Dass Martin Horn (parteilos) gleich im ersten Wahlgang durchmarschiert und mit knapp 53 Prozent die absolute Mehrheit erreicht, hat mich überrascht. Immerhin hat seine größte Konkurrentin Monika Stein mit knapp 30 Prozent ein achtbares Ergebnis. Aber wirklich absetzen konnte sie sich am Ende nicht von Martin Horn. Da hat auch Unterstützung eines großen links-grünen Bündnisses nichts gebracht.
Der Freiburger Amtsinhaber als Identifikationsfigur
Martin Horn ist einfach für viele der überzeugendere Typ, kommt sympathischer rüber als seine Konkurrenten und konnte deutlich mehr Menschen hinter sich und seinem Spirit versammeln.
Am Montag nach seinem Wahlsieg hat der alte und neue Freiburger OB Martin Horn über Fehler in der Vergangenheit und Pläne für die Zukunft gesprochen:
Klar, Martin Horn polarisiert auch. Seinen Kritikern ist er zu viel auf Social Media unterwegs, stellt sich lieber selbst in den Mittelpunkt, als sich mit den wichtigen Verwaltungsvorgängen zu beschäftigen. Oder er ist in manchen Entscheidungen nicht klar genug, sondern schwankt, so die Kritik.
Aber Martin Horn bietet eine perfekte Projektionsfläche. Sehr viele können in ihm das sehen, was sie selbst vielleicht sind: Junger Familienvater – der kennt sich mit Kitagebühren und Betreuungssorgen aus, Skater – der versteht nicht nur den urbanen Lifestyle, sondern auch die unterschiedlichsten Bedürfnisse junger Menschen.
Martin Horn war in seiner ersten Amtszeit präsent in Freiburg
Martin Horn war international viel unterwegs, gleichzeitig wirbt er für die Kommunalpolitik, als gäbe es nichts Wichtigeres. Dazu kommt aber vor allem: Er kann Nähe schaffen. Martin Horn war schon vorm Wahlkampf sehr viel in der Stadt unterwegs, auch in den eher dörflich geprägten Randstadtteilen Freiburgs. Da hat er jetzt nochmal Gas gegeben und wurde belohnt, dort hat er die meisten Stimmen geholt.
Der Konkurrenz dagegen fiel es schwer, sich wirklich von ihm abzusetzen. Beim wohl größten Thema in Freiburg, dem bezahlbaren Wohnen, hatten im Wahlkampf weder Monika Stein noch die anderen OB-Kandidaten eine Lösung parat. Die gibt es auch nicht wirklich, aber Martin Horn hatte den Amtsinhaber-Bonus und konnte vorweisen, was er alles angestoßen hat in den letzten Jahren.
Monika Stein hatte zwar deutlich mehr Unterstützung aus dem Gemeinderat als Martin Horn. Aber ein Oberbürgermeister kann auch ein Korrektiv eines Gemeinderates sein. Mit Monika Stein wäre die Stadtpolitik noch mehr nach links gerückt, Martin Horn konnte eben mehr Menschen aus den unterschiedlichsten politischen Richtungen hinter sich vereinen. Freiburg ist am Ende nicht die links-grüne Stadt durch und durch, für die sie viele halten. Sie ist auch sehr bürgerlich, manchmal vielleicht sogar ein bisschen konservativ. Das müsse wohl auch der Großteil des Gemeinderats akzeptieren.