Betrieb läuft weiter

Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz meldet Insolvenz an

Das privat geführte Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz macht seit Jahren Verluste. Jetzt hat die Klinik Insolvenz angemeldet. Der Betrieb läuft aber weiter, geplante Operationen sollen stattfinden.

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Von Autor/in Esther Leuffen

Das Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz ist zahlungsunfähig. Der Klinikbetrieb werde aber in vollem Umfang fortgeführt, heißt es aus der Kanzlei des vorläufigen Insolvenzverwalters. Die Patientenversorgung sei derzeit sichergestellt und geplante Operationen sollen durchgeführt werden. Für die Beschäftigten des Herz-Zentrums sind laut vorläufigem Insolvenzverwalter die Gehälter bis Ende September über das Insolvenzgeld abgesichert. Zuerst hatte der "Südkurier" berichtet.

Insolvenz während Übernahme-Verhandlungen mit Gesundheitsverbund

Die Nachricht platzt mitten in die laufenden Übernahme-Verhandlungen mit dem Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz (GLKN). Der GLKN, der unter anderem die Krankenhäuser in Konstanz und Singen betreibt, will das Herz-Zentrum in seinen Klinikverbund integrieren.

Über die wirtschaftliche Situation der Herzklinik sei man informiert gewesen, so der GLKN. Die Insolvenzanmeldung zu diesem Zeitpunkt komme jedoch unerwartet, heißt es in einer Stellungnahme des Konstanzer Landrats Zeno Danner gegenüber dem SWR. Man habe aber bereits Kontakt mit dem Insolvenzverwalter aufgenommen.

Betrieb im Herz-Zentrum läuft weiter

Noch läuft der Betrieb im Herz-Zentrum Bodensee ganz normal weiter. Doch die Insolvenz markiere eine Zäsur, so Bernd Sieber, Geschäftsführer des Gesundheitsverbundes gegenüber dem SWR. Das gelte für die Beschäftigten, aber auch für viele Patientinnen und Patienten, die auf eine wohnortnahe Versorgung bei komplexen Herzerkrankungen angewiesen seien. Die privat geführte Klinik wurde Ende der 90er-Jahre auf dem Gelände des Konstanzer Klinikums eröffnet. Laut Homepage bietet das Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz bis zu 54 Betten, zwei Operationssäle sowie jeweils ein Herzkatheterlabor für invasive Kardiologie und Elektrophysiologie. Jährlich würden rund 2.900 stationäre und 3.000 ambulante Patienten versorgt.

Im Landkreis Konstanz droht eine Versorgungslücke

Der Gesundheitsverbund führt nach eigenen Angaben bereits seit über einem Jahr vertrauliche Gespräche mit dem Eigentümer des Herz-Zentrums. Ziel sei es, das medizinische Leistungsspektrum in den beiden kommunalen Kliniken um die Herzchirurgie zu erweitern und damit eine drohende regionale Versorgungslücke zu verhindern.

Dem GLKN sei bekannt gewesen, dass aufgrund der wirtschaftliche Lage eine Insolvenz des Herz-Zentrums eines der Szenarien hätte sein können, so Sieber. Auch deshalb seien die Gespräche zwischen den Geschäftsführungen von GLKN und Herz-Zentrum sehr intensiv geführt worden.

Kreistag Konstanz hat Übernahme bereits zugestimmt

Erst kürzlich hatte der Konstanzer Kreistag grundsätzlich seine Zustimmung zum Kauf der Herzklinik gegeben. Der GLKN hatte dem bisherigen Klinikeigentümer ein entsprechendes Angebot gemacht. Jetzt hänge es von den Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter ab, ob und inwieweit man die Transaktion auf dieser Grundlage noch realisieren können, so Sieber. Man werde keine unkalkulierbaren Risiken eingehen.

Das Interesse an einer Übernahme besteht weiterhin.

Das Interesse an einer Übernahme bestehe weiter, heißt es vom Gesundheitsverbund. Diese könne aber nur unter klaren wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen erfolgen. Das habe man bereits in Richtung des vorläufigen Insolvenzverwalters kommuniziert. Die Integration würde mit klaren Sanierungszielen, einer realistischen Leistungsplanung und organisatorischer Anpassung einhergehen. Es gehe nicht um ein "Weiter so", sondern um eine strategisch gestaltete Übernahme im Rahmen des Krankenhausstrukturwandels.

Insolvenzverwalter will Übernahme-Gespräche mit GLKN forführen

Von seiten des vorläufigen Insolvenzverwalters hieß es gegenüber dem SWR, man verschaffe sich derzeit einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Herz-Zentrums. Außerdem werde man gemeinsam mit der Geschäftsleitung des Herz-Zentrums die Gespräche mit dem GLKN fortführen und versuchen, eine tragfähige, zukunftsfähige Lösung zu finden.

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