Am Morgen des ersten Prozesstags ist der Verhandlungssaal des Landgerichts Rottweil bereits gut gefüllt. Angehörige des Opfers sitzen auf der Bank der Nebenklage, als der heute 21-jährige Angeklagte in den Gerichtssaal geführt wird - es handelt sich um den Sohn des Opfers. Mit einem Schreibblock schottet er sich vor den Blicken der Besucherinnen und Besucher und der Presse ab.
Anklage: Mord aus niedrigen Beweggründen
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Mindestens zehnmal soll der zur Tatzeit 20-Jährige mit einem Fleischklopfer auf den Kopf und das Gesicht seiner Mutter eingeschlagen haben, so die Angaben der Staatsanwaltschaft. Zu seiner Person und den Umständen, die zu der Tat geführt haben sollen, macht der Angeklagte ausführliche Angaben. Lediglich an die Tat selbst könne er sich bis heute nicht erinnern.
"Ich wollte das alles nicht", bekräftigt er unter Tränen in einer ausformulierten Einlassung zu Beginn der Verhandlung. Seit dem Tod seines Vaters, der 2022 relativ überraschend an Krebs gestorben war, habe er sich in einer Abwärtsspirale befunden, so der Angeklagte.
Umfeld und Großteil der Familie haben Kontakt abgebrochen
Er habe nie an den Punkt geraten wollen, an dem er die Schule abbricht, nur noch zu Hause sitzt, zwei Ausbildungen abbricht und letztlich seine Mutter verliert. Der Großteil seines Umfeldes und seiner Familie verachte ihn seit der Tat und habe den Kontakt abgebrochen. Mit den Händen schirmt er auch während des laufenden Prozesses sein Gesicht vor den Blicken der Verwandten sowie der Besucherinnen und Besucher im Saal ab.
Nach dem Tod seines Vaters habe er es einfach nicht mehr aus dem Bett geschafft. "Ich wollte mir psychologische Hilfe suchen", erklärt er dem Vorsitzenden Richter Karlheinz Münzer. Er habe mehrmals beim Psychologen angerufen: "18 Monate Wartezeit haben die gesagt, dann habe ich wieder aufgelegt."
Zwischen der ersten Ausbildung und einem zweiten Versuch bei einer IT-Firma bleibt der Angeklagte zu Hause, kümmert sich um den Haushalt, spielt Computerspiele und trifft Freunde, während seine Mutter arbeiten geht. Außerdem gibt er vor, sich um die Finanzen und die Lebenshaltungskosten rund um die gemeinsame Wohnung zu kümmern. Nach dem Tod des Vaters hatte ihm seine Mutter Vollmachten für die Familienkonten erteilt. "Meine Mutter hat sich gar nicht um Finanzen gekümmert", sagt der Angeklagte. Zuletzt belaufen sich die Schulden auf rund 10.000 bis 15.000 Euro.
Zwei Durchsuchungen wegen jugendpornografischer Inhalte
Gleich zwei Mal gerät der Angeklagte wegen des Besitzes von jugendpornografischen Video- und Bilddateien in den Fokus der Ermittler. Auf dem Material, das auf seinem Handy und Computer gefunden wurde, seien Jungen unter 14 sowie unter 18 Jahren bei sexuellen Handlungen zu sehen. Vor Gericht räumt er die Vorwürfe vollständig ein. Der 21-Jährige gibt an, dass seine Mutter von den Vorwürfen gewusst und verständnisvoll reagiert habe.
Dem Angeklagten zufolge habe er außerdem wenige Tage vor der Tat ausführlich mit seiner Mutter über die Geldsorgen und die bestehenden Probleme gesprochen und es sei "alles gut gewesen". Er habe sich allerdings nicht getraut, ihr bei diesem Gespräch auch von der zweiten abgebrochenen Ausbildung zu erzählen.
Frauenleiche im Keller Schramberg: Eigene Mutter getötet? 20-Jähriger wegen Mordverdachts in Haft
Nach dem Fund einer Frauenleiche in Schramberg sitzt der tatverdächtige Sohn in Untersuchungshaft. Der 20-Jährige soll seine Mutter getötet haben.
Sohn schlägt mit Fleischklopfer auf Mutter ein
Als seine Mutter am Tag der Tat von der Arbeit nach Hause kam, sei der damals 20-Jährige gerade beim Abspülen gewesen. Noch bevor sie Jacke oder Schuhe ausziehen konnte, sei das Geständnis über die zweite abgebrochene Ausbildung aus ihm herausgebrochen - woraufhin es zum Streit gekommen sei. Anders als in all den Jahren zuvor habe seine Mutter ihm erstmals zwei Backpfeifen verpasst. Daraufhin sei er mit dem Fleischklopfer in seiner Hand auf sie losgegangen, bis dieser zerbrochen sei. An die Schläge selbst könne er sich jedoch bis heute nicht mehr erinnern. Ob seine Mutter zu diesem Zeitpunkt noch lebte, überprüft er nicht: "Ich habe gewusst, dass das, was vor mir liegt, nicht mehr leben kann."
Nach der Tat sei dem Angeklagten eingefallen, dass er noch mit einem Freund verabredet war, um einen neuen Energydrink zu probieren. Er habe das Blut in der Wohnung aufgewischt und sei in ein Geschäft gegangen, um zwei Energydrinks und Reinigungsmittel zu kaufen. Anschließend habe er seinen Freund in der Wohnung empfangen - während die Leiche seiner Mutter nebenan im Schlafzimmer gelegen habe.
Leiche der Mutter in Dachbox im Keller gefunden
Als eine Arbeitskollegin am nächsten Morgen klingelte, weil seine Mutter nicht zur Arbeit erschienen war, habe er gelogen. "Ich habe behauptet, dass meine Mutter wie immer das Haus verlassen hat." Als sich die Polizei wegen einer eingegangen Vermisstenmeldung bei ihm ankündigte, habe er die Leiche seiner Mutter in eine Auto-Dachbox gelegt. Diese habe nach einem Skiurlaub mit Freunden einige Wochen zuvor noch im Flur der Wohnung gestanden. Auf dem Weg in den Keller habe sich die Box im Kellerabgang verhakt - dort fanden die Polizeibeamten schließlich die Leiche der 54-Jährigen in der Dachbox und nahmen den Sohn fest.
Ein Urteil in dem Prozess wird Mitte November erwartet.