Der Betriebsrat des Herz-Zentrums Bodensee in Konstanz hat einen dringenden Appell veröffentlicht. Grund ist die Insolvenz, die die privat geführte Klinik im Juli angemeldet hat. Das Insolvenzverfahren soll im Oktober eröffnet werden. "Wir sehen die herzchirurgische Versorgung der Menschen im Bodenseeraum gefährdet", warnt Fabio Maier, der Betriebsratsvorsitzende, in einem offenen Brief, der dem SWR vorliegt.
Die Lage sei ernst. Der Betriebsrat fordert Politik und Gesellschaft auf, das Zentrum zu unterstützen und eine Schließung zu verhindern. Denn die drohe, wenn sich keine Lösung oder kein Investor finde.Der Betriebsrat hat zum Erhalt der Klinik eine Petition gestartet.
Was die Schließung des Herz-Zentrums für Patienten bedeuten würde
Das Herz-Zentrum Bodensee behandelt seit Jahrzehnten Patientinnen und Patienten mit Herzproblemen - ob Herzinfarkt, Herzrhythmusstörung oder Notfall. Würde die Klinik schließen, müssten Betroffene weite Wege nach Freiburg, Tübingen oder Ulm auf sich nehmen, so der Betriebsrat. Bei Notfällen zähle aber jede Minute. Lange Fahrten könnten Leben kosten.
Betrieb läuft weiter Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz meldet Insolvenz an
Das privat geführte Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz macht seit Jahren Verluste. Jetzt hat die Klinik Insolvenz angemeldet. Der Betrieb läuft aber weiter, geplante Operationen sollen stattfinden.
Betriebsrat warnt: Wegfall des Herz-Zentrums auch Gefahr für Kinder
Auch Kinder mit schweren Herzrhythmusstörungen finden im Herz-Zentrum Hilfe. In Deutschland gebe es nur wenige Ärzte, die diese Eingriffe beherrschten. Laut dem Betriebsrat wäre dieses Angebot unwiederbringlich verloren, würde sich kein Investor finden und das Herz-Zentrum schließen.
Die Beschäftigten selbst stünden ebenfalls unter großem Druck. Es habe bereits wegen der ungewissen Zukunft erste Kündigungen gegeben. Noch stelle das Klinikpersonal trotz der Umstände die Versorgung der Patienten auf gewohnt hohem Niveau sicher. Doch die Unsicherheit belaste alle - im Beruf und im Privatleben, so Betriebsratsvorsitzender Fabio Maier.
Gesundheitsverbund sieht regionale Versorgung gefährdet
Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz (GLKN) äußert auf SWR Anfrage ähnliche Befürchtungen wie der Betriebsrat. Hochspezialisierte Leistungen wie die Herzchirurgie, spezielle Katheterverfahren sowie die Kinderelektrophysiologie stünden im Falle einer Schließung des Herz-Zentrums Bodensee nicht mehr wohnortnah zur Verfügung. Patientinnen und Patienten müssten für diese Behandlungen in weiter entfernte Kliniken ausweichen, was die Wege verlängern und die regionale Versorgungsqualität deutlich beeinträchtigen würde, so eine GLKN-Sprecherin.
Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz will Herz-Zentrum übernehmen
Der GLKN will das Herz-Zentrum deshalb unbedingt erhalten und in seinem Klinikverbund integrieren. Gespräche über eine Übernahme gab es bereits vor der Insolvenz. Und auch jetzt heißt es vom GLKN: "Wir stehen weiterhin in engem Austausch mit dem Sozialministerium, den Kassenverbänden und dem Insolvenzverwalter über die mögliche Übernahme des Herz-Zentrums."
Von Seiten des GLKN bestehe nach wie vor Interesse an einer Übernahme, teilte eine Sprecherin dem SWR auf Anfrage mit. Die Entscheidung über die nächsten sozialrechtlichen Schritte liege jedoch beim Gesundheitsministerium Baden-Württemberg. Zeitpunkt und Inhalt dieser Entscheidung seien für den Klinikverbund derzeit nicht absehbar. Diese Weichenstellung von Seiten des Ministeriums sei jedoch entscheidend, um das weitere Vorgehen zur Übernahme und die künftige kardiologische Versorgung im Landkreis verlässlich planen zu können.
Das Gesundheitsministerium teilte auf SWR-Anfrage lediglich mit, man könne sich aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens derzeit nicht zum aktuellen Stand äußern.