Offenburg (Ortenaukreis) gilt als eine der sonnigsten Städte Deutschlands. Doch dieser Platz an der Sonne hat seinen Preis: Beim diesjährigen Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) landete die Stadt bundesweit auf dem letzten Platz. Was sagen die Menschen aus Offenburg dazu und plant die Stadt, etwas dagegen zu tun?
Zu wenig Beschattung, zu viel Versiegelung
Besonders problematisch ist dem DUH-Ranking zufolge der sogenannte Beschirmungsgrad in Offenburg: Dieser gibt den Anteil der durch Bäume beschatteten Flächen in einer Stadt an. Der Richtwert der DUH liegt bei 30 Prozent. Offenburg verfehlt diesen Wert mit gerade einmal 12,8 Prozent deutlich.
Vor allem Bäume mit einer Größe über 2,5 Meter sind in Offenburg besonders rar. Zudem ist die Innenstadt ein sprichwörtlicher Hotspot: Zahlreiche Flächen sind versiegelt, in vielen Straßen der Fußgängerzone spenden nur wenige Bäume Schatten. Für die Menschen heißt das: Viele heiße Plätze und stehende Hitze. Damit die Menschen die Hitze besser überstehen, hat die Stadt Offenburg eine Übersicht von kühlen Orten im Stadtgebiet zusammengestellt.
"Die Hitze war unerträglich" - So erleben Offenburger die Innenstadt
Viel Asphalt und wenig Schatten: An heißen Tagen bekommen das auch die Menschen in der Offenburger Innenstadt zu spüren. Elisabeth Herrscher berichtet von einem Konzert im Stadtgebiet, bei dem die Hitze unerträglich gewesen sei. "Die wenigen Bäume in Offenburg sind schon schlimm", berichtet ein weiterer Passant. "Hier wieder Bäume pflanzen, das wäre schön", findet Ingo Bullescheidt.
In Offenburg sollen mehr Bäume gepflanzt werden
Dass in Offenburg der Schatten fehlt, ist Alexandra Rohmer schon lange bewusst. Sie ist die Klimaanpassungsmanagerin der Stadtverwaltung und sagt: Es werde einiges getan, Offenburg steuere gegen. Die Stadt hat ein Klimaanpassungskonzept entwickelt, um die Folgen von langen Hitzeperioden besser bewältigen zu können.
Teil dieses Konzepts: Neue Bäume pflanzen, und zwar viele. So habe man im vergangenen Jahr so viele Bäume nachgepflanzt wie seit 2019 nicht mehr, wie die Stadt schreibt: Insgesamt 353 Bäume kamen demnach in der Kernstadt und den Ortsteilen hinzu. Im kommenden Jahr sollen es nach aktuellem Stand 275 neue Bäume sein - und für die Landesgartenschau 2032 sollen sogar 800 zusätzliche Bäume gepflanzt werden.
Zeltdach in der Innenstadt: Von der Not- zur Dauerlösung
Im Vergleich zu anderen Städten sei es nicht so, "dass wir viel weniger Bäume in Offenburg haben, sondern einfach jüngere Bäume, die noch keine so große Verschattungsleistung haben", sagt Rohmer. Aber auch sie weiß: Die neuen Bäume wachsen nicht von heute auf morgen, sie sind eher ein Versprechen für die Zukunft. In der Gegenwart müssen deshalb auch andere Lösungen her, um die Belastung der Menschen durch die Hitze abzumildern - manchmal auch Notlösungen wie das Zeltdach in der Innenstadt, das während der ersten Hitzewelle im Juni installiert wurde. Dieses Zeltdach soll nun dauerhaft bleiben und Sonnenschutz bieten.
Flächen entsiegeln, um Platz für Begrünung zu schaffen
Um der großflächigen Versiegelung entgegenzuwirken, setze die Stadt auch auf pragmatische Maßnahmen, erklärt Rohmer: Aktuell werden in der Steinstraße in der Innenstadt Leitungen für Fernwärme verlegt. Die Stadt nutze während der Arbeiten die Gelegenheit, um weitere Bäume zu pflanzen. Auch auf einer Tiefgarage wurde eine Fläche entsiegelt, um Platz für zusätzliche Begrünung zu schaffen.
Menschen wollen in der Innenstadt parken, aber gleichzeitig sollen Bäume gepflanzt werden.
Hitzeschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Trotz aller städtischer Bemühungen betonte Rohmer, dass Hitzeschutz eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe" sei. 70 Prozent der städtischen Flächen seien in privater oder gewerblicher Hand, "da gibt es ebenfalls noch viel Potenzial zur Begrünung und Bepflanzung."