Der Chef des Tunnelbohrmaschinen-Unternehmens Herrenknecht aus Schwanau (Ortenaukreis), Martin Herrenknecht, hat Teile der SPD scharf kritisiert und ihnen mangelnden Reformwillen vorgeworfen. In einem Brief an die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) ging er insbesondere mit Arbeitsministerin und SPD-Co-Parteichefin Bärbel Bas hart ins Gericht.
Kritik am politischen Kurs der Arbeitsministerin
Herrenknecht forderte Bas auf: "Lassen Sie sich nicht länger von Parteilinken und Gewerkschaften treiben. Ändern Sie Ihren Kurs. Oder stehen Sie dieser Koalition nicht länger im Weg. Treten Sie zurück!" Der Unternehmer bemängelte, dass in Deutschland zu viel diskutiert und blockiert werde, während im Ausland Entscheidungen schneller umgesetzt würden. Er warf Bas vor, den Sozialstaat aufzublähen, statt die Leistung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu stärken.
Ich arbeite jeden Tag mit Schweißern, Monteuren, Facharbeitern. Die haben die Schnauze voll.
Laut Herrenknecht hätten viele Beschäftigte "die Schnauze voll" und wünschten sich, dass sich Leistung wieder im Geldbeutel bemerkbar mache. Die SPD habe "ihren Kompass verloren" und sei nicht mehr die Partei der Arbeiter. Herrenknecht ist selbst Mitglied in der CDU und spendete im Januar 50.000 Euro an die Partei.
Lob für Klingbeil
Der Unternehmer lobte hingegen Lars Klingbeil, den SPD-Co-Parteichef neben Bas. Klingbeil sei kompromissfähig und könne mit Merz zusammenarbeiten. Herrenknechts gleichnamige Firma Herrenknecht AG gilt als Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen und ist mit Projekten wie dem Gotthardtunnel, dem Brenner Basistunnel und Stuttgart 21 bekannt geworden. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 5.500 Mitarbeitende.
Im vergangenen Jahr sorgte Herrenknecht für Aufruhr in seinem Heimatort Schwanau-Allmannsweier (Ortenaukreis), weil er aus Protest eigenmächtig 20 Blumenkübel entfernt hatte.