Gleichzeitig verlängert jeder weitere Einsatz eines Kleidungsstücks seine Nutzungsdauer und hält Materialien länger im Kreislauf. Doch gebraucht ist nicht automatisch günstig und ein Markenname allein noch kein Qualitätsversprechen. Wer Secondhand kauft oder eigene Kleidung verkaufen möchte, sollte deshalb genauer hinschauen.
Qualität erkennen: Diese Stellen verraten viel über ein Kleidungsstück
Ein gutes Secondhandgeschäft prüft die Kleidung, bevor sie in den Verkauf kommt. Trotzdem lohnt sich beim Einkauf ein genauer Blick.
Besonders aufschlussreich sind stark beanspruchte Stellen wie Kragen, Ärmelabschlüsse, Achselbereiche und Hosensäume. Auch Nähte, Knöpfe und Reißverschlüsse sollten intakt sein.
Bei Strickwaren lohnt ein Blick auf mögliche Löcher und stark abgeriebene Stellen. Pilling an einem hochwertigen Woll- oder Kaschmirpullover lässt sich häufig entfernen. Ein kleines loses Saumstück oder ein fehlender Standardknopf können ebenfalls leicht repariert werden.
Schwieriger wird es bei Löchern, beschädigten Reißverschlüssen, starken Verfärbungen oder auffälligen Knöpfen, für die sich kaum Ersatz finden lässt. Entscheidend ist letztlich die Frage: Ist das Kleidungsstück so hochwertig und gut erhalten, dass man es noch lange tragen möchte?
Welche Kleidungsstücke lohnen sich besonders gebraucht?
Vor allem qualitativ hochwertige Kleidungsstücke, die auf eine lange Lebensdauer ausgelegt sind. Mäntel, Jacken, Blazer, hochwertige Strickwaren, Taschen oder gut verarbeitete Kleider können auch nach Jahren noch attraktiv sein. Bei einzelnen Luxusmarken kann der Wiederverkaufswert vergleichsweise hoch bleiben. Manche Taschen oder Accessoires erzielen sogar Preise, die mit ihrem ursprünglichen Kaufpreis kaum noch etwas zu tun haben.
Das sollte aber nicht dazu verführen, nur nach bekannten Namen zu suchen. Auch kleinere Labels und Nischendesigner können sehr hochwertige Kleidung herstellen. Entscheidend bleiben Material, Verarbeitung, Zustand und die Frage, ob das Kleidungsstück tatsächlich zum eigenen Stil und zur eigenen Garderobe passt.
Tipp: Um Fehlkäufe zu vermeiden: Nicht kaufen, nur weil etwas günstig ist. Wer unsicher ist, sollte sich Zeit lassen und überlegen, ob er das Stück wirklich tragen wird.
Was darf Secondhandmode kosten?
Einen allgemeingültigen Prozentsatz für gebrauchte Kleidung gibt es nicht. Alter, Zustand, Marke, ursprünglicher Preis und aktuelle Nachfrage beeinflussen den Wert. Üblich ist in einem Secondhandgeschäft etwa 25 bis 35 Prozent des Neupreises. Ein Kleid, das 150 Euro gekostet hat, könnte nach dieser Kalkulation beispielsweise für rund 50 Euro angeboten werden.
Wie viel davon die ursprüngliche Besitzerin erhält, hängt vom Laden ab. Bei Kommissionsware behält das Geschäft einen Teil des Verkaufspreises für Beratung, Präsentation, Ladenfläche und Verkaufsabwicklung ein. Wer Kleidung abgeben möchte, sollte deshalb vorher fragen, welcher Verkaufspreis angesetzt wird, welcher Anteil nach einem Verkauf ausgezahlt wird und was mit nicht verkaufter Ware passiert.
Kleidung verkaufen: Gute Vorbereitung erhöht die Chancen
Wer seine Kleidung in einem Secondhandgeschäft anbieten möchte, sollte zunächst kritisch aussortieren. Gute Chancen haben vor allem saisonal passende, aktuelle und qualitativ hochwertige Stücke in sehr gutem Zustand. Die Kleidung sollte sauber und gepflegt abgegeben werden. Ein loser Knopf oder ein kleiner offener Saum lässt sich oft mit wenig Aufwand reparieren und kann darüber entscheiden, ob ein Stück überhaupt angenommen wird. Bei hochwertiger Kleidung kann sich sogar eine aufwendigere Reparatur lohnen.
Auch die Saison spielt eine Rolle. Ein Wintermantel lässt sich im Herbst meist leichter vermitteln als mitten im Frühjahr. Wer verkaufen möchte, sollte deshalb vorher beim jeweiligen Geschäft nachfragen, welche Waren aktuell gesucht werden.
Secondhand online kaufen: Nicht nur auf die Größenangabe verlassen
Beim Onlinekauf kann man das Kleidungsstück weder anfassen noch anprobieren. Gute Fotos, auch von Details, und genaue Angaben sind deshalb wichtig. Bei Unklarheiten nachfragen.
Man sollte sich auch nicht ausschließlich auf die angegebene Konfektionsgröße verlassen. Größen fallen je nach Hersteller und Produktionsjahr unterschiedlich aus. Aussagekräftiger sind Maße wie Brustweite, Taillenweite, Hüftweite, Gesamtlänge und Ärmellänge.
Bei gewerblichen Secondhandplattformen empfiehlt die Verbraucherzentrale, Rückgabe, Garantiebedingungen, Zustand und Zahlungsmethode vor dem Kauf zu prüfen. Bei der Bezahlung rät sie von Vorkasse und der PayPal-Funktion Zahlungen an Freunde und Familie ab. Sicherer sind die Bezahlsysteme der Plattformen.
Wichtig ist zudem, wer tatsächlich Vertragspartner ist. Bei einem Kauf von einem gewerblichen Händler gelten andere Rechte als bei einem Privatverkauf. Gewerbliche Händler müssen auch bei gebrauchter Ware grundsätzlich für vorhandene Mängel einstehen. Bei privaten Verkäufen kann die Sachmängelhaftung dagegen wirksam ausgeschlossen werden. Vorsätzlich verschwiegene Mängel sind davon nicht umfasst.
Online verkaufen: Gute Fotos allein reichen nicht
Wer selbst Kleidung auf einer Plattform anbietet, sollte möglichst genaue und ehrliche Angaben machen. Neben Marke, Größe und Material gehören die Maße des Kleidungsstücks in die Beschreibung. Auch Flecken, kleine Löcher, Reparaturen oder andere Gebrauchsspuren sollten offen genannt und fotografiert werden.
Gute Bilder zeigen das Kleidungsstück bei hellem Licht aus mehreren Perspektiven. Detailfotos von Material, Etikett und möglichen Gebrauchsspuren helfen Interessierten bei der Entscheidung. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Zustand, Maße, Besonderheiten und Mängel klar anzugeben.
Bei Fotos mit dem eigenen Körper ist Zurückhaltung sinnvoll. Die Verbraucherzentrale warnt davor, dass private Tragebilder von Verkaufsplattformen kopiert und an anderer Stelle im Internet verbreitet werden können. Wer solche Bilder verwendet, sollte deshalb Gesicht und persönliche Details im Hintergrund nicht sichtbar machen.
Vorsicht bei vermeintlichen Luxusschnäppchen
Bei Designertaschen und Luxusmode ist die Echtheitsprüfung besonders schwierig. Hochwertige Fälschungen lassen sich oft kaum erkennen. Logo, Nähte, Beschläge, Innenfutter, Seriennummern und Verarbeitung können Hinweise liefern, sind aber kein sicherer Echtheitsnachweis. Auch eine vorgelegte Rechnung beweist nicht zwangsläufig, dass sie zu genau diesem Gegenstand gehört. Wer größere Summen ausgibt, sollte deshalb bei einem Händler kaufen, der die Authentizität professionell prüft und für seine Ware einsteht.
Im Studio: Simone Klüpfel, Inhaberin eines Secondhand-Kleidungsgeschäfts