Endlos kreisende Gedanken, der Minutenzeiger der Uhr, der immer weiter tickt. Zu warm, zu kalt, von links nach rechts wälzen und wieder zurück... Schlaflose Nächte kennen sicherlich die meisten Menschen. So eine Nacht kann anstrengend sein. Aber was tun, wenn Schlafstörungen chronisch werden? Ein Forscherteam aus Freiburg hat sich in einer Studie damit auseinandergesetzt, was dann noch hilft.
Ab wann spricht man überhaupt von einer Schlafstörung?
Ein paar Nächte lang schlecht oder wenig zu schlafen ist ganz normal. In verschiedenen Studien der Krankenkassen geben fast die Hälfte der Befragten an, hin und wieder Schlafprobleme zu haben. Das kann viele Ursachen haben. Beispielsweise Stress, zu wenig Bewegung oder ein zu schweres Abendessen. Von einer richtigen Schlafstörung, also einer Insomnie, spricht man erst, wenn man tagsüber dadurch beeinträchtigt ist.
Dass Sie Probleme haben sich zu konzentrieren, Stimmungsschwankungen, also irgendeine Beeinträchtigung am Tag.
Außerdem muss das Problem regelmäßig auftauchen: Mindestens drei Monate lang, dreimal die Woche oder häufiger. Das erklärt der leitende Forscher der Studie, Kai Spiegelhalder.
Spiegelhalder geht davon aus, dass das etwa zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland betrifft. Das kann dann auch gesundheitliche Folgen haben, das Risiko für Depressionen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme kann wachsen.
Zu welchem Ergebnis kommt die Freiburger Studie zu Schlafstörungen?
Das wichtigste Ergebnis mag für viele überraschend klingen: Man soll seine Schlafzeit übergangsweise reduzieren. Kai Spiegelhalder erklärt, dass Betroffene frühestens um ein Uhr nachts ins Bett gehen und dann gleich morgens um sechs Uhr wieder aufstehen sollen.
Das Ziel ist laut Spiegelhalder, "dadurch so müde zu werden, dass es quasi nicht mehr gelingt, in der Zeit im Bett nicht zu schlafen". Die Methode zeige oft schnell Erfolge: "Dann gelingt es im Regelfall nach ein paar Tagen, deutlich besser ein- und durchzuschlafen. Dann wird, wenn das gut funktioniert, die Bettzeit langsam wieder ausgedehnt."
Eine "Nebenwirkung" ist dabei dem Forscher zufolge nicht zu vermeiden: Massive Müdigkeit. Patientinnen und Patienten sollen das mehrere Wochen lang durchziehen, um ihren Körper "zu schulen". Tagsüber soll man in dem Zeitraum auch keine Siesta machen. Der Schlafmangel soll Druck auf den Körper ausüben, während der wenigen Stunden im Bett wirklich zu schlafen.
Was ist mit anderen Maßnahmen?
Entspannungsmethoden zum Beispiel haben in der Studie wenig geholfen. Die sogenannte kognitive Therapie dagegen schon. Die soll Schlaflosen gegen das nächtliche Grübeln helfen - bei vielen ein Hindernis beim Einschlafen.
Je öfter man wach liegt, desto schwieriger wird es dem Forscher zufolge. Chronische Schlafstörungen trainieren sich sozusagen zusätzlich zu anderen Ursachen an. Laut Spiegelhalder ist das für einzelne Personen oft weniger schlimm als andere Erkrankungen wie etwa Krebs. "Natürlich gibt es auch einzelne Menschen, die massiv darunter leiden."
Schlafprobleme als wirtschaftlicher Faktor
Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene machen Ein- und Durchschlafstörungen doch einen relativ großen Schaden, weil einfach so wahnsinnig viele Menschen betroffen sind.
Längst gelten Schlafprobleme auch als Wirtschaftsfaktor: Müde und erschöpfte Beschäftige fallen häufiger aus. Außerdem beeinträchtigt Schlafmangel Forschern zufolge die Konzentration und damit oft auch die Produktivität und das Entscheidungsvermögen. Damit steigt auch die Unfallgefahr für Betroffene.
Mögliche Ursachen für Schlafstörungen ausschließen
Schlafstörungen können zahlreiche Ursachen haben - etwa Atemprobleme oder fehlende Nährstoffe. Expertinnen und Experten unterscheiden zwischen 88 verschiedenen Schlafstörungen mit unterschiedlichen Ursachen und Verläufen. Bei anhaltender Schlaflosigkeit sollte man deshalb ärztlichen Rat einholen.