Brandwache der Feuerwehr behält die Lage im Blick

Wie Landwirte mithalfen, den Waldbrand bei Zell am Harmersbach zu löschen

Seit Dienstagabend arbeiten bei der Waldbrandbekämpfung in Zell am Harmersbach alle Hand in Hand: Auch Landwirte aus der Umgebung packten mit an, um das Feuer zu bekämpfen.

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Stand

Immer noch ist die Feuerwehr in Zell am Harmersbach (Ortenaukreis) im Einsatz, wo am Dienstagabend in einem Waldstück ein Feuer ausgebrochen war. Durch die Trockenheit hatten sich die Flammen schnell ausgebreitet, insgesamt war eine Fläche von 20 Hektar betroffen. Rund 800 Rettungskräfte waren im Einsatz. Inzwischen ist das Feuer gelöscht, die Situation unter Kontrolle - und das liegt auch an den Landwirten, die seit dem Brandausbruch zehntausende Liter Löschwasser an den Einsatzort gefahren haben.

Landwirte reagieren sofort und unterstützen die Feuerwehr

Roberto Parisi ist einer von ihnen. Als er am Dienstag die ersten Rauchwolken sah, ist er sofort los zum Hof eines Kollegen. Gemeinsam haben sie Wasserfässer befüllt und an den Traktor angehängt, um die Feuerwehr zu unterstützen. Drei Tage lang waren Parisi und sein Kollege im Dauereinsatz - für Parisi eine Selbstverständlichkeit.

"Natürlich bleibt dadurch Arbeit liegen. Aber einen Waldbrand in dieser Dimension unter Kontrolle zu bringen, das ist wichtiger", sagt Parisi, der vor einigen Jahren selbst in der Zeller Feuerwehr aktiv war. Auch Feuerwehrkommandant Alexander Zwick, der mit seinem Team seit Dienstag fast rund um die Uhr im Einsatz war, lobt das Engagement der Landwirte, das bei der Bekämpfung des Waldbrands unverzichtbar gewesen sei.

Aus der ganzen Ortenau sind Landwirte hergefahren und haben sich untereinander vernetzt, um hier zu helfen. Der Zusammenhalt zwischen Einsatzkräften und Landwirten hat mich positiv überrascht.

Löscharbeiten wären ohne Landwirte "so kaum möglich gewesen"

Ohne die Unterstützung der Landwirte aus der Umgebung wären die Löscharbeiten "so kaum möglich gewesen", sagt Zwick. Man hätte viel mehr Feuerwehrkräfte alarmieren müssen, "um das abzudecken, was wir jetzt über die Landwirte an Fahrzeugen bekommen haben." Allein an einem Tag hätten Parisi und die anderen Landwirte über 60.000 Liter Wasser an die Einsatzstelle gebracht, so Zwick.

Unterstützung kam in den vergangenen Tagen aber nicht nur von den Landwirten: Neben anderen Feuerwehreinheiten aus den Zeller Nachbargemeinden waren auch das Deutsche Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk im Einsatz. Auch die Mitarbeitenden des Rathauses halfen, wo es ging.

Zell am Harmersbach, Biberach, Haslach im Kinzigtal

Rund 700 Einsatzkräfte vor Ort - Einsatzlage stabilisiert Mehrere Waldbrände im Ortenaukreis - Polizei prüft mögliche Brandstiftung

Im Ortenaukreis haben am Dienstag mehrere Waldstücke gebrannt. Die Löscharbeiten dauern teilweise noch an. Da es an mehreren Orten brannte, ermittelt nun die Kriminalpolizei.

Brandwache der Feuerwehr in Zell behält die Lage weiter im Blick

Nach der Dauerbelastung der vergangenen Tage hat sich die Lage inzwischen entspannt. Eine Brandwache der Feuerwehr Zell am Harmersbach behält die Lage weiterhin im Blick. Und auch die Faltbehälter, die 5.000 Liter Wasser fassen, bleiben vorerst im Wald, bis alle Glutnester gefunden und gelöscht sind.

"Es war ein anstrengender Einsatz, aber ich bin mit dem Ergebnis wirklich zufrieden. Drei Leichtverletzte, die jetzt auch wieder wohlauf sind. Eine bessere Bilanz kann man bei knapp 800 Einsatzkräften nicht haben. Null wären natürlich am allerbesten, aber wir wollen uns wirklich nicht beklagen", sagt Einsatzleiter Zwick.

Der Waldbrand bei Zell am Harmersbach hat den Einsatz vieler Menschen viele Stunden lang gefordert - der Zusammenhalt im Ort ist groß
Einsatzleiter Alexander Zweick (re.) in einer Besprechung mit seinem Team. Das Gelände wird technisch überwacht, so werden mögliche Glutnester identifiziert.

Waldbrandgefahr laut Ministerpräsident Özdemir ein bleibendes Risiko

Einen Brand solchen Ausmaßes hat es in Zell noch nicht gegeben. Am Donnerstag war auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Mit Blick auf die vielen Freiwilligen, die mit angepackt haben, sagte er: "Wir unterstützen die Feuerwehr natürlich kraftvoll, was das Ehrenamt angeht." Hinsichtlich der lang anhaltenden Trockenheit ergänzte Özdemir: "Das ist ein Phänomen, das wir vor einigen Jahren so nicht kannten. Das wird aber bleiben, denn das Klima verändert sich dauerhaft." Die Gefahr von Waldbränden, das sei ein Risiko, mit dem man langfristig leben müsse.

Der Waldbrand bei Zell am Harmersbach hat den Einsatz vieler Menschen viele Stunden lang gefordert - der Zusammenhalt im Ort ist groß
Alle helfen mit: Wären die Landwirte mit den Wassertanks nicht gewesen, hätten noch mehr Feuerwehren ausrücken müssen, ist sich der Einsatzleiter sicher.

Vorerst keine Gefahr mehr für die Bevölkerung

Stand Samstagmittag besteht laut Feuerwehrkommandant Zwick keine unmittelbare Gefahr mehr für die Bevölkerung. Das gilt allerdings nicht für die von den Flammen zerstörten Flächen. Die Zeller Stadtverwaltung warnt davor, diese zu betreten: "Aufgrund von Steinschlägen und Baumbrüchen besteht in dem Waldgebiet akute Lebensgefahr."

Insgesamt ist man in Zell am Harmersbach wohl froh, dass alles vergleichsweise glimpflich ausgegangen ist. Und Alexander Zwick ist dankbar für den großen Zusammenhalt, die Wertschätzung gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr - und für die unverhoffte Unterstützung von Landwirten wie Roberto Parisi, mit deren Hilfe noch Schlimmeres verhindert werden konnte.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Dorothea Dörner
Frau mit langen schwarzen Haaren lehnt an einer Wand. Sie trägt eine dunkle Bluse und lächelt in die Kamera.
Laura Könsler
Porträtfoto Laura Könsler
Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

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