Gemeinsam essen, beten, ins Gespräch kommen: In Freiburg bringt das Fastenbrechen Menschen zusammen, die im Alltag oft getrennt sind. Beim SV Blau-Weiß Wiehre sitzen muslimische und nicht-muslimische Gäste an einem Tisch – kurz bevor der diesjährige Ramadan mit dem Zuckerfest zu Ende geht.
Datteln liegen auf Tellern bereit, Helferinnen und Helfer tragen unentwegt Essen an die Tische: Hähnchen, Gemüse, Butterreis, Pizza, Kuchen oder Baklava: An fünf langen Tafeln sitzen insgesamt knapp 150 Menschen. Viele junge Leute sind dabei. Beim gemeinsamen Gebet, erst muslimisch, dann christlich, wird deutlich, wie unterschiedlich die Hintergründe sind.
Muslimisch, christlich, miteinander: Vielfalt beim Fastenbrechen
Wir haben heute gefastet und dann sind wir mit Freundinnen hier hergekommen, um unser Fasten gemeinsam zu brechen. Dass man hier gemeinsam ist, ob Christ oder Moslem - Mensch ist Mensch.
Ein junger Mann ist mit seiner Freundesgruppe da. Er sei selbst Christ und faste dieses Jahr auch. Für ihn stehe die Gemeinschaft im Vordergrund: "Besonders finde ich, dass hier verschiedene Kulturen zusammengekommen sind und von jung bis alt alles vertreten ist. Das fühlt sich an wie eine große Familie - Essen verbindet einfach die Leute."
Das sieht auch Angelina so, die ebenfalls Christin ist. Sie hat die Veranstaltung als Helferin mitorganisiert. Dabei gehe es ihr auch um Nächstenliebe. "Ich finde es einfach wunderschön, wie der Zusammenhalt hier ist."
Dass man sich zusammen an einen Tisch hockt und gemeinsam isst. Ich komme nicht immer dazu, mit meiner Familie gleichzeitig zu essen.
Fastenbrechen-Organisatoren: "Ganzer Abend war ein Highlight"
Organisiert hat das gemeinsame Fastenbrechen die Black Forest Unit, eine gemeinnützige Initiative aus Freiburg, die sich unter anderem für bedürftige Kinder einsetzt. Vor vier Jahren haben Enrico Stanciu und Luis Carlos Demingo die Initiative ins Leben gerufen. Im vergangenen Jahr haben sie dafür den Engagementpreis der Stadt Freiburg für junges Engagement gewonnen.
Weihnachtsaktionen haben sie bereits mehrfach organisiert. Ein öffentliches Fastenbrechen war für die beiden Christen eine Premiere. Entsprechend positiv fällt ihr Fazit aus.
Ich habe so viele lachende Gesichter gesehen, das hat einfach alles gepasst. Wir haben zusammen gesessen, haben Spaß gehabt.
Der ganze Abend sei ein Highlight gewesen, stimmt Luis Carlos Demingo zu. Rund 25 Helferinnen und Helfer waren im Einsatz. Kurz nach dem Ende war alles abgebaut, der Müll entsorgt, der Raum wieder aufgeräumt.
Fastenbrechen: Tägliches Miteinander im Ramadan
Das Fastenbrechen, auch Iftar genannt, ist die abendliche Mahlzeit, mit der Muslime während des Fastenmonats Ramadan das tägliche Fasten beenden. Für viele Muslime beginnt das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang traditionell mit einem Gebet, einer Dattel und einem Schluck Wasser.
Zuckerfest leitet das Ende des Ramadan ein
Mit dem Eid-al-Fitr, auch Zuckerfest genannt, geht der Ramadan zu Ende. Das Datum ist jedes Jahr unterschiedlich. Ausschlaggebend ist der Zeitpunkt, zu dem die zunehmende Mondsichel gesichtet wird. In diesem Jahr dürfte es in der Nacht vom 18. auf den 19. März soweit sein.