Premiere erhält auch im zweiten Jahr viel Applaus

Teuflisch und farbenfroh: Bregenzer Festspiele zeigen erneut "Der Freischütz"

Langes Abendrot und langer Applaus - die Oper "Der Freischütz" hat am Donnerstag auf der Seebühne im Bodensee erneut Premiere gefeiert. Sie ist bis Mitte August zu sehen.

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Wetterglück für knapp 7.000 Premierengäste - am Donnerstagabend gab es ein langes Abendrot und Gewitterdonner während der Oper nur aus den Lautsprechern. "Wahnsinnig toll", "gigantisch!", "die bestialischen Farben passen zum Stück", "die Aussicht auf den See, das war einfach wunderschön" und "faszinierende Kulissen mit See und Bergen", hieß es anschließend.

Bei den 79. Bregenzer Festspielen steht in diesem Jahr noch einmal Carl Maria von Webers Opernklassiker "Der Freischütz" im Mittelpunkt. Ein Teufel, der in flapsigen Reimen spricht und die Zeit zurückdreht, ein Bühnenbild, das mitten im Hochsommer am Bodensee eine eisige Winterlandschaft zeigt - das farbenfrohe Spektakel ist insgesamt 27 Mal auf der Seebühne zu sehen. Im vergangenen Jahr waren alle Aufführungen ausverkauft, laut den Festspielen kamen 200.000 Besucherinnen und Besucher. In diesem Jahr sind bereits 85 Prozent der Karten gebucht.

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Unterwegs mit Mitwirkenden bei "Der Freischütz" Bregenzer Festspiele: So geht es unter der Seebühne zu

Wer die Oper "Der Freischütz" auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele verfolgt, ahnt nicht, wie es bei Sängern, Chor und Stuntleuten unter der Bühne zugeht. Regieassistentin Sophie Louise Busch zeigt es.

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Das Bühnenbild zeigt ein verfallenes Dorf zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs im Winter. Erstmals ist auf der Seebühne im Bodensee auch ein großes Wasserbecken mit rund 500.000 Litern Wasser eingebaut. In ihm spielt ein Großteil der Oper. Entworfen hatte die Szenerie der Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl, er führt beim "Freischütz" auch Regie.

Und so sieht es hinter dem Bühnenbild zu "Der Freischütz" auf der Seebühne aus:

So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Nur wer mit einer Bühnenführung über den Steg seitlich der Seebühne geht, hat diesen Blick auf das "Freischütz"-Dorf und die Zuschauertribüne. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Von der Zuschauertribüne nicht zu erkennen ist die neue Hinterbühne. In den Containern ist Platz für Solisten-Garderoben, Requisiten-Lager, Kostümabteilung und mehr. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
"Achtung - bitte das See-Team nicht füttern!", steht ironischerweise auf der Hinterbühne, gemeint sind die Bühnentechniker. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Fein säuberlich beschriftet und sortiert warten die Röcke auf den Auftritt der Brautjungfern... Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Zwischen den Aufführungen hängen Rehe zum Trocknen hinter der Bühne, schließlich spielt "Der Freischütz" unter Jägern... Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Auch jede Menge Gewehre spielen mit. Alles natürlich Attrappen, ebenso wie die Eisschollen auf dem Wasser. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Das alte Wirtshaus dient auch das Materiallager für alles, was während der Aufführung gebraucht wird. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Unter dem Bühnenbild geht es ab in den Bodensee. Diesen Weg müssen auch die Stuntleute als Wasserleichen nehmen. Bild in Detailansicht öffnen

Auf der Seebühne werden Inszenierungen immer zwei Jahre in Folge gezeigt. Der Grund: Das Bühnenbild entsteht in monatelanger Arbeit und kostet mehr als acht Millionen Euro. Und auch die nächsten Höhepunkte stehen schon fest: 2026/27 steht Giuseppe Verdis "La Traviata" auf dem Programm, 2028/29 Richard Wagners "Der Fliegende Holländer".

Bregenzer Festspiele starteten am Mittwoch mit "Oedipe" von George Enescu

Den Auftakt der diesjährigen Festspiele machte am Mittwochabend die Premiere der Oper "Oedipe" des im heutigen Rumänien geborenen Komponisten George Enescu. Die 1936 uraufgeführte Oper gilt als Meisterwerk Enescus. Sie erhielt am Premierenabend langen Applaus und wird weitere zwei Mal im Bregenzer Festspielhaus zu sehen sein.

Bregenz

Nach feierlicher Eröffnung am Vormittag Bregenzer Festspiele zeigen zum Start die Oper "Oedipe"

Langen Applaus hat es am Mittwochabend für die erste Premiere der 79. Bregenzer Festspiele gegeben. Sie waren am Vormittag feierlich eröffnet worden. Auf der Seebühne wird noch einmal "Der Freischütz" gezeigt.

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Insgesamt rechnen die Bregenzer Festspiele in den kommenden fünf Wochen mit bis zu 220.000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Bis zum 17. August gibt es fast 80 Veranstaltungen auf dem Festspielgelände und in der Stadt Bregenz, darunter zwei Uraufführungen.

Es ist das erste Jahr der neuen Intendantin Lilli Paasikivi aus Finnland. Sie hatte vor dem Start der Festspiele bekanntgeben müssen, dass der Bund Österreich, das Land Vorarlberg und die Stadt Bregenz den Festspielen ab sofort 30 Prozent weniger Geld geben. Das bedeutet bei einem Jahresbudget von 27 Millionen Euro ein Minus von gut zwei Millionen Euro.

So sahen andere ungewöhnliche Bühnenbilder der vergangenen Jahre aus:

So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
"André Chénier", die selten gespielte Oper von Umberto Giordano, machte den Bodensee zu einer Badewanne, in der ein Sterbender liegt - das Bühnenbild von 2011 und 2012. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Riesentisch und zwei Stühle als Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Eine überdimensionale Bistroszene mit Tischen und Stühlen bildete 2001 und 2002 das Szenario zu der Puccini-Oper "La Bohème". Bild in Detailansicht öffnen
Ein Stück Chinesische Mauer ragt aus dem Bodensee - das Bühnenbild 201516 für die Oper "Turandot" bei den Bregenzer Festspielen.
Ein Stück Chinesische Mauer ragt aus dem Bodensee - das Bühnenbild 2015/16 für die Oper "Turandot" bei den Bregenzer Festspielen. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Art Ölraffinerie als Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Eine knallrote Ölraffinerie war 2005 und 2006 das Bühnenbild für die Verdi-Oper "Der Troubadour" auf der größten Seebühne der Welt. Bild in Detailansicht öffnen
Ein gigantisches Auge war zentrales Element des Bühnenbildes für die Oper "Tosca" 2007 und 2008 auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele.
Ein gigantisches Auge war zentrales Element des Bühnenbildes für die Oper "Tosca" 2007 und 2008 auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Das Bühnenbild wurde auch für den James-Bond-Film "Quantum of Solace" und für Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz verwendet. Bild in Detailansicht öffnen
So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
Drei Drachenhunde und eine Schildkröte - darauf spielte 2013 und 2014 Mozarts "Zauberflöte". Bild in Detailansicht öffnen
Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Riesige Füße, Teile eines Kopfes, eine Hand - das Bühnenbild für Giuseppe Verdis "Aida" 2009 und 2010 wurde während der Aufführungen mit zwei großen Kränen zusammengesetzt. Es entstand eine Art New Yorker Freiheitsstatue. Bild in Detailansicht öffnen
Bühne als aufgeschlagenes Buch mit Skelett
1999 und 2000 sorgte das Bühnenbild zu Giuseppe Verdis Oper "Ein Maskenball" mit einem überdimensionalen Skelett für Aufsehen. Bild in Detailansicht öffnen
So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
Zwei riesige Hände wirbeln Spielkarten durch die Luft - das Bühnenbild zu George Bizets "Carmen" 2017 und 2018. Bild in Detailansicht öffnen
Das Bühnenbild zu Verdis "Rigoletto" bei den Bregenzer Festspielen 2021
Der Clown ist aufgewacht. Das Bühnenbild zu Verdis "Rigoletto" bei den Bregenzer Festspielen 2019 und 2021. Die Seebühnen-Aufführung 2020 fiel wegen der Corona-Pandemie aus. Bild in Detailansicht öffnen
Wie in Abendsonne getaucht wirkt das Bühnenbild. Aus dem Blatt Papier ragt ein Fahnenmast mit der amerikanischen Flagge bei Madame Butterfly bei den Bregenzer Festspielen 2022
Ein gigantisches, leicht zerknülltes Blatt Papier ist das Bühnenbild für "Madame Butterfly" 2022 und 2023. Bild in Detailansicht öffnen
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Nach feierlicher Eröffnung am Vormittag Bregenzer Festspiele zeigen zum Start die Oper "Oedipe"

Langen Applaus hat es am Mittwochabend für die erste Premiere der 79. Bregenzer Festspiele gegeben. Sie waren am Vormittag feierlich eröffnet worden. Auf der Seebühne wird noch einmal "Der Freischütz" gezeigt.

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Von Finnland an den Bodensee Bregenzer Festspiele – Auftakt der Intendanz von Lilli Paasikivi

Die finnische Mezzosopranistin Lilli Paasikivi ist ab 2025 künstlerische Leitung der Bregenzer Festspiele. Zuvor stand sie für 10 Jahre der Finnischen Nationaloper in Helsinki vor.

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Erstes Programm der neuen Intendantin Bregenzer Festspiele 2025: "Freischütz", rumänische Oper und finnischer Tango

Die Bregenzer Festspiele warten im kommenden Jahr mit einem nordischen Schwerpunkt auf. Die neue Intendantin Lilli Paasikivi stellte am Donnerstag das Programm für den Festspielsommer vor.