Der Kreistag hat am Montagabend mehrheitlich für die Schließung des Klinikstandorts Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) gestimmt. In den kommenden Jahren ziehen alle Fachabteilungen nach Villingen-Schwenningen um – endgültig geschlossen werden soll das Krankenhaus voraussichtlich 2032. Für Bürger in Donaueschingen und auf der südlichen Baar stellt sich nun die Frage: Wie sieht die medizinische Versorgung vor Ort künftig aus?
Klinikum Donaueschingen: Wann der Standort wirklich schließt
Der Kreistag hat die Weichen gestellt. Mit 49 zu drei Stimmen hat das Gremium die Schließung des Klinikstandortes Donaueschingen besiegelt. Voraussetzung für den kompletten Umzug nach Villingen-Schwenningen ist ein Erweiterungsbau am dortigen Schwarzwald-Baar-Klinikum. Rund 108 Millionen Euro soll der Anbau kosten.
Laut dem Geschäftsführer des Klinikums Matthias Geiser könnten bis zur Fertigstellung des Anbaus fünf bis sieben Jahre verstreichen. Mit einer endgültigen Zentralisierung wird 2032 gerechnet, so Geiser. Bis dahin soll das Klinikum in Donaueschingen als spezialisierte Fachklinik weiterbetrieben werden.
Notfallversorgung in Donaueschingen: Was den Menschen bleibt
Die Notaufnahme in Donaueschingen soll zusammen mit drei Fachabteilungen Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres nach Villingen-Schwenningen verlegt werden. "Ab dem Zeitpunkt, an dem die Notfallversorgung in Villingen-Schwenningen zusammengelegt worden ist, wird sich die Fahrtzeit für Patientinnen und Patienten mit leichteren Verletzungen außerhalb der regulären Sprechzeiten unter Umständen verlängern", teilt die Pressestelle des Schwarzwald-Baar-Klinikums mit. In Donaueschingen bleibt aber weiterhin ein Notarztstandort mit Rettungswagen und Notärztin oder Notarzt bestehen.
Landrat Sven Hinterseh betonte in der Kreistagssitzung: "Wir gefährden nicht die Notfallversorgung." Schwerwiegende Notfälle würden schon jetzt in Villingen-Schwenningen behandelt. Für die künftige Versorgung in Donaueschingen werden derzeit verschiedene Möglichkeiten geprüft. Im Raum steht unter anderem der Vorschlag des SPD-Kreisrats Oliver Freischlader, ähnlich wie in Schwenningen ein privates Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) aufzubauen.
Was bedeutet das für die Mitarbeitenden in Donaueschingen?
Beim Bürgerdialog im April in Donaueschingen wurde deutlich, wie emotional die Entscheidung viele Mitarbeitende trifft.
Das Krankenhaus hat für mich so einen emotionalen Wert, dass es mir weh tut zu wissen, dass dieses Krankenhaus jetzt nach Villingen verlegt wird.
Eine weiter Mitarbeiterin ergänzt: "Wir waren in Donaueschingen wie eine kleine Familie, da hat jeder jeden gekannt und man hat sich auch darum gekümmert."
Geschäftsführer Geiser räumt ein, dass nicht alle den Standortwechsel gutheißen. Zugleich kündigte er an: Er wolle alles dafür tun, dass "jeder in der neuen Struktur in Villingen-Schwenningen einen guten Platz findet." Bereits jetzt werden in Villingen-Schwenningen Umkleiden zentralisiert, neue Spinde angeschafft und ein Mitarbeitendenparkhaus geplant.
Finanzielle Gründe für die Schließung
Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres sollen Lungenzentrum, Altersmedizin und Intensivmedizin nach Villingen-Schwenningen verlegt werden, später folgen Orthopädie, Schmerzmedizin, Dermatologie, Psychosomatik und das Kontinenzzentrum.
Nach Berechnungen der Klinikgesellschaft soll die Schließung von Donaueschingen innerhalb von zehn Jahren einen positiven Effekt von rund 25 Millionen Euro bringen – trotz des teuren Erweiterungsbaus. Würde der Standort erhalten bleiben, würde sich laut Gutachten in zehn Jahren ein Defizit von etwa 52 Millionen Euro aufbauen, vor allem wegen nötiger Investitionen in die alte Gebäudestruktur.
Krankenhausreform und Kosten: Warum der Druck so hoch ist
Landrat Hinterseh verweist auf die schwierige Lage des Schwarzwald-Baar-Klinikums seit 2024: Steigende Kosten, Fachkräftemangel und die bundesweite Krankenhausreform setzten das Haus unter Druck. Hinzu kommen geplante Einsparungen bei den gesetzlichen Krankenkassen ab 2027. Ausgaben für Personal und Behandlungen sollen gedeckelt werden. Davon betroffen sind besonders kleinere und ältere Kliniken mit hohem Investitionsbedarf – ein Problem, das viele Regionen in Deutschland betrifft.