Die Stadt Friedrichshafen steigt als Trägerin des Medizin Campus Bodensee (MCB) aus. Das hat der Gemeinderat am Montag einstimmig – und ohne Diskussion – entschieden. Zum 1. Januar 2026 will die Stadt damit die Verantwortung für das hoch-defizitäre Klinikum Friedrichshafen und die weiteren Gesellschaften des Verbunds abgeben.
"Es geht um nicht weniger, als um das Überleben des MCB, wie wir ihn heute kennen", sagte Pascal Salomon (CDU) in einer Erklärung für den Großteil der Ratsfraktionen. Man könne die "millionenschweren Defizite nicht weiter in dieser Größenordnung stemmen".
Der Klinikverbund schreibt seit Jahren rote Zahlen. 2023 verzeichnete der Medizin Campus ein Defizit von 20 Millionen Euro. Bislang finanziert das die Zeppelin-Stiftung der Stadt Friedrichshafen - was für Stadtverwaltung und Gemeinderat angesichts einer angespannten Haushaltslage aber nicht mehr tragbar ist.
Gemeinderat gibt noch einmal Millionenhilfen für MCB frei
Trotzdem gab das Gremium in der Sitzung noch einmal grünes Licht für Millionenhilfen. So bekommt der MCB fürs laufende Jahr unter anderem Betriebskostenzuschüsse in Höhe von rund 20 Millionen Euro und Investitionskostenzuschüsse in Höhe von 1,1 Millionen Euro.
Den MCB übernehmen soll nun der Landkreis, der nach Ansicht der Stadt Friedrichshafen dazu gesetzlich verpflichtet ist. Doch das Landratsamt Bodenseekreis hatte dem bereits im Vorfeld widersprochen und den Schritt kritisiert. Landrat Luca Wilhelm Prayon (CDU) sprach von einem "Alleingang", den er "sehr ärgerlich" finde.
Chefärzte der Kliniken nehmen Politik in die Verantwortung
Auf SWR-Nachfrage erneuerte das Landratsamt am Dienstag seine Einschätzung, dass eine Übernahme der Trägerschaft bereits zum Jahreswechsel nicht möglich ist. Trotzdem wolle man die Verhandlungen, die jetzt kommen, konstruktiv angehen, sagte ein Sprecher. Was unter anderem auch noch aussteht, sind Gespräche mit dem Land und dem Regierungspräsidium. Am Ende muss sich der Kreistag mit dem Thema befassen. Wann das passiert, ist aber noch völlig offen.
Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung hatten sich auch die Chefärzte des MCB zu Wort gemeldet. In einem Offenen Brief zeigten sie sich angesichts des Klinik-Streits besorgt. Die regionale Politik müsse bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, damit sich "eine qualitätsgesicherte Versorgung nicht in Trägerfragen zerreibt".