endgültig.  

Kurze Saison Obst aus der Region: Kirschen – Anbau und kreative Verwendung

Von Juni bis Ende Juli hat die Kirsche Hochsaison. Ihr Anbau ist nicht ganz einfach. Auf dem Teller können ihr die meisten nicht widerstehen.

Marktcheck SWR

Woher die Kirschen im Supermarkt und beim Discounter kommen 

Mehr als die Hälfte der hier vermarkteten Kirschen wird allerdings importiert. Die meisten Kirschen, die im Supermarkt angeboten werden, kommen aus der Türkei und Spanien.  

Discounter setzen sogar auf Ware aus China oder Chile, um günstige Süßkirschen anzubieten. Einheimische Ware ist teurer und wird deshalb gerade zum Saisonstart noch etwas zurückhaltend gekauft, zumal die Kirschen zeitlich mit Erdbeeren konkurrieren. 

Kirschen für den Handel werden fast ausnahmslos konventionell angebaut und enthalten immer Spritzmittelrückstände, meist mehrere. Untersuchungen zeigen, dass einheimische Kirschen selten mal die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte reißen. Importware ist meist höher belastet und fällt häufiger auf. 

Wichtig für den Reifegrad: Kirschen reifen nicht nach  

Kirschen sollten unbedingt reif geerntet werden, weil sie nicht nachreifen. Wie bei allem Obst und Gemüse gilt: Je reifer es ist, desto besser schmeckt es und desto mehr gesunde Inhaltsstoffe enthält es. Das gilt auch für Kirschen.  

Dazu kommt noch, dass Kirschen nicht lange aufgehoben werden können, weil sie schnell verderben.  

  • Deshalb mein Einkaufs-Tipp: Wer die roten Früchte frisch und unverarbeitet genießen will, sollte auf jeden Fall einheimische Kirschen kaufen. Am Kirschenstand beim Bauern oder auf dem Markt sind sie in der Regel besonders frisch.  

Süßkirschen starten etwas früher in die Saison als Sauerkirschen. Meist sind die frühen Sorten nicht ganz so intensiv dunkel wie die späteren.  

Das hat nichts mit dem Reifegrad der Kirschen zu tun. Denn die Färbung ist sortenabhängig: Es gibt hellrote Süßkirschen und auch violett-schwarze.  

  • Noch ein Tipp für den Einkauf: Wichtig ist, dass die Früchte durchgehend rot sind. Dann sind sie reif.  

Selbstpflücker merken es daran, dass sich die Süßkirsche mit einem leichten Zug vom Stiel löst.  

Von Süßkirschen und Sauerkirschen – verschiedene Sorten 

Reif schmecken Süßkirschen saftig und süß, Sauerkirschen wunderbar säuerlich und aromatisch. Süßkirschen haben eine etwas dickere Schale und sind in der Regel etwas größer als Sauerkirschen.

Gehandelt werden sowieso nur die großen Premium-Kirschen – mit einem Fruchtdurchmesser von mehr als 28 Millimetern. Kleinere Exemplare werden verarbeitet. 

Süßkirschen lassen sich in weichfleischige "Herzkirschen" und knackig, festfleischige "Knorpelkirschen" unterscheiden. Aufgrund von Kreuzungen beider Arten verschwimmen aber diese Unterschiede zunehmend.  

Es gibt auch sogenannte Brennkirschen, die klein, süß und aromatisch sind. Wie der Name schon deutlich macht, eigenen sich diese Kirschen perfekt zur Likör- bzw. Schnapsherstellung. Das sind auch häufig alte Kirschsorten, die für den Handel uninteressant sind.  

Schattenmorellen sind die beliebtesten Sauerkirschen. Sauerkirschen sind im Anbau etwas robuster, deswegen sind sie auch meist im Norden beliebter als im Süden. Einfach weil sie bevorzugt in diesen Regionen wachsen. 

Die echten Sauerkirschen werden in „Weichselkirschen“, deren Saft färbt, eingeteilt und in „Amarellen“ mit nicht färbendem Saft. 

Und dann gibt es auch noch sogenannte Bastardsorten. Das sind Kreuzungen zwischen Süß- und Sauerkirschen. Dazu gehören auch die Glaskirschen.  

Kornelkirschen sind übrigens keine echten Kirschen, aber trotzdem tolle nährstoffreiche Früchte. Sie können roh genossen werden. Die meisten Menschen bevorzugen die länglichen, herb-säuerlichen Kornelkirschen aber als Marmelade. Roh am Baum sind sie ein sehr beliebtes Vogelfutter.  

Das steckt in Kirschen: Nährwerte und sekundäre Pflanzenstoffe 

Der Zuckergehalt des roten Steinobsts schwankt je nach Reifegrad zwischen 10 und 25 Prozent. Sauerkirschen enthalten nur unwesentlich weniger Zucker als Süßkirschen.  

Zur Einordnung hier die Kalorien auf 100 Gramm: Süßkirschen etwa 60 Kilokalorien, Sauerkirschen etwa 50 Kilokalorien. Himbeeren und Erdbeeren haben nur etwa halb so viele Kalorien wie Süßkirschen.  

Kirschen enthalten relativ viel Fruchtzucker - Süßkirschen etwa 6 Gramm, Sauerkirschen etwa 4 Gramm auf 100 Gramm Früchte. Deshalb sind sie keine Option für Menschen, die Fruktose nicht vertragen.  

Kalorisch und von den Nährstoffen her liegen Kirschen bei Obst im Mittelfeld.  

Je dunkler die Kirschen sind, desto mehr sekundären Pflanzenstoffe enthalten sie. Sie wirken beispielsweise entzündungshemmend. Das kann günstig für Menschen mit Krankheiten wie Arthritis oder Gicht sein. 

Kirschen sind reich an Vitamin C, enthalten aber auch verschiedene B-Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium. Außerdem punkten sie mit gut einem Gramm Ballaststoffe auf 100 Gramm Kirsche.  

Aufgrund ihres Kaliumgehalts wirken größere Mengen Kirschen leicht abführend und harntreibend.

Das Gerücht mit dem Trinken nach dem Kirschen essen

Auch wenn es sich hartnäckig hält - es gibt keinen(!) Grund, aufs Wassertrinken zu verzichten, wenn wir Kirschen naschen. Es ist ein Mythos, dass wir davon Blähungen kriegen. 

Kreative kulinarische Ideen: Süßes und Herzhaftes mit Kirschen 

  • Süßkirschen am liebsten als frischen Snack genießen oder im Obstsalat oder als beziehungsweise zum Dessert.  
  • Sie sind auch top in Smoothies, Müslis und Aufläufen. Hierfür lassen sich auch Sauerkirschen nutzen.  
  • Süße Kirschen kombiniert mit bitteren Aromen im Salat finde ich unwiderstehlich: zum Beispiel mit Rucola und Radicchio. Dazu passen Tomaten.  
  • Den Salat bereichern ebenso Kirschhälften, die einige Tage in Balsamico Essig eingelegt worden sind und ziehen durften.   
  • Warme Balsamico-Kirschen sind außerdem ein Gedicht zu Käse.  
  • Wer die Finger davonlassen kann, bevor sie alle gegessen sind, kann die Balsamico-Kirschen auch im Kühlschrank aufbewahren und am nächsten Tag im Nudelsalat genießen. 
  • Manchmal ergänze ich etwas Rosmarin. Der wird mitgekocht und danach rausgenommen.  
  • Selbstverständlich schmecken manchen Menschen auch Rotweinkirschen, die sich besonders fein an herzhaften Gerichten machen. Dafür lassen sich Süßkirschen genauso gut nehmen wie Sauerkirschen.  
  • Als Bestandteil von aromatischen Saucen sind beide Kirschenarten, süß und sauer, lecker.  
  • Sauerkirschen sind außerdem perfekt als Kuchen, Torte oder Crumble.
  • Ich liebe Sauerkirschen als Marmelade und eingekocht als Kompott. Dann kann ich sie mir als Waffel-Topping, Rote Grütze oder zum Pudding schmecken lassen. 

Mal klassisch, mal ganz ausgefallen Kirschkuchen-Rezepte

Im Juli ist Kirschenzeit. Die kleinen runden Früchte schmecken besonders leckere im Kuchen. Hier ein paar raffinierte Rezepte!

  • Sauerkirschen bereichern auch Couscous und Gemüsecurrys.  
  • Kirschen harmonieren mit Kräutern wie Rosmarin und Thymian. 
  • Auch Gewürze wie Kurkuma und Kardamom oder Zimt und Vanille passen hervorragend. Sie können damit eingekocht und eingelegt werden.   

Kirschen entkernen ohne Schweinerei 

Tipp: Vor dem Entkernen die Kirschen etwa 30 Minuten tiefkühlen. Dann löst sich der Kern leichter. Leicht angefroren spritzen die Früchte dann auch weniger.   

Ich nehme diesen kleinen Entsteiner mit einer u-förmigen Lasche, um die Steine rauszuholen. Wer sowas nicht hat, kann sich auch mit einer u-förmigen Haarnadel oder einer entsprechend gebogenen Büroklammer behelfen.  

Wer schöne gleichmäßig große Früchte hat, sollte unbedingt den Flaschenhals-Trick versuchen: Die Kirsche mit dem Stielansatz auf einen Flaschenhals legen und den Kern von oben mit dem stumpfen Ende eines Schaschlik-Spießes oder dem schmalen Ende eines Ess-Stäbchens herausdrücken. 

Kirschen richtig lagern  

Kirschen am besten mit Stiel kaufen. Denn ohne Stiel sind Kirschen bereits verletzt. Dann verderben sie schnell und ziehen Fruchtfliegen an. 

Kirschen also mit Stiel im Kühlschrank aufbewahren. Dort halten sie sich maximal vier Tage.  

Ich verbrauche sie lieber schneller. Zumal sie besser schmecken, wenn sie frischer sind. Vor dem Essen mindestens eine halbe Stunde aus dem Kühlschrank holen, damit sich der Geschmack entfalten kann. 

Das Waschen empfiehlt sich auch erst direkt vor dem Naschen. Kurz im Wasserbad schwenken reicht.  

Es sei denn wir sollten die Kirschen auf Madenbefall prüfen: Dann sollten die Kirschen circa eine Viertelstunde in lauwarmem Wasser liegen. Das lockt die Maden raus.  

Entsteinte Früchte können bis zu einem Vierteljahr eingefroren werden.  

Eine Portion Kirschen – so viel ist noch gesund  

Etwa 200 Gramm Kirschen als Snack während der Saison sind fein. Manche vertragen auch bis zu 500 Gramm. Das sollte dann aber aufgrund des Zuckergehalts nicht täglich sein.  

Weil Kirschen neben dem entwässernden Kalium auch den Zuckeralkohol Sorbit enthalten, kann bei größeren Mengen der abführende Effekt durchschlagend sein.  

Übrigens: Überschaubare Mengen sind auch für Diabetiker durchaus in Ordnung, wenn sie Kirschenliebhaber sind, die die Früchte gelegentlich genießen wollen.  

 

Die Kirsche – die knackige Königin des Sommers

Die Kirsche gehört zu den unbestrittenen Stars des Sommers. Ihren großen Auftritt hat sie in Süßspeisen, aber sie hat noch weitere Talente in der Küche.

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