Eigentlich will der 14-jährige Linus Hofmann aus Freiburg mit seinen Freunden einfach nur Basketball spielen - auf dem Pausenhof des Friedrichgymnasiums im Stadtteil Herdern. Doch auf dem Sportplatz hängt im Sommer 2025 plötzlich eine Metallkralle am Korb. Auch der Platz nebenan ist oft abgeschlossen. Musikhören ist dort auch nicht erlaubt, heißt es auf einem Schild. Aus Rücksicht auf die Anwohner.
Dahinter steht ein Konflikt, der längst nicht nur diesen Stadtteil beschäftigt: Jugendliche wollen Platz zum Spielen, Anwohner Ruhe zur Erholung. Und mittendrin ist die Stadt Freiburg, die versucht, einen Kompromiss zu finden.
Spielverbot in Freiburg: Jugendliche fühlen sich übergangen
Die Jugendlichen verstehen die Welt nicht mehr. "Die Kralle war auf einmal da", sagt Samuel Hofmann. Wenn sie auf dem Korb liegt, kommt kein Ball durch. Das soll die Jugendlichen daran hindern, zu bestimmten Zeiten Basketball zu spielen. Nicht abgesprochen sei das gewesen, so Samuels Bruder Linus Hofmann: "Wir kamen hierher und dachten, irgendwer hat das hier einfach hingemacht."
Stadt Freiburg: "Metallkralle ist milderes Mittel"
Angebracht hat die Kralle die Stadt Freiburg. Sie habe es als letzten Ausweg gesehen. Denn von Anwohnerinnen und Anwohnern gingen Beschwerden wegen Lärms ein. "Als die Lärmwerte zum Teil überschritten worden sind, mussten wir uns fragen, ob wir den ganzen Korb abbauen müssen", sagt Sabine Recker, Leiterin des Rechtsamts der Stadt Freiburg.
Das habe keiner gewollt, sagt sie. "Wir wollen einerseits, dass die Jugendlichen spielen können und andererseits, dass die Anwohnerinnen und Anwohner Ruhe haben." So sei die Idee der Kralle als milderes Mittel zum Abbau des Basketballkorbs geboren, so Recker.
Dafür beauftragt die Stadtverwaltung nun einen einen externen Dienstleister, der jeden Abend um 20 Uhr die Kralle anbringt und den Sportplatz abschließt. Morgens kümmert sich der Hausmeister der Schule darum, diesen wieder zu öffnen, beziehungsweise das Körbewerfen zu ermöglichen.
Zu viel Lärm nach 20 Uhr
Der sogenannten Krallenkorb auf dem Schulhof und der Sportplatz stehen direkt nebeneinander. Dicht an dicht gebaut, wohnen drumherum auch viele Anwohner. Mehrere hätten sich wegen des Lärms rund um die Schule an die Stadt gewandt, schreibt ein Sprecher der Stadt dem SWR. Zwei Parteien seien demnach auch anwaltlich vertreten.
Die Stadtverwaltung leitete daraufhin Messungen ein. Das Ergebnis laut Stadt: Die Grenzwerte seien bis 20 Uhr eingehalten, danach aber überschritten. Die Werte sind in Verordnungen und Richtlinien festgeschrieben. Damit sah sich die Stadt in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Platz nach 20 Uhr nicht mehr genutzt werde. Und auch am Wochenende ist er komplett zu. "Das kann eigentlich nicht sein", sagt Linus Hofammn. "Wir haben in Herdern nur zwei, drei gute Sportplätze", so der 14-Jährige.
Anwohner fühlen sich als Kinderhasser abgestempelt
Der nun oft abgeschlossene Sportplatz grenzt an das Grundstück von Familie Wörner. Sie wohnt seit etwa 18 Jahren dort. Damals war die Schule noch ein Gymnasium. Heute ist sie eine Ganztagsschule. Das bedeutete für die Familie bereits eine Umstellung und später am Tag erst Ruhe. Ein Besuch im Garten der Familie: "Der Garten ist unser Rückzugsraum", sagt Matthias Wörner und zeigt dann auf eine Mauer. Dahinter befindet sich der Sportplatz. Auch an diesem Tag knallen Bälle laut an das Gitter. "Dort war früher der Schulsportbetrieb, jetzt ist er öffentlich", so Wörner.
Ein öffentlicher Sportplatz für alle oder ein Schulhof mit Öffnungszeiten? Das ist seit Jahren die Diskussion. Zuletzt fühlten sich die Anwohner mit ihren Sorgen als Kinderhasser abgestempelt: "Wir haben selber drei Jungs, also wir haben durchaus Verständnis für sporttreibende Jugendliche", sagt Katrin Wörner.
Ihr Mann findet es wichtig, dass aber auch die Jugendlichen sehen, dass es auch ein Bedürfnis von älteren Menschen gebe: "Dem müssen sie nachkommen", und da müsse man eine Lösung finden, so Matthias Wörner.
Jugendliche wollen Austausch mit Stadt und Anwohnern
Die Jugendlichen wollen mehr Austausch mit der Stadt und den Anwohnern. In ihren Augen ist da bisher einiges schief gelaufen. "Es wäre super, wenn wir uns an einen Tisch setzen und das klären. Dann würde man endlich in einen Austausch kommen", sagt Nikolai Jekimow.
Sie würden es auch akzeptieren, wenn der Platz am Sonntag geschlossen bleiben würde, sagt Linus Hofmann, besteht aber auf den Samstag: "Die Politik sagt ja immer: Die Jugend ist so unsportlich, aber das Wochenende ist die Zeit, in der wir Sport machen können. Der Samstag ist hier zu. Das ist ja nicht sinnvoll."
Mit den Jugendlichen sei nicht gesprochen worden, bevor die Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt wurden, heißt es von ihnen. Aber nun wollen sich alle Seiten nochmal zusammensetzen. Es werde Gespräche geben zwischen der Stadt, Anwohnern und den Jugendlichen - mit dem Ziel, einen Kompromiss in diesem Streit zu finden.