Es ist Halbzeit für den bundesweiten Tankrabatt. Ende Juni läuft die Regelung aus, mit der die Bundesregierung die Steuern auf Benzin und Diesel vorübergehend für acht Wochen gesenkt hat. Das Holztransportunternehmen Kaltenbach aus Vöhrenbach (Schwarzwald-Baar-Kreis) spürt vom 17-Cent-Rabatt hingegen nur wenig.
30.000 Euro mehr Kosten trotz Tankrabatt für Spedition im Schwarzwald
Rund 200.000 Liter Diesel verbraucht die Spedition Kaltenbach pro Jahr - getankt wird an der eigenen Säule auf dem Firmengelände. Zwischen Januar und Mai musste Geschäftsführerin Monika Kaltenbach für den Sprit fast 30.000 Euro mehr bezahlen als zuvor - trotz Tankrabatt. "Das ist eine riesige Ohnmacht. Es ist eine Mischung zwischen Ohnmacht, Wut, Zorn und Verzweiflung - und natürlich auch eine Enttäuschung", sagt die Unternehmerin.
Tankrabatt an Kunden weitergegeben? Lobbyverband und ADAC widersprechen sich
Der Wirtschafts- und Lobbyverband Fuels und Energie, der größte für die Mineralölbranche in Deutschland, versichert, der Tankrabatt sei von Anfang an weitergegeben worden. "Um gar nicht erst in den Verdacht zu kommen, hier würde etwas anderes geschehen, haben unsere Mitgliedsunternehmen am 1. Mai um Mitternacht den Preis um 17 Cent pro Liter gesenkt", sagt Alexander von Gersdorff, ein Sprecher des Verbands.
Der ADAC widerspricht. Die Absenkung sei nicht sofort und nur unvollständig an die Verbraucher weitergegeben worden.
Logistik- und Transportverbände kritisieren zudem eine Doppelbelastung für Lkw. Eine CO2-Abgabe wird für sie nämlich sowohl beim Tanken als auch mit der Maut fällig. Für Timo Didier, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Verband des württembergischen Verkehrsgewerbes, ist deshalb klar: "Unser Vorschlag ist, dass wir einen Gewerbediesel einführen, so wie es viele europäische Länder auch getan haben, und dass dann der Anteil dieser CO2-Abgabe, die der Lkw doppelt bezahlt, nicht mehr anfällt", sagt er.
Spedition zieht über Tankrabatt Bilanz: Wirkt nicht wie gewünscht
Monika Kaltenbach ist von der Politik enttäuscht. Bei Logistikunternehmen wie ihrer Holzspedition machen Spritkosten rund ein Drittel der Kosten aus. Für sie ist der Tankrabatt dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Hoffnung sei nicht groß gewesen, als der Tankrabatt beschlossen wurde, sagt sie. Die Kosten hätten sich ein bisschen nach unten bewegt, aber dies sei noch lange nicht ausreichend.
Die Kosten fressen uns auf.
Kaltenbach hofft auf schnelle Entlastungen durch die Politik, der Tankrabatt sei für ihre Branche nicht zielführend. "Die Kosten fressen uns auf. Ich erwarte, dass irgendjemand aufwacht und sagt 'wir haben es geschnallt'." Aber genau das passiere nicht, sagt sie.